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23.01.2002

10:32 Uhr

Millionenstreit: RTL prozessiert gegen Produzenten von "TV-Total"

Streit zwischen Stefan Raab und RTL

Vor dem Kölner Landgericht hat am Mittwoch der Prozess um Honorarforderungen gegen die Produktionsfirma von Stefan Raabs "TV Total" begonnen.

dpa KÖLN. Der Kölner Privatsender RTL fordert von der Firma Brainpool insgesamt 588 000 Euro (1,15 Mill. DM). Von Juni 2000 bis Ende Mai 2001 seien zahlreiche Ausschnitte aus RTL- Sendungen in Raabs ProSieben-Show verwendet worden, ohne dass Brainpool dafür bezahlt habe. Daraufhin hatte RTL geklagt. Raab hält nach Angaben der Produktionsfirma 50 % an Raab TV, einer Tochter von Brainpool

Der Millionenstreit zwischen dem Privatsender RTL und der Produktionsfirma von Stefan Raabs "TV Total" hat möglicherweise Grundsatzcharakter für die deutsche Fernsehbranche. Zum Prozessauftakt am Mittwoch erschien Raab nicht.

Der Rechtsstreit berührt auch nach Expertenmeinung die in der Verfassung verankerten Grundrechte. "Da prallen zwei Grundrechte aufeinander. Es geht um das Urheberrecht und die künstlerische Freiheit", sagte Udo Koppelmann vom Zentrum für Medienwissenschaften der Universität Köln am Mittwoch der dpa. Bei einer Bewertung des Zivilprozesses komme es entscheidend auf die Anzahl und Verarbeitung der in Stefan Raabs Show "TV Total" verwendeten RTL-Ausschnitte an. "Wenn sie seiten- oder minutenweise zitieren, ist klar, dass der Fall hakt. Da müssen sie auf den Urheber zugehen, in diesem Fall RTL, und sich eine Genehmigung holen", sagte Koppelmann. Nach seiner Einschätzung müsse dann auch ein "angemessenes Honorar" gezahlt werden.

"Man kann diese Sache von seinem grundsätzlichen Streitgegenstand bis zum Bundesgerichtshof tragen", sagte der Vorsitzende Richter Wilfried Huthmacher. Einen Vergleich schlossen die Anwälte beider Seiten zunächst aus.

In Raabs ProSieben-Show waren von Juni 2000 bis Ende Mai 2001 insgesamt 194 Bilder-Mitschnitte aus RTL-Sendungen verwendet worden. Brainpool will dafür keine Honorare zahlen, weil es sich um "künstlerische Collagen" der Original-Bilder handele. RTL dagegen pocht auf seine Urheberrechte.

Brainpool warf RTL am Mittwoch vor, allein aus taktischen Gründen vor Gericht gezogen zu sein. "Sie haben sich nicht an ProSieben rangetraut, sondern an den kleinen Gegner, die Produktionsfirma", sagte Klatt. Der Sender, der sich laut einem Sprecher durch den ersten Verhandlungstag "in seiner Rechtsauffassung bestätigt" sieht, wies die Vorwürfe zurück. "Das ist eine Verdrehung der Tatsachen", sagte RTL-Sprecher Christoph Körfer. "ProSieben zahlt immer korrekt alle Rechnungen, für die der Sender verantwortlich ist. In diesem Fall ist aber Brainpool für die Ausschnitte verantwortlich und muss zahlen." RTL fühle sich nach dem ersten Verhandlungstag in seiner Rechtsauffassung bestätigt, dass für Ausschnitte, die in der Regel bei TV Total meist unverändert gezeigt würden, angemessene Lizenzgebühren zu zahlen seien, ergänzte er.

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