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10.01.2003

14:05 Uhr

Meisterschaft ist Pflicht

Hitzfeld greift durch

Mit einer "empfindlichen Geldstrafe" für Stürmer Claudio Pizarro und deutlich höheren Ansprüchen an "Leitwolf" Michael Ballack hat Ottmar Hitzfeld zum Abschluss des Trainingslagers des FC Bayern München in Spanien deutliche Zeichen gesetzt.

Bayer-Coach Ottmar Hitzfeld versucht dem Redeeifer seiner Spieler Einhalt zu gebieten. Foto: dpa

Bayer-Coach Ottmar Hitzfeld versucht dem Redeeifer seiner Spieler Einhalt zu gebieten. Foto: dpa

HB/dpa MARBELLA. Pizarro muss dafür bezahlen, dass er in einem Interview mit dem Fußball-Magazin "kicker" Kritik an der Taktik des Trainers geübt und mit einem vorzeitigen Abschied aus München zum Saisonende gedroht hatte. "Es ist Mode geworden, dass Spieler in der Öffentlichkeit jammern. Das werde ich nicht dulden", sagte Hitzfeld am Freitag in Marbella.

Die härtere Gangart des Trainers im neuen Jahr könnte als nächstes der Franzose Willy Sagnol zu spüren bekommen, der mit drei Kilogramm Übergewicht aus dem Weihnachtsurlaub zurück gekehrt war. "Ich habe ihm eine Frist gesetzt, innerhalb von zwei Wochen abzuspecken", erklärte Hitzfeld zwei Tage vor seinem 54. Geburtstag.

Der Trainer greift durch. Pizarros egoistische Aussagen nahm er am Freitag zum Anlass, der Mannschaft insgesamt eindringlich ins Gewissen zu reden: "Ich habe sehr intensiv mit der Mannschaft gesprochen, dass ich Aussagen wie die von Pizarro nicht dulden und auch in Zukunft sanktionieren werde", berichtete Hitzfeld. Von einer öffentlichen Zensur könne keine Rede sein: "Die Spieler dürfen sich äußern. Aber die Richtung der Aussagen kann ich nicht akzeptieren. Dem muss ich einen Riegel vorschieben, damit es nicht eskaliert."

Der 24-jährige Pizarro hatte sich im "kicker" über den Verlust seines Stammplatz' während der Vorrunde beklagt. Zugleich missfällt ihm, dass Hitzfeld ein System mit einer zentralen Spitze bevorzugt. "Ich spiele lieber mit zwei Stürmern", so Pizarro. Sein Ex-Trainer Thomas Schaaf beim SV Werder Bremen habe das gewusst ("Schaaf ist ein guter Trainer"), kritisierte der 24-Jährige indirekt Hitzfeld und sagte: "Falls ich nicht spiele, kann passieren, dass ich mir einen anderen Verein suche." Sein hoch dotierter Vertrag läuft bis 2005.

"Man kann nicht diskutieren, ob wir mit zwei oder drei Spitzen spielen. Das ist unkollegial", betonte Hitzfeld: "Jeder will immer nur gut aussehen." An alle Akteure gerichtet, ergänzte er: "Es hat sich noch kein Spieler mit Jammern in die Mannschaft hineingeredet."

Insgesamt bescheinigte er seinem Team im Trainingslager eine "hervorragende Moral". Auch Torjäger Giovane Elber habe "ein Zeichen gesetzt, dass er angreifen will". Hitzfeld erwartet in der Rückrunde von allen Spielern mehr, insbesondere aber von Ballack, der endlich erkennbar als "Leitwolf" die Nachfolge von Stefan Effenberg antreten soll. "Er muss lauter werden und die Mannschaft mehr mitreißen. Die Mannschaft braucht einen Leader", setzte er Ballack unter Druck.

Die Startelf für den Rückrunden-Auftakt am 26. Januar gegen Borussia Mönchengladbach steht bereits, wie die Trainingstage in Spanien zeigten. Im Tor steht Kapitän Kahn, davor bilden Hargreaves, Robert Kovac, Linke und Lizarazu die Abwehrkette. Im Mittelfeld spielen defensiv Jeremies sowie offensiv Scholl, Ballack und Ze Roberto. Die Stürmer heißen Elber und Santa Cruz. Diese Formation wollte Hitzfeld auch am Freitagabend im ersten Testspiel des neuen Jahres gegen den türkischen Meister Galatasaray Istanbul beginnen lassen. "Ich werde nicht mehr viel experimentieren", bestätigte der Trainer. Diese Elf sei "die offensive Variante". Wenn sie sich bewährt, wird sie auch in zwei Wochen das Unternehmen Titelgewinn in Angriff nehmen: "Die Meisterschaft ist Pflicht für uns", so Hitzfeld: "Aber wir wären die größten Idioten, wenn wir nachlässig würden."

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