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19.01.2001

07:49 Uhr

Minister droht mit Klagen

Erneut Strom in Kalifornien abgeschaltet

Von der rund zweistündigen Abschaltung seien Hunderttausende Verbraucher im Norden und Zentrum des US-Bundesstaates betroffen gewesen, teilte die kalifornische Energieüberwachungsbehörde ISO mit.

Reuters SAN FRANCISCO. In Kalifornien ist am Donnerstag am zweiten Tag in Folge vorübergehend der Strom in Haushalten, Büros und Fabriken abgeschaltet worden. Von der rund zweistündigen Abschaltung seien Hunderttausende Verbraucher im Norden und Zentrum des US-Bundesstaates betroffen gewesen, teilte die kalifornische Energieüberwachungsbehörde ISO mit. Weitere Stromabschaltungen seien wahrscheinlich nicht nötig. Am Mittwoch war erstmals in dem Staat mit 34 Mill. Einwohnern der Strom zeitweise abgeschaltet worden. In Kalifornien herrscht Stromknappheit, da die beiden größten Energieversorger nach einem starken Anstieg der Strompreise hochverschuldet sind und kein Geld mehr zum Ankauf des benötigten Stroms besitzen.

Kaliforniens Gouverneur Gray Davis hatte am Mittwoch den Notstand ausgerufen. Das Parlament sollte am Donnerstag mehr Geld aus dem Haushalt zum Ankauf von Strom bereitstellen. Dies könnte nach Einschätzung von Experten den Steuerzahler rund 900 Mill. $ (rund 1,8 Mrd. DM) kosten. Davis wies zudem nach eigenen Angaben die Wasserbehörde des Staates an, zusätzlichen Strom zu kaufen. Sie ist die größte öffentliche Stromverbraucherin in Kalifornien.



Versorger sollen weiterhin Strom liefern

Die Bundesregierung wies die Stromversorger an, vorübergehend die kalifornischen Versorger weiter mit Strom zu beliefern. US-Energieminister Bill Richardson drohte am Donnerstag, Elektrizitäts- und Gasproduzenten zu verklagen, sollten diese sich weigern, Strom an Kalifornien zu verkaufen. Der designierte Energie-Minister Spencer Abraham lehnte es dagegen ab, in die kalifornische Stromkrise einzugreifen.

Ausgelöst wurde die Stromkrise dadurch, dass die beiden größten Stromversorger des Staates, Pacific Gas and Electric und Southern California Edison nach eigenen Angaben ihre Kredite bei den Stromerzeugern nicht mehr bezahlen konnten. Davis sagte, die Erzeuger hätten damit gedroht, die Schulden der Versorger bis Donnerstag einzufordern und sie damit in den Konkurs zu treiben. Seit der Liberalisierung des Strommarktes in Kalifornien 1996 sind die Strompreise stark gestiegen. Den Versorgern ist es jedoch per Gesetz verboten, die höheren Preise an die Verbraucher weiter zu geben. Die beiden Stromversorger haben etwa zwölf Mrd. $ (rund 24 Mrd. DM) Schulden. Die Krise hatte sich in den vergangenen Tagen verschärft, da durch die Winterkälte der Heizbedarf stieg und wegen Reparatur- und Wartungsarbeiten an Kraftwerken noch weniger Strom zur Verfügung stand.

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