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24.01.2001

19:39 Uhr

Mit 125 Millionen Euro im Minus

T-Online rutscht deutlich in die roten Zahlen

Der Internet-Dienstleister T-Online ist im Geschäftsjahr 2000 eigenen Angaben zufolge vor allem auf Grund von Anlaufverlusten bei seinen ausländischen Beteiligungen und wegen der defizitären Internet-Pauschaltarife in Deutschland deutlich in die roten Zahlen gerutscht.

Reuters DARMSTADT. Das Tochterunternehmen der Deutschen Telekom teilte am Mittwoch vor Börsenöffnung in einer Pflichtveröffentlichung mit, das Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Amortisationen und Abschreibungen (Ebitda) habe minus 125 Mill. Euro betragen. Im Vorjahr hatte das größte europäische Branchenunternehmen noch ein positives Ebitda von 17,6 Mill. Euro erzielt. Die Erwartungen der von Reuters befragten Analysten wurden mit den vorläufigen Geschäftszahlen übertroffen.

T-Online - Intraday-Chart

Unter Berücksichtigung der Zuflüsse aus dem Börsengang der Beteiligung Comdirect Bank in Höhe von 39,2 Mill. Euro belaufe sich das Ebitda auf minus 85,8 Mill. Euro, hieß es weiter. Zum Ende des Neun-Monatszeitraums hatte T-Online noch ein gegenüber dem Halbjahr nur leicht gestiegenes Ebitda einschließlich des Sonderertrags von minus 14,35 Mill. Euro ausgewiesen.

Den Konzernumsatz bezifferte T-Online mit 797,2 Mill. Euro (plus 86,1 % gegenüber 1999), wovon 254,6 Mill. Euro auf das vierte Quartal entfallen seien. Die neuen Tochtergesellschaften trugen 55,2 Mill. Euro zum Jahresumsatz bei. Analysten zufolge wurde im vierten Quartal die in Spanien und Portugal aktive Yacom erstmals in die Konzernrechnung einbezogen. Ohne Berücksichtigung der Zukäufe im Ausland hätte sich den Angaben zufolge eine Umsatzsteigerung von 73,2 % gegenüber dem Vorjahr ergeben. Die Zuwachsraten beim Umsatz liegen in etwa auf dem Wachstumsniveau des Neun-Monatszeitraums.

Die Erwartungen der von Reuters befragten Analysten an den Ebitda-Verlust von T-Online wurden mit den vorgelegten Zahlen unter Berücksichtigung des Erlöses aus dem Comdirect-Börsengang übertroffen. Die Analysten hatten ein Ebitda einschließlich Sondererträgen zwischen minus 67 und minus 176 Mill. Euro vorausgesagt, woraus sich die Erwartung eines durchschnittlichen Ebitda von rund minus 108 Mill. Euro ergeben hatte. Den von Analysten prognostizierten Umsatz von durchschnittlich rund 757 Mill. Euro übertraf T-Online ebenfalls deutlich. Händler äußerten sich vor Börsenöffnung positiv überrascht von den Daten. Die Zahlen seien anscheinend sehr gut, hieß es. Händler.

In der von Analysten als wichtige künftige Unternehmenssäule eingeschätzten Sparte Werbung und E-Commerce verzeichnete T-Online im vierten Quartal eine Steigerung von 75 % im Vergleich zum Vorquartal auf 110 Mill. Euro im Gesamtjahr 2000. Gegenüber dem Vorjahreswert stelle dies eine Versechsfachung dar, hieß es. Mit der Muttergesellschaft Deutsche Telekom seien im Jahr 2000 weniger als die Hälfte der Umsätze in der Sparte Werbung und E-Commerce erzielt worden.

Das Geschäft mit Internet-Zugängen dominiert aber weiterhin die Erlösstruktur von T-Online. 665,9 Mill. oder 68,6 % mehr als im Vorjahr setzte T-Online im Jahr 2000 mit Internet-Zugängen um. Auf Grund der vermehrten Nutzung von Internet-Pauschaltarifen wird dem Zugangsgeschäft jedoch wenig Zukunft vorausgesagt. Im vierten Quartal wuchs das Zugangsgeschäft um 26 %.

Die Kundenzahl von T-Online betrug zum Jahresende 7,94 Mill.. Dies sind rund 70 % mehr als im Vorjahr. Das Kundenwachstum im vierten Quartal fiel jedoch mit rund zwölf Prozent schwächer als in den vorhergehenden Quartalen aus. Die Zahl der Kunden mit einem Internet-Pauschaltarif wurde zum Jahresende mit 512 000 angegeben. Wegen der zeitabhängigen Abrechnung der Internet-Nutzung mit der Deutschen Telekom erwirtschaftet T-Online mit den Internet-Pauschaltarifen Verluste, da die Nutzer zum Teil länger im Internet surfen als es die Höhe des Pauschaltarifs es vorsieht. T-Online muss zudem seit Dezember beim Einkauf der Internet-Verbindungsminuten von der Telekom auf einen Mengenrabatt verzichten. Analysten hatte die auf T-Online zukommenden Mehrkosten als "beträchtlich" eingeschätzt, aber keine Details genannt. Auch T-Online machte keine näheren Angaben.

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