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08.02.2001

16:45 Uhr

Milliardenschulden

Europas Telekomkonzerne unter Druck

VonMartin Bünnagel (Handelsblatt.com)

Nach teuren Übernahmen, Milliardeninvestitionen und massiven Kursrutschen stehen die europäischen Telekommunikationsunternehmen unter Druck. Durch den Erwerb der UMTS-Lizenzen benötigt kaum eine Branche so dringend frisches Kapital wie die der Telekomriesen.

HB DÜSSELDORF. Während die Deutsche Telekom und die British Telekom Angesichts des drohenden IPO-Misserfolgs von Orange ebenfalls um die erhofften Einnahmen aus den Börsengängen ihrer Töchter bangen müssen, prognostiziert eine Studie den beiden Unternehmen, dass sie kaum Chancen hätten ihre UMTS-Investitionen jemals wieder erwirtschaften zu können.

Zur Finanzierung der UMTS-Investitionen nahmen die europäischen Telekomunternehmen im Jahr 2000 nach einer Erhebung der Reuters-Tochter Loan Price Corporation (LPC) Kredite in Höhe von 214,3 Mrd $ auf. So hatte die France Telecom ein Darlehen in Höhe von 27,88 Mrd $ aufgenommen um die Übernahme des britischen Mobilfunkanbieters Orange zu finanzieren. Der britische Marktführer Vodafone war mit einem Kreditvolumen von insgesamt 36,4 Mrd. $ der grösste Kreditnehmer in Europa. Das niederländische Telekommunikationsunternehmen KPN benötigte Darlehen in Höhe von 30,98 Mrd $. Die Telecom Italia nahm in zwei Darlehen insgesamt 27,49 Mrd $ auf. Die British Telecom erhielt einen Kredit von 26,97 $. Die Deutsche Telekom benötigte 10,55 Mrd $ und die spanische Telefonica 7,07 Mrd. $.

Die Deutsche Telekom häufte nach Schätzungen von Experten in den vergangenen Jahren eine Nettoverschuldung in Höhe von 56,4 Mrd. Euro an. Analysten schätzen diesen Betrag im Vergleich mit den Wettbewerbern als verhältnismäßig gering ein. Die Telekom sei durch Bonds refinanziert, sagte Analyst Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin gegenüber einer Nachrichtenagentur. Es gebe keine zu deckenden Brückenkredite und einen wertvolleren Beteiligungsbesitz. Zur Schuldenreduzierung brauche die Telekom den T-Mobile-Börsengang nicht, sagte auch Vereins und Westbank-Analyst - Nils Machemehl. Die Finanznot der Telekom sei nicht so groß wie bei KPN oder BT.

Die British Telecom bekräftigte am Donnertag die Börsenpläne für Britisch Telecom Wireless. Diese sollen ungeachtet des schwachen Orange-Börsengangs dazu beitragen, die Verbindlichkeiten von British Telecom wie geplant von gegenwärtig rund 30 Mrd. Pfund (91,8 Milliarden DM) bis Jahresende um 10 Mrd. Pfund abzubauen, wie Unternehmenschef Peter Bonfield sagte. Die Platzierung von bis zu 25 % der Mobilfunkaktivitäten an der Börse werde durch Orange nicht beeinträchtigt, hieß es.

Auch KPN hält eigenen Angaben zufolge an den Börsenplänen für die Mobilfunksparte fest und setzt auf eine Verbesserung des Börsenklimas. KPN hatte am Jahresende Netto-Schulden von 21 Mrd. Euro, die mit den erwarteten Einnahmen aus dem Börsengang der Mobilfunktochter auf zehn Milliarden Euro gedrückt werden sollen.

Doch gerade beim erhofften Milliardengeschäft mit dem Mobilfunkstandard UMTS drohen der Deutschen Telekom und der British Telecom nach Einschätzung der Unternehmensberatung Mummert und Partner ein Desaster. Denn beide Telekommunikationsunternehmen sind vornehmlich in den teuersten europäischen UMTS-Märkten vertreten. In Deutschland kosten die UMTS-Paktete nach der Mummert und Partner-Studie pro Kopf der Einwohnerzahl 619 Euro und in Großbritannien 654 Euro. Die beiden Unternehmen seien die großen Verlierer der UMTS-Verteigerungen, so die Studie.

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