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12.02.2002

10:06 Uhr

Milosevic droht lebenslange Haft

Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal

Wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen in drei Balkankriegen muss sich der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic ab Dienstag vor dem UNO - Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verantworten.

Reuters DEN HAAG. Mit einer schwarzen BMW-Limousine wurde Milosevic am Morgen aus dem Gefängnis, in dem er seit Juni vergangenen Jahres einsitzt, ins Verhandlungszentrum gebracht.

Milosevic ist wegen Völkermordes im Bosnien-Krieg 1992-1995 sowie wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Kroatien 1991-1992 und in der südserbischen Provinz Kosovo 1999 angeklagt. Er hat das Gericht als illegal und die Anklage als Verschwörung des Westens bezeichnet und es abgelehnt, einen Strafverteidiger zu benennen. Im Falle einer Verurteilung droht Milosevic lebenslange Haft.

UNO-Chefanklägerin Carla del Ponte hat angekündigt, 300 Zeugen aufrufen zu wollen. Die Zeugen reichen nach Del Pontes Angaben "von Opfern bis zu Vertrauten" des Ex-Präsidenten.

Die Anklage zum Kosovo wirft Milosevic vor, für den Tod von 900 Kosovo-Albanern und für die Vertreibung von 800 000 Zivilisten verantwortlich zu sein. Außerdem wird ihm der Tod Hunderter Kroaten und die Deportation von 170 000 Menschen aus Kroatien vorgeworfen. Die Anklage zum Bosnien-Krieg wiegt am schwersten: Sie wirft Milosevic Völkermord vor. Er wird für das Massaker von Srebrenica verantwortlich gemacht, bei dem mehrere Tausend Männer und Jungen getötet wurden, und für die Vertreibung und Inhaftierung von mehr als 250 000 Menschen.

Eine Kammer aus drei Richtern unter der Leitung des britischen Richters Richard May wird im Prozess gegen Milosevic den Vorsitz führen.

Die Anklage unter der Führung von Del Ponte wird zunächst Beweise für mutmaßliche Verbrechen im Kosovo vorlegen, weil die Anklage zu diesem Tatkomplex zuerst erhoben wurde. Die Komplexe Kroatien und Bosnien werden nach Angaben der Anklage voraussichtlich nicht vor Juli behandelt.

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