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23.02.2002

07:50 Uhr

Meisten Management-Gurus kommen aus USA

Fortbildung vom Feinsten

VonCHRISTOPH MOHR

Auch Führungskräfte sind heutzutage zu lebenslangem Lernen verpflichtet. Gute Unternehmen schicken sie in Kurse der besten Business Schools.

Es muss nicht immer ein dreijähriges MBA-Studium sein: Wer im Beruf steht, sich nach dem Karrieresprung für seine neue Aufgabe fit machen will, wer einfach einmal den Kopf durchlüften möchte oder sich auf den neuesten Stand des Management-Wissens bringen will, dem reichen auch die so genannten Executive-Education-Programme: mehrtägige bis mehrwöchige Managerkurse für ein paar Tausend bis ein paar Zehntausend Euro.

Das weltweite Angebot ist riesig. Anders nämlich als in Deutschland, wo die Universitäten und Wirtschaftshochschulen praktisch überhaupt nicht auf dem Weiterbildungsmarkt für Manager aktiv sind, sind Fortbildungsprogramme für die kommerziell ausgerichteten Business Schools ein zweites Standbein. Die meisten Schulen bieten ganzjährig Kurse an, und es ist kein Geheimnis, dass nur sie den Business Schools wirklich Geld einbringen. "Trotz Studiengebühren zwischen 50 000 und 100 000 Dollar," sagt der Dean einer US-amerikanischen Schule, "machen die meisten von uns kein Geld mit MBA-Programmen. Das bringt nur die Executive Education."

Harvard-Umsatz kann sich sehen lassen

So liegen die Einnahmen mancher Business School in diesem Bereich deutlich über dem Jahresbudget der meisten deutsche Universitäten. Unbestätigten Schätzungen zufolge verdient Marktführer Harvard Business School 91 Millionen US-Dollar jährlich mit den Elite-Kursen. Aber auch die Zahlen der europäischen Business Schools können sich sehen lassen: Am französischen Insead in Fontainebleau betragen die Executive Education-Einnahmen 47,7 Millionen US-Dollar, am schweizerischen IMD 46,3 Millionen US-Dollar jährlich, die London Business School bringt es auf 28,6 Millionen US-Dollar und die IESE in Barcelona auf 24 Millionen US-Dollar.

Zwei Bereiche der Executive Education lassen sich voneinander unterscheiden. Zum einen werden so genannte customized programs (kundennahe Programme) angeboten, zum anderen open enrollment programs (für jede Anmeldung offen).

Customized programs sind genau auf die Bedürfnisse eines Unternehmens zugeschnitten und nur dessen Mitarbeiter dürfen daran teilnehmen. Solche Programme hat sich etwa der Bertelsmann-Konzern für seine Top-Manager und High Potentials von IMD, Insead und der Harvard Business School bauen lassen. "Das für uns von IMD und Harvard entwickelte ?Mastering New Challenges?-Programm ist ein strategisch wichtiges Element der Unternehmenstransformation," sagt Immanuel Hemreck, Leiter der Bertelsmann Corporate University, der Unternehmensuniversität. "250 Bertelsmann-Führungsmanager aus aller Welt haben es bislang durchlaufen. Und der Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhof ist jedesmal mindestens einen Tag dabei."

Qualitätsauswahl ist schwierig

Open enrollment Programme hingegen stehen grundsätzlich jedem zahlungskräftigen Interessenten offen. Doch auch hier selektieren die Business Schools unter den Interessenten, um ein hohes Niveau der Teilnehmer zu garantieren.

Schwieriger noch als bei MBA-Programmen ist bei Fortbildungskursen die Qualitätsauswahl. Generell gilt: Schulen mit renommierten Master-Programmen verfügen über gute Angebote im Bereich Executive Education. Das bestätigt eine Umfrage des US-Wirtschaftsmagazins  Business Week unter mehr als 500 Unternehmen weltweit: Die führenden MBA-Anbieter tauchen auch auf den vorderen Plätzen im Executive Education-Bereich auf: Chicago, Columbia, Cornell, Harvard, Kellogg, Michigan, Stanford und Wharton in den USA, Iese, IMD, Insead und London Business School in Europa.

Interessant sind die Details dieser Rangliste: Bei den customized programs nämlich schlagen gleich drei europäische Schulen - Iese, IMD und Insead - sämtliche US-amerikanischen Business Schools. In anderen Bereichen haben amerikanische Schulen die Nase vorn: im Bereich Marketing die Kellogg Graduate School of Management der Northwestern University und im Personalführungsbereich die University of Michigan Business School. Das Center for Creative Leadership aus den USA ist ebenfalls ein führender Anbieter, der jedoch kein MBA-Programm hat.

Unternehmen picken sich die Gurus raus

Manche Unternehmen gehen noch weiter und suchen sich nicht nur die beste Business School, sondern die besten Professoren. Das macht insbesondere dann Sinn, wenn sie, wie Bertelsmann, über eine eigene "Universität" verfügen. Sich auf diese Art die Rosinen aus dem Kuchen zu picken ist allerdings bei den Business Schools nicht beliebt. "Gute Schulen versuchen das zu stoppen, da es bedeutet, dass die eigenen Professoren Mitbewerber auf dem Executive Education-Markt werden", sagt Professor Jordi Canals, Dean der IESE-Business School in Barcelona.

Das hat nicht verhindern können, dass sich insbesondere in den USA eine Gruppe hochbezahlter Management-Gurus herausgebildet hat, die von den Unternehmen für ihre Fortbildungsprogramme eingekauft werden. Neben weltbekannten Namen wie Peter Drucker, Gary Hamel oder Michael E. Porter gehören dazu auch andere Business School-Professoren wie David Ulrich von der University of Michigan Business School, der als führender Experte im Bereich Human Ressources gilt oder der Tuck-School Professor Vijay Govindarajan.

Doch unabhängig davon, welche hochwertigen Lektoren die Führungskräfte genießen, gewiefte Programm-Teilnehmer sehen den Zweck der ganzen Übung sowieso woanders: "Das Beste an meinem Harvard-Executive Education-Programm ist, dass ich jetzt auch Mitglied der Harvard-Alumni-Vereinigung werden kann," sagt ein Teilnehmer. Zum weltweiten Netzwerk der Eliteuniversität zu gehören ist manch einem wertvoller, als das eigentliche Studium.

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