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11.01.2002

17:42 Uhr

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Merkel verliert zunächst an Einfluss

Angela Merkel hat als erste gezuckt: Auf dem Höhepunkt ihres Zweikampfs mit CSU-Chef Edmund Stoiber um die "K-Frage" genannte Kanzlerkandidatur der Union erklärte sie am Freitag in Magdeburg ihren Rückzug.

Reuters BERLIN. Zuvor hatten beide in der zum Duell hochstilisierten Frage nachdrücklich ihre Ambitionen angemeldet und damit in der Union die Sorge ausgelöst, einer von ihnen werde aus dem Zweikampf politisch beschädigt hervorgehen. Merkel hatte sich bis zuletzt entschlossen gezeigt, dafür aber offenbar immer weniger Rückhalt in der eigenen Partei und Fraktion gefunden. Als sie kurz nach 17.00 Uhr im Magdeburger Hotel "Herrenkrug" vor die Presse trat, begründete sie ihren Rückzug mit der notwendigen Geschlossenheit der Union. Ein klarer Hinweis darauf, dass sie selbst erkannt hat, in der Union keine Unterstützung für ihre Kandidatur zu haben.

Noch Anfang der Woche hatte Merkel wiederholt, dass sie zur Kandidatur bereit sei. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich unter den führenden Vertretern ihrer eigenen Partei offenbar schon ein deutliches Meinungsbild zu Gunsten Stoibers gebildet, dem in Umfragen bei der Bundestagswahl im September bessere Chancen als Herausforderer von SPD-Kanzler Gerhard Schröders zugetraut werden. Merkel ließ dennoch keinerlei Bereitschaft zum Rückzug erkennen.

Allerdings war schon zuvor spekuliert worden, dass Merkel den Zweikampf durch ihren öffentlich bekräftigten Anspruch auf die Spitze treiben wollte, um Stoiber aus einer Position der Stärke heraus das Feld zu überlassen und nicht als Verliererin dazustehen. Der Parteienforscher Peter Lösche sagte n-tv, Merkel könne ihre eigene Position in der Partei sichern, wenn es ihr gelänge, "mit Souveränität Edmund Stoiber als Kanzlerkandidaten vorzuschlagen".

Dennoch hat die 47-Jährige promovierte Physikerin nach ihrem Rückzug auf den ersten Blick an Macht klar verloren. Anders als frühere CDU-Chefs hat sie kein Regierungsamt auf Bundes- oder Landesebene und ist auch nicht Chefin der Bundestagsfraktionschefin. Sie habe den Fehler gemacht, die Trennung von Partei- und Fraktionsvorsitz zuzulassen, sagte der Politikprofessor Heinrich Oberreuter n-tv. In dieser Situation war die mögliche Kanzlerkandidatur einer der wenigen Einflussfaktoren.

Allerdings muss sich Stoiber nach Einschätzung von Parteienforschern als Unionskandidat um die möglichst geschlossene Unterstützung der großen Schwesterpartei bemühen. Daher dürfte er Merkel eher zu stärken als zu schwächen versuchen. Auch Lösche geht davon aus, dass Merkel Pluspunkte sammeln kann, wenn sie die CDU bis zur Bundestagswahl möglichst geschlossen hinter Stoiber bringt.

Doch zunächst ist unklar, wie der weitere politische Weg Merkels verlaufen wird, der 1989 in der DDR-Bürgerbewegung "Demokratischer Aufbruch" begonnen und der sie seither zur Bundesumweltministerin, CDU-Generalsekretärin und Parteivorsitzenden gemacht hatte. Ende Dezember, als die "K-Frage" noch offen war, hatte Merkel zu ihrer politischen Zukunft gesagt: "Ich möchte am Ende des Jahres 2001 nicht am Ende meines politischen Weges sein." Als sie ihren Rückzug verkündete, deutete nichts darauf hin, dass sie ihre Meinung in den zwei Wochen seither geändert habe. Und Unionspolitiker bemühten sich nach der Entscheidung auch den Eindruck zu erwecken, die CDU-Chefin sei nicht beschädigt. "Angela Merkel", sagte Fraktionschef Friedrich Merz, "ist alles andere als eine Verliererin am heutigen Tag."

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