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27.05.2014

07:38 Uhr

Reisetagebuch China (1)

Ein Denkmal für Gerhard Schröder

VonHans-Jürgen Jakobs

Die Entdeckungsreise des Handelsblatts durch China führt die Delegation auch zum „798“ in Peking. Warum die chinesische Hauptstadt ihre aufregende Kunst-Fabrik einem deutschen Kanzler verdankt.

„Handelsblatt on Tour“ im Künstlerviertel 798: Hier gibt sich China liberal. Mathias Magg für Handelsblatt

„Handelsblatt on Tour“ im Künstlerviertel 798: Hier gibt sich China liberal.

Gerhard Schröder hätte ein Denkmal in Peking verdient. Bei einem seiner Besuche in Chinas Hauptstadt drang der Altkanzler doch tatsächlich darauf, zu einer alten Fabrik gefahren zu werden. Einer Fabrik, in der Künstler malten und an Installationen arbeiteten, sehr zum Verdruss der kommunistischen Regierung. Die wollte das Gebäude abreißen.

Hans-Jürgen Jakobs dpa

Hans-Jürgen Jakobs ist Chefredakteur des Handelsblatts und begleitet die Leserreise durch China.

So aber machte der deutsche Künstlerfreund Schröder, der Jörg Immendorf schätzte und Markus Lüpertz mag, den Hot Spot bekannt. Die Fabrik musste nach des Kanzlers Stippvisite bestehen bleiben. Heute ist „798“, so der Name der alten Fabrik, eine Sehenswürdigkeit, umsäumt von Cafés und Restaurants. Innen sind Galerien und Ausstellungsräume. Hier gibt sich China liberal und offen. Auf Bildern ist sogar eine Gesellschaftskritik möglich, die in gedruckter Form, nämlich in Zeitungen oder Zeitschriften, unmöglich wäre.

So ist also hier zu sehen, wie nackte, fette Kinder im Stil von Rotgardisten marschieren. Ein großes Schwarz-Weiß-Gemälde zeigt Mao-Zedong beim Besuch einer Ausstellung mit moderner Kunst, was der Säulenheilige der chinesischen Kommunisten garantiert zu seinen Lebzeiten nie getan hat. Eine Galerie heißt: „The Long March“, und in einem der großen Fabriksäle steht in riesigen roten Lettern geschrieben: „Lang lebe der Große Vorsitzende Mao“. Womöglich wusste Sozialdemokrat Schröder ja um die tiefere Bedeutung des Bauwerks.

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Die Fabrik war nach Plänen des Bauhauses in Dessau errichtet worden, hier entstanden in den 1950er-Jahren Anlagen und Maschinen, und für die große Investition in diese Fabrik war Mao noch zu Stalin nach Moskau gereist, der ihn einige Zeit zappeln ließ, ihm dann aber Audienz gewährte. Das war der Beginn einer Freundschaft der roten Bruderländer, in die sich dann auch noch die DDR einklinkte.

Heute stehen alte Geräte einer VEB zur Zier im Kunstausstellungsraum. Politische Beobachter erinnern sich, dass sich China und die Sowjetunion Ende der 1960er-Jahre wieder verkrachten, die jetzigen Staatsoberhäupter aber erst kürzlich wieder einen größeren Pakt geschlossen haben, den „Gas-Deal“. Diesmal war der Russe Bittsteller, Wladimir Putin, Schröders Freund.

So viel Geschichte ist, wenn man will, in „798“ konzentriert, und vielleicht bauen sie Gerhard Schröder aus Hannover irgendwann wirklich noch mal hier an diesem Pekinger Platz ein Denkmal - oder errichten ihm zumindest eine Skulptur.

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