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02.07.2000

19:46 Uhr

Milliardeninvestitionen in UMTS-Lizenzen – Auf der Suche nach strategischen Partnern

Hongkongs Telecom-Tycoon drängt in Europas Mobilmarkt

VonOliver Müller

Hongkongs mächtigster und reichster Tycoon, Li Ka-Shing, greift die europäischen Telekom-Giganten in ihrem Heimatmarkt an. Mit strategischen Partnern plant seine Hutchison Whampoa Ltd. in allen relevanten europäischen Ländern den Kampf um die Vorherrschaft im UMTS-Markt aufzunehmen.

HB HONGKONG. Die Hutchison Whampoa Ltd. (HWL) macht mobil für den Sturm auf den europäischen Mobilfunkmarkt der nächsten Generation. Um die beträchtlichen Investitionsrisiken bei einer Expansion ins UMTS-Geschäft zu verringern, will der Hongkonger Mischkonzern eine Holding gründen, unter deren Dach alle europäischen UMTS-Aktivitäten konzentriert werden sollen.
Analysten sagte das Hutchison-Management, dass HWL an dem neuen Unternehmen 60 % halten wolle. Für die übrigen 40% werden strategische Investoren gesucht. Zwischen 2001 und 2002 will HWL 25 % der Holding an die Börse bringen.

Hutchisons erklärtes Ziel lautet, zu einem der großen paneuropäischen Player im UMTS-Geschäft zu avancieren. Das Unternehmen hat weltweit rund 4 Millionen Mobilfunkkunden. Seit dem Verkauf seines Orange-Anteils an Mannesmann Ende 1999 hat der Konzern aber keinen Fuss mehr im lukrativen europäischen Markt.
Der Wiedereintritt kommt teuer: ABN Amro-Analyst Eddie Lau schätzt, dass Hutchison für Lizenzen und den Bau von Netzwerken alleine in Großbritannien, Deutschland, Frankreich der Schweiz und Schweden 38,6 Mrd. $ aufbringen muss. Und das unter der Annahme, dass die kanadische Telesystem International Wireless (TIW) für die 4,38 Mrd. £ aufkommt, die die UMTS-Lizenz in Großbritannien gekostet hat.

Aus aufsichtsrechtlichen Gründen musste HWL mit TIW in England eine komplizierte Joint-Venture-Vereinbarung eingehen: Obwohl TIW nur 10 % an dem Gemeinschaftsunternehmen hält, besitzt es die UMTS-Lizenz allein. Deren Erwerb hat TIW mit einem Kredit finanziert, den HWL garantiert. SG-Securities-Analyst Robert Sassoon erwartet, dass HWL den Kanadiern die Lizenz abkaufen wird. In Schweden bewirbt sich Hutchison zusammen mit Investor AB für eine UMTS-Lizenz. Ausserdem bietet HWL in Deutschland, Niederlanden und der Schweiz mit und hat sein Interesse an Frankreich bekundet.
Einer Unternehmenssprecherin zufolge ist der Konzern aber zumindest potentiell an Lizenzen an allen europäischen Ländern interessiert.

Deutschland ist Li Ka-Shing 13,3 Mrd. Euro wert

HWL-Chairman Li Ka-Shing zufolge hat Hutchinson für die Deutschland-Expansion 100 Mrd. HK-$ (13,3 Mrd. Euro) vorgesehen. Analysten erwarten, dass HWL seine Joint Ventures in Schweden, wo es mit 60 % beteiligt ist und Großbritannien (90 % HWL-Anteil) in die neue Holding einbringen und seine Mobilfunk-Projekte in den verschiedenen Ländern jeweils zur Hälfte durch Anleihen und Aktien finanzieren wird.
Über seinen Holding-Anteil hinaus möchte der Konzern offensichtlich auch direkt Anteile in allen einzelnen Ländergesellschaften halten.

Die Spekulationssaison über potenzielle Partner ist bereits eröffnet

Hutchisons UMTS-Pläne werfen die Frage nach strategischen Partnern auf. SG-Analyst Sassoon hält E-plus für einen möglichen Allierten in Deutschland, seiner Ansicht nach ein Eckstein für Hutchisons Europa-Strategie. "In Deutschland brauchen sie einen Partner, und es ist wichtig, dass sie den richtigen finden. Denn hier eine Lizenz zu erhalten, wird schwieriger als in Großbritannien." Die Verbindung zu einem etablierten Mobilfunkanbieter könnte seiner Ansicht nach helfen.
In der vergangenen Woche wurde immer wieder darüber spekuliert, dass Hutchison einen Teil seines britischen Joint Ventures an die japanische NTT DoCoMo abtreten will. Das Unternehmen kommentiert dies nicht. Im Dezember 1999 hat HWL bereits 19 % seiner Hongkonger Mobilfunktochter an NTT DoCoMo verkauft.
Goldman Sachs erwartet, dass Hutchison NTTs vielbeschworenes technologisches Know-How bei Mobilfunkdiensten der dritten Generation dazu nutzen wird, in Hongkong noch in diesem Jahr drahtlose Datenübertragungsdienste einzuführen - und diese dann eventuell von hier aus nach Übersee ausdehnt. Eine Allianz mit NTT DoCoMo für den europäischen Markt hält die US-Investmentbank ausdrücklich für denkbar.

Anil Daswani, Analyst bei Salomon Smith Barney, kann sich vorstellen, dass HWL die amerikanische Voicestream Wireless mit ins Boot nimmt, an der das Unternehmen selbst 23 % hält. Für den SG-Analysten Sassoon kommen als strategische Partner aber nicht nur Telekom-Konzerne in Betracht, sondern neben Handyproduzenten auch Unternehmen, die für das neue Datennetz attraktive Inhalte an-bieten können.

Netzwerk ohne Grundgerüst

Mit seiner Europa-Strategie geht Hutchison ein großes Risiko ein. Ob die Gewinne die massiven Investionskosten je rechtfertigen, ist unsicher. Außerdem hat Hutchison ein Handicap gegenüber seinen Mitbewerbern um einen Logenplatz im europäischen UMTS-Geschäft: Anders als Vodafone, Deutsche Telekom oder France Telecom muss HWL sein Netzwerk von Null aufbauen und verfügt über keinen etablierten Markennamen. Orange-Verkauf hat erst die Basis geschaffen.

Die meisten Analysten trauen dem Konzern jedoch einen Erfolg zu. Sassoon setzt auf das exzellente Management, das mit Orange bewiesen habe, dass es für HWL riesige Gewinne schaffen kann. Der Orange-Verkauf hat der HWL-Kriegskasse 23 Mrd. $ beschert, und der größte Teil davon soll in die Europa-Expansion fließen. Daswani erwartet, dass Hutchison aggressiv am Markt antritt und Kunden vor allem über attraktive Preise ködern wird. Vom 2005 an will HWL im europäischen UMTS-Geschäft Gewinne einfahren. Aber weder Sassoon noch Daswani wollen ausschließen, dass der Konzern seine Anteile bis dann längst mit Gewinn verkauft hat, genau so wie bei Orange.

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