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10.03.2003

14:20 Uhr

Ministerrevolte

Blairs politische Zukunft gerät in Gefahr

Tony Blair bewegt sich mit seinem harten Irak-Kurs auf immer dünnerem Eis. Dem britischen Premierminister bläst nicht mehr nur eisiger Gegenwind aus der Bevölkerung und seiner Labourpartei ins Gesicht - jetzt droht auch noch eine Revolte in der eigenen Regierungsmannschaft.

Tony Bair könnte bald massive Probleme im eigenen Land bekommen. Foto: dpa

Tony Bair könnte bald massive Probleme im eigenen Land bekommen. Foto: dpa

HB/dpa LONDON. Als Blairs bisher "größte Krise" bezeichneten Zeitungskommentatoren die jetzige Rücktrittsdrohung von Entwicklungshilfeministerin Clare Short für den Fall, dass Blair ohne ein Ja der Vereinten Nationen in den Krieg zieht.

Die dem linken Labour-Flügel angehörende Politikerin warf ihrem Chef gleichzeitig "außergewöhnliche Rücksichtslosigkeit" vor, nicht zuletzt auch mit "seiner eigenen politischen Zukunft". Dies könnte als Drohung für seine Parteikarriere betrachtet werden, und die konservative "Times" sprach denn auch von einem gut vorbereiteten und für Blair überraschenden "Hinterhalt".

Von einer Regierungskrise mag niemand offen sprechen, aber die Luft wird dünner für den Regierungschef auf Kriegskurs. Zwar verlaute aus Downing Street, dass die übrigen Minister "felsenfest" hinter Blair stehen, hieß es in einer BBC-Analyse. "Aber nur wenige Leute glauben das wirklich." Und die Frage, die über allem stehe, laute: "Ist Frau Short nur die Spitze des Eisbergs, der Tony Blairs Regierungszeit untergehen lässt?"

Die Rücktrittsdrohung der Ministerin ist der vorläufige Endpunkt einer Reihe innenpolitischer Nackenschläge für den Premierminister im Zusammenhang mit dem drohenden Krieg. Erst Mitte Februar hatten mehr als eine Million Menschen in London gegen einen Angriff auf den Irak demonstriert, die Bevölkerung sich in Umfragen mit großer Mehrheit gegen einen Krieg ausgesprochen. Der regierungsfreundliche "Guardian" befürchtete deshalb, Blair könne selbst "das erste Kriegsopfer werden".

Ende Februar stimmte dann bei einer "Massenmeuterei" in den eigenen Reihen ein Viertel der Labour-Abgeordneten im Unterhaus gegen die Irak-Politik ihres Premierministers, notfalls allein mit den USA die Herrschaft Saddam Husseins gewaltsam zu beenden. Und nur wenige Stunden vor der scharfen Kritik von Kabinettsmitglied Short erklärte der Labour-Abgeordnete Andrew Reed seinen Rücktritt vom Posten des parlamentarischen Privatsekretärs von Umweltministerin Margaret Beckett.

Die linksliberale Zeitung "The Independent" kam zu dem Schluss, das Ausmaß des Schadens für den Premier werde nun davon abhängen, auf welche Art und Weise die USA im Irak Krieg führen werden. "Jetzt ist es zu spät für Blair, selbst etwas an seinem Schicksal zu ändern."

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