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26.01.2001

17:25 Uhr

Millionenstadt Ahmedabad am schwersten betroffen

Erdbeben in Indien fordert mindestens 845 Menschenleben

Das schwerste Erdbeben auf dem indischen Subkontinent seit mehr als einem halben Jahrhundert hat am Freitag mindestens 845 Menschenleben gefordert. Der indische Innenminister Lal Advani sagte nach einer Krisensitzung der Regierung in Neu-Delhi, er befürchte in dem Unionsstaat Gujarat sogar "1 000 und mehr" Todesopfer.

ap NEU-DELHI. Die Regierung habe 10 000 Zelte, 10 000 Tonnen Getreide, 20 Ärzte sowie Fernmeldetechniker und Seismologen in das Katastrophengebiet in Westindien geschickt, teilte Kabinettsminister Parmod Mahajan mit.

Das Beben wurde mit einer Stärke von 7,9 registriert und richtet auch im benachbarten Pakistan Schäden an. Dort starben zwei Kinder bei einem Hauseinsturz. 843 Todesopfer wurden amtlich in Gujarat bestätigt. Allein in der Millionenstadt Ahmedabad kamen nach Polizeiangaben 200 Menschen ums Leben. Dutzende Häuser stürzten ein, und verzweifelte Bewohner gruben in den Trümmern nach verschütteten Angehörigen. "Das ist ein Notstand", sagte der Feuerwehrchef Rajesh Bhat. "Wir sind mit einer aufgebrachten Menge konfrontiert. Es entwickelt sich eine Angstpsychose in der Stadt. Die Leute fliehen und kampieren auf Feldern."

Auf einer Veranda des N.S.-Krankenhauses in Gujarat wurden Leichen gestapelt. In den überfüllten Fluren und Zimmern schrien Verletzte mit Knochenbrüchen und blutenden Wunden vor Schmerzen. Die Nachrichtenagentur PTI meldete, 70 Patienten seien gestorben, bevor sie behandelt werden konnten.

Wie der Innenminister von Gujarat, Haren Pandya, mitteilte, stürzten in dem Staat Bergwerke ein, Züge entgleisten und Wasserrohre zerbarsten. Zahlreiche Telefon- und Stromleitungen brachen zusammen. 500 Menschen seien in Gujarat ums Leben gekommen, sagte Pandya. 100 oft mehrstöckige Häuser stürzten ein, 50 davon in Ahmedabad. Dort kamen vermutlich auch rund 70 Schulkinder und mehrere Lehrer ums Leben. 19 Studenten waren noch am Abend unter den Trümmern eines eingestürzten Hochschulgebäudes begraben.



Epizentrum an der indisch-pakistanischen Grenze

Das Epizentrum des Bebens lag nahe der Stadt Bhuj an der indisch-pakistanischen Grenze. Dort wurden mindestens 150 Bewohner getötet. Die Polizei der Stadt Surat, 300 Kilometer südöstlich des Epizentrums, meldete mindestens 31 Todesopfer. Drei Personen wurden bei einer Massenpanik in einer Diamantfabrik erdrückt. Zu der Panik kam es, als die Arbeiter des Werkes sich auf einer schmalen Treppe drängten, um ins Freie zu gelangen.

Auch in Nepal war der Erdstoß zu spüren. Bangladesch wurde von einem Nachbeben erschüttert. In der Stadt Satkhira an der Grenze zu Indien liefen hunderte Einwohner in Panik auf die Straße.

Wie Pandya mitteilte, wurde die Armee in Alarmbereitschaft versetzt, die zur Unterstützung der Bergungsarbeiten eine schnelle Eingreiftruppe einrichtete.

Das indische Meteorologische Institut hatte zunächst eine Stärke von 6,9 auf der Magnitudenskala ermittelt. Das Beben ereignete sich um 8.46 Uhr Ortszeit (04.16 Uhr MEZ). Es war auch in der Hauptstadt Neu-Delhi sowie in Bombay, Madras und Pondicherry zu spüren. Im September 1993 waren bei einem Erdbeben der Stärke 6,4 im Unionsstaat Maharashtra vermutlich bis zu 30 000 Menschen ums Leben gekommen.



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