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07.01.2003

14:16 Uhr

Mischung aus Wut und Gelassenheit bei Klubs

„Samba Brasil“

Ailton kam verspätet, Lincoln bleibt verschollen, Elber geht und Amoroso durfte "Vaterschaftsurlaub" nehmen. Auch in der Winterpause stehen die Kapriolen der Brasilianer in der Fußball-Bundesliga im Blickpunkt. Dass 17 von 23 Profis aus dem Land des Zuckerhuts den Temperaturunterschied zwischen Rio de Janeiro und Berlin von rund 40 Grad nicht davon abhielt, pünktlich zum Trainingsauftakt da zu sein, ist aber auch ein Fakt.

HB/dpa DÜSSELDORF. Die Bundesliga-Trainer nehmen die Extravaganzen ihrer brasilianischen Stars mit einer Mischung aus Wut und Gelassenheit hin. "Das können wir alles mit Geld regeln", sagte VfB Stuttgarts Coach Felix Magath, der einen Tag länger als vereinbart auf Marcelo Bordon warten musste. Inzwischen ist der Fall geregelt: 5000 ? muss der säumige Abwehrchef zahlen.

Zur Gewohnheit ist das Warten von Werder Bremen auf Ailton geworden, der am Montagabend - Stunden nach den ersten Übungen in der Hansestadt eintraf. "Wir kennen das ja schon. Erst ärgert er uns, dann wir ihn", verwies Werder-Trainer Thomas Schaaf auf die mögliche Geldstrafe. Ob die wegen fehlender Papiere geplatzte Hochzeit mit seiner mexikanischen Lebensgefährtin vom Verein als Verspätungsgrund akzeptiert wird, war zunächst unklar. Für ein ähnliches Vergehen musste Ailton, der seit 1998 nur einmal pünktlich zum Training erschien, im vergangenen Sommer angeblich 20 000 ? zahlen.

Eine saftige Geldstrafe dürfte auch Lincoln erwarten, der sogar drei Tage nach dem Aufgalopp vom 1. FC Kaiserslautern noch als "verschollen" galt. "Wir haben bisher nichts von ihm gehört", gestand Vereinssprecher Michael Nowak am Dienstagmittag. Zum Kreis der unzuverlässigen Brasilianer zählten auch die Cottbuser Franklin und Vragel da Silva, die immerhin in einem Flugzeug gemeinsam zu spät kamen.

Mit Erlaubnis von Borussia Dortmund blieb diesmal Marcio Amoroso den ersten Übungseinheiten fern und kehrt erst an diesem Mittwoch aus dem "Vaterschaftsurlaub" zurück. Die Frau des Stürmerstars hatte am Sonntag Sohn Matteo zur Welt gebracht. Amoroso wird am Freitag mit ins Trainingslager nach Jerez/Spanien reisen.

Bayern Münchens brasilianischer Torjäger Giovane Elber kam zwar pünktlich - weil er nicht wie im letzten Winter einen fünfstelligen Betrag zahlen wollte -, will aber weg. Seinen bis zum 30. Juni 2004 datierten Kontrakt möchte er erfüllen, dann aber in südlichen Gefilden ein neues Fußball-Glück finden. Umstimmen will er sich nicht mehr lassen: "Da kann Franz (Beckenbauer) oder Jesus Christus kommen."

Bleiben möchte beim VfL Wolfsburg sein Landsmann Robson Ponte, dessen Leihgeber Bayer Leverkusen aber eine Rückholaktion nicht ausschließt. Die Rehinländer haben jedoch noch andere Sorgen mit ihren Brasilianern. Weltmeister Lucio wurden nach seiner Fußoperation gerade die Fäden gezogen, was eine weitere vierwöchige Trainingspause nach sich ziehen soll. Über Kniebeschwerden klagte im Trainingslager in Florida sein Verteidigerkollege Juan. Keine konkrete Stellungnahme wollten die Bayer-Verantwortlichen abgegeben, ob sie einen weiteren prominenten Brasilianer an der Angel haben: Kleberson - immerhin Fußball des Jahres in seinem Land.

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