Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2002

19:00 Uhr

Mercedes & Co hoffen auf Ende der hohen Preisnachlässe

Deutsche Autokonzerne lehnen US-Rabatte ab

Bei den deutschen Autoherstellern ist die Ablehnung des Rabattkampfes auf dem US-Markt weit verbreitet. Das solle auch in diesem Jahr so bleiben, sonst drohe eine "Erosion der Ertragslage", heißt es. Allerdings haben die Deutschen nur wenig Chancen, ihre Vorstellungen in den USA durchzusetzen.

zel DETROIT. Die deutschen Automobilhersteller wollen in diesem Jahr die massiv ausgedehnte Rabattpolitik der großen US-Konzerne auf dem amerikanischen Automarkt nicht mitmachen. Darauf deuten Äußerungen führender Automobilmanager auf der Detroit Motor Show hin. Georg Flandorfer, Vertriebsvorstand bei Audi, sprach sich für ein schnelles Ende der großzügigen Rabattgewährung aus.

Aus wirtschaftlicher Sicht sei diese alles andere als gesund, sie bewirke allenfalls eine auf lange Sicht angelegte "Erosion der Ertragslage" - nicht nur bei den Herstellern, sondern auch bei den Händlern, erklärte Flandorfer. Mercedes-Chef Jürgen Hubbert sagte dem Handelsblatt: "Wir haben uns von den Rabattprogrammen abgekoppelt und werden das auch in diesem Jahr tun."

Besonders General Motors (GM) war mit Nachlässen vorangeprescht. Nach den Terroranschlägen vom September hatte GM Finanzierungen mit Null-Prozent-Zinsen angeboten. Jetzt wirbt der größte amerikanische Automobilhersteller mit einem Rabatt von 2002 $ je Neuwagen. Das amerikanische Forschungsinstitut DRI-Wefa schätzt, dass US-Kunden ihre geplanten Käufe wegen der günstigen Bedingungen vorgezogen haben. Im Jahr 2002 fehlten dadurch etwa 500 000 Neuwagenkäufe. Finanzierungen zu null Prozent Verzinsung entsprächen einem Rabatt je Auto von ungefähr 4000 $.

Audi-Vorstand Flandorfer hofft, dass wirtschaftliche Vernunft durchgreife und weniger Rabatt gegeben werde. Erstes Anzeichen dafür sei die Quasi-Halbierung der Nachlässe bei General Motors. Deutsche Hersteller haben wegen ihres verhältnismäßig kleinen Marktanteils in den USA allerdings nur begrenzte Chancen, ihre Vorstellungen am Markt durchzusetzen. Nach Angaben des US-Statistikunternehmens Autodata kommen die deutschen Marken in den USA auf einen Anteil von etwa 6 %.

Deshalb konnte sich auch Audi im vorigen Jahr nicht dem Rabattdruck entziehen. Bei den Händlern des Ingolstädter Unternehmens bekamen US-Kunden pro Auto bis zu 1500 $ dazu. Im neuen Jahr könnten es zwischen 300 und 500 $ pro Auto werden, laut Flandorfer gibt es jedoch vom Hersteller kein festes Rabattprogramm. Im Einzelfall müsse der Händler selbst entscheiden.

Ähnlich äußert sich auch die Konzernmutter Volkswagen. "Wir haben uns an dieser Rabattauseinandersetzung nicht beteiligt", sagte VW-Vorstand Jens Neumann, im Wolfsburger Unternehmen verantwortlich für das US-Geschäft. Weltweit verkaufte VW im vergangenen Jahr gut 5 Mill. Fahrzeuge. Nach Angaben des künftigen VW-Vorstandschefs Bernd Pischetsrieder will der Konzern im neuen Jahr ähnlich viele Autos verkaufen. Bei einem schrumpfenden Weltmarkt würde VW damit seinen Anteil steigern.

Aus deutscher Sicht lohnt sich das US-Geschäft trotz des Rabattdrucks immer noch. Allein wegen des günstigen Euro-Dollar-Kurses sei der Verkauf von in Deutschland gefertigten Autos in den USA immer noch "hoch lukrativ", sagte Flandorfer. BMW gelang im vergangenen ein Verkauf in Rekordhöhe - wenn auch mit großzügiger angelegten Rabatten und Nachlässen. Für BMW-Chef Joachim Milberg fährt das Münchener Unternehmen in den USA die richtige Strategie: "Wir machen keine besonderen Aktionen in Sachen Rabatte oder Nachlässe", sagte er dem Handelsblatt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×