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21.01.2009

08:16 Uhr

Presseschau zur Amtseinführung von Barack Obama

„Acht Jahre Bush weggewischt“

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse im Obama-Rausch: Das Gros der Zeitungen lobt die Antrittsrede des neuen US-Präsidenten. Besonders die ungeschönte Analyse von Amerikas Problemen sowie der Aufruf zur Verantwortlichkeit gefallen den Kommentatoren. Uneins sind sich die Zeitungen, ob Obama konkrete Antworten auf die größten Probleme hätte geben müssen.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

In seiner Antrittsrede habe Präsident Obama den Hunderttausenden auf der Straße die Klarheit und den Respekt gegeben, nach dem alle Amerikaner gehungert hätten, kommentiert die New York Times . "In nur 20 Minuten hat er die acht Jahre der falschen Entscheidungen und gescheiterten Strategien von Präsident George Bush weggewischt und versprochen, an die meistgeschätzten amerikanischen Ideale anzuknüpfen." Zwar sei die Rede weder programmatisch gewesen noch gespickt mit einer "erhebenden Sprache" wie die erste Antrittsrede von Franklin D. Roosevelt oder die einzige von John Kennedy. Dennoch habe Obama keinen Zweifel gelassen, wie er die Probleme des Landes einschätze und wie er diese lösen wolle.

Die spanische Tageszeitung El País schreibt, Obama wecke so viel Hoffnung wie kaum einer seiner Vorgänger. Er könne auf ein Volk zählen, das optimistisch hinter ihm stehe. Gleichwohl übernehme er das Amt in Zeiten der Transformation, in denen das Zusammenleben der Völker und der Fortschritt neu geregelt werden müssten - ohne dass klar sei, mit welchen Mitteln dies gelingen könne. Der Kommentator hebt außerdem hervor, dass nur die USA einen solchen Tag in einen "Tribut an die Demokratie" erheben könnten, unübertroffen in Inszenierung und Magie. Über der Amtseinführung habe wegen der außergewöhnlichen, widersprüchlichen Umstände eine besondere Würde gelegen: Ein schwarzer Präsident habe den Rassenkonflikt beendet und den Minderheiten der Welt einen neuen Horizont aufgezeigt. Obama sei ein Anführer der Welt, getragen von einer einmaligen Welle der Begeisterung - gleichzeitig jedoch Präsident eines demoralisierten Landes mit schlechtem Ruf infolge der "Abenteuer" des Vorgängers, mit der Hypothek einer Wirtschaftskrise, die den Wohlstand der nächsten Generationen gefährde.

Eine klare Rede wie die er frühen US-Präsidenten, noch besser beim Lesen als beim Hören zu genießen, fasst die Washington Post ihre Eindrücke zusammen. Der neue Präsident habe rhetorisch nicht alle Register gezogen, habe nicht versucht, Punkte zu erzielen, aber die Wahrheit gesagt, wo das Land heute steht und wohin es gehen müsse.

Als eine neue Stimme der Hoffnung bezeichnet Nelson Mandela in seinem Gratulationsschreiben Barack Obama, berichtet die Cape Times aus Südafrika. "Inmitten all des menschlichen Fortschritts im letzten Jahrhundert, bestehen jedoch in der Welt, in der wir leben, weiterhin großen Unterschiede, Konflikte, Ungleichheiten, Armut und Ungerechtigkeit", zitiert das Blatt aus dem Brief Mandelas. Die Vereidigung des ersten schwarzen Präsidenten der USA erinnere Mandela in gewisse Weise an die Aufregung und Begeisterung in seinem eigenen Land zum Zeitpunkt des Endes der Apartheid. "Die Menschen, nicht nur in Südafrika, sondern in der ganzen Welt sind inspiriert zu glauben, dass durch gemeinsame Anstrengungen, Ungerechtigkeiten überwunden und gemeinsam ein besseres Leben für alle erreicht werden können." Nelson Mandela sei sich bewusst, dass die Erwartungen an die Präsidentschaft Obamas groß seien.

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