Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2001

15:11 Uhr

"Memorandum of Understanding" wird eingehalten

Verhandlungen zwischen EM.TV und Kirch-Gruppe gehen weiter

Die Sprecher beider Unternehmen erklärten, die Verhandlungen bis Ende Januar weiterzuführen. Analyse: An der Formel Eins hängt die Zukunft von EM.TV Spekulationen um Übernahmekampf bei EM.TV kochen hoch

vwd MÜNCHEN. Das angeschlagene Medienunternehmen EM.TV & Merchandising AG, Unterföhring, und die Kirch-Gruppe verhandeln offenbar weiter. EM.TV-Sprecher Michael Birnbaum erklärte am Montag auf Anfrage, die Verhandlungen mit Kirch gingen weiter. Kirch-Sprecher Hartmut Schulz sagte, sein Unternehmen habe die Verhandlungen bisher nicht abgebrochen. Die Prüfung der Bücher gehe weiter. Beide erklärten, sie hielten sich an das im Dezember vereinbarte "Memorandum of Understanding". Demnach wird zwischen EM.TV und Kirch bis Ende Januar exklusiv über den Einstieg Kirchs bei EM.TV mit maximal 16,74 % sowie die Übernahme von 49 % des 50-prozentigen EM.TV-Anteils an der Formel-1-Holding SLEC verhandelt.

Zu Spekulationen und Gerüchten nähmen sie keine Stellung, sagten die Sprecher. In der Financial Times Deutschland (Montagsausgabe) hatte es geheißen, EM.TV-Vorstandsvorsitzender Thomas Haffa wolle vorzeitig die Gespräche mit Kirch beenden, um mit möglichen anderen Partnern zu verhandeln. Unterdessen wurde vwd auf Anfrage bei Rechtsanwalt Sven Galla von Rotter Rechtsanwälte, München, bekannt, dass es neben der bisher sich aus dem Prospekt zur Kapitalerhöhung vom November 1999 ergebenden Lock-up-Periode eine zweite Lock-up-Periode gibt.

Unklarheit über Aktienverkäufe der Haffa-Brüder

In einem Prospekt vom Januar 2000 über eine Wandelanleihe sei in dessen zweitem Nachtrag vom 9. Februar 2000 ebenfalls eine Lock-up-Periode von sechs Monaten für die Haffa-Brüder festgeschrieben. Im Gegensatz zum Kapitalerhöhungsprospekt, in dem die Lock-up-Periode nur für Aktien mit der Wertpapierkennnummer (WKN) 568 471 gelte, beziehe sich der Prospekt über die Wandelanleihe auf den Verkauf aller Aktien durch die Haffa-Brüder. Dies bedeute, dass Florian Haffas Verkauf der Aktien am 14. Juli 2000 innerhalb der im Wandelanleiheprospekt festgeschreiben Lock-up-Periode erfolgt sei.

Bislang sei nicht nachgewiesen, ob Thomas Haffa im Februar die Aktien mit der WKN 568 471 veräußert habe, oder ob es sich um andere Aktien gehandelt habe. Es sei aber davon auszugehen, denn Haffa habezugegeben 200 000 Aktien im Februar verkauft zu haben, sagte Galla. Er vertrete mittlerweile mehr als 300 Mandaten mit einer Schadensersatzforderungssumme an EM.TV von rund zehn Mill. DM. Ein außergerichtliches Aufforderungschreiben werde er frühestens im Laufe der kommenden Woche an EM.TV richten. Wünschten es seine Mandanten, so sei er bereit, den Fall bis vor die letzte richterliche Instanz zu bringen.

Er sehe Aussichten auf "Erfolg". Die Schwierigkeit bestehe darin, Thomas und Florian Haffa Vorsatz nachzuweisen. Die Indizen der vergangenen Tage verdichteten sich jedoch. Galla sieht dafür vor allem die mit Bernie Ecclestone vereinbarte Put-Option über den 25-prozentigen Kauf an der Formel-1-Holding SLEC. Darüber sei nicht richtig in der Öffentlichkeit informiert worden. Die Brüder Haffa hätten "Schönwetterpolitik" betrieben, um den Kurs hoch zu halten, damit sie für die Option gewappnet blieben. Oberstaatsanwalt Manfred Wick erklärte auf Anfrage, der Aktienverkauf von Florian Haffa im Juli und Oktober 2000 "sei für ihn nichts Neues". Dies sei der Staatsanwaltschaft bereits seit Eröffnung des Ermittlungsverfahrens bekannt.

Verhaftung der Haffa-Brüder laut Rechtsanwalt ausgeschlossen

Der "Spiegel" hatte in seiner neuesten Ausgabe berichtet, der ehemalige Finanzvorstand Florian Haffa habe im Juli 2000 und im Oktober 2000 insgesamt 450 000 Aktien zum Gesamtpreis von 34,1 Mill. DM veräußert. Beim letzten Verkauf habe Florian Haffa einen "hohen Kredit" zurückzahlen müssen. Der Rechtsanwalt von Florian Haffa, Wolfgang Dingfelder, bestätigte auf Anfrage die beiden Verkäufe. Sie hätten vom ersten Tag an den Verkauf zugegeben und die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft übergeben, sagte Dingfelder. "Wir betreiben gegenüber der Staatsanwaltschaft Glasnost-Politik", sagte er. Er rechne damit, dass die Staatsanwaltschaft vermutlich bis Mitte Februar die Unterlagen gesichtet habe und die Haffa-Brüder erneut vernommen würden.

Ziel sei es, die Einstellung des Verfahrens zu erwirken und eine Gerichtsverhandlung zu verhindern, erklärte Dingfelder. Eine Verhaftung und U-Haft für die Haffa-Brüder sei aber selbst im "worst case" kein Thema. Dies sei kein "high crime", sagte er. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit Ende vergangenen Jahres unter anderem gegen Vorstandsvorsitzenden Thomas Haffa und dessen Bruder Florian wegen Verdachts auf Insiderhandel. Außerdem sollen sie unrichtige Angaben über die Unternehmenssituation gemacht haben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×