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23.01.2008

14:23 Uhr

Mike Huckabee freut sich

„Fred hat sich von seiner jungen Frau überreden lassen“

VonMarkus Ziener

Mike Huckabee hatte an diesem Tag im Dezember Lust, ein wenig aus dem Nähkästchen der GOP zu plaudern. Die „Grand Old Party“ sind seine Republikaner und dessen Spitzenpersonal war gerade dabei, sich für die Vorwahlen zu positionieren. Es war gemütlich und vertraut in der etwa 20-köpfigen Runde von Unterstützern in Orlando, Geschäftsleute aus Florida allesamt, und „Huck“ begann, über seine Kollegen zu sinnieren.

Fred Thompson hat aufgegeben. Foto: Archiv Quelle: ap

Fred Thompson hat aufgegeben. Foto: Archiv

WASHINGTON. Er sprach über Mitt Romney, über John McCain und dann, dann dachte er auch laut über Fred Thompson nach. „Fred“, sagte Mike mit einem leichten Seufzer, „Fred hat sich zu der Sache von seiner jungen Frau überreden lassen“. Viel mehr sagte Huckabee nicht, aber mehr war auch nicht nötig. An diesem Dezembertag vor rund zwei Monaten hatte Huckabee seinen Rivalen bereits abgeschrieben. Am Dienstag hat Thompson tatsächlich das Handtuch geworfen.

Die Riege der Republikaner hat damit eine der schillerndsten und gleichzeitig wohl am meisten überschätzten Figuren verloren. Denn Thompson, einst Senator in Tennessee, hatte all das, was die Medien so lieben. Eine bewegte Vita, viel weibliche Beachtung, große Hoffnungen.

Fred Thompson saß bereits 1973 als beratender Anwalt im Watergate-Verfahren des Senats dabei, er schauspielert mal als Präsident Ulysses S. Grant und dann wieder als Staatsanwalt Arthur Branch in der Serie „Law & Order“ - und immer fällt sein Name in Zusammenhang mit diversen Romanzen. Vor allem aber galt Thompson lange Zeit als jener republikanische Kandidat, der das disparate Feld der Bewerber aufrollen könnte. Zumindest galt diese Annahme, so lange Thompson mit seiner Kandidatur kokettierte – und ohne etwas zu tun sagenhafte Umfragewerte vorlegte.

Doch als der gesichtszerknitterte Thompson schließlich antrat, war der Glanz plötzlich verfolgen. Kein souveräner Staatsanwalt, kein Ronald Reagan-Widergänger, kein Standartenträger der konservativen Sache präsentierte sich da. Fred Thompson wirkte unsicher, uninspirierend – irgendwie unlustig. Wer sich seinen Terminkalender ansah, der wunderte sich: Während andere wie etwa sein guter Freund John McCain die Ochsentour in Iowa und New Hampshire hinlegten und in Feuerwehrhäusern und Townhalls mit den Menschen sprachen, pausierte Fred. Und als bei der Florida State Convention im Herbst die republikanische Garde große Reden schwang, mühte sich Thompson mit einer abgespulten fünfminütigen Ansprache. Dieser Mann, so schien es, hatte einfach keine Lust an dem Job.

Kurz bevor die Thompson-Kampagne diese Woche nun das Ende verkündete, war es wieder Mike Huckabee, der Stunden zuvor – und diesmal öffentlich – über Thompson sinnierte. Der werde wohl bald aussteigen, orakelte Huckabee. Und der Evangelikale dürfte sich darüber am meisten freuen. Denn für Huckabees Niederlage gegen John McCain in South Carolina machte dieser vor allem einen verantwortlich – Fred Thompson. Dessen Stimmen sollen Huckabee nun in Florida an die Spitze katapultieren.

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