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25.01.2001

20:56 Uhr

Mit der US-Konjunktur könnte es auch wieder aufwärts gehen

Davos: Keine Weltwirtschaftsrezession in Sicht

Ungeachtet der sich abzeichnenden Konjunkturabschwächung in den USA wird die Weltwirtschaft nach Ansicht von Experten wahrscheinlich nicht in eine Rezession abrutschen. Diese Ansicht vertraten Wirtschaftsexperten am Donnerstag zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos in der Schweiz. Kommentar: Schaulauf in Davos

Reuters DAVOS. Über die weiteren Aussichten für den Wert des Euro äußerten sich die Experten positiv, während sie mit Blick auf die Konjunktur in Japan vor wachsenden Problemen warnten. Mit der US-Konjunktur könnte es nach ihrer Einschätzung dagegen in der zweiten Jahreshälfte wieder aufwärts gehen. An dem sechstägigen Forum in dem Schweizer Wintersportort nehmen gut 3000 hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft teil.

An den Finanzmärkten und in der Wirtschaft wird seit längerem gerätselt, ob in den USA angesichts der deutlichen Abkühlung der Konjunktur mit einer harten oder einer weichen Landung der dortigen Volkswirtschaft gerechnet werden muss. "Ich würde sagen: holprig bis hart, aber aller Wahrscheinlichkeit nach keine Rezession," sagte der frühere Vize-Chef der US-Notenbank, Alan Blinder. Das Wirtschaftswachstum könnte auf ein bis zwei Prozent zurückgehen und für ein Quartal sogar Null erreichen.

Blinder, der nun als Professor an der Princeton University lehrt, sagte weiter, die von der US-Regierung ins Auge gefasste Steuersenkung dürfte zu spät kommen, um die gegenwärtige Abschwächung noch aufzufangen. Daher dürften in den USA die Zinsen weiter sinken. Blinder verwies darauf, wie stark sich die US-Konjunktur in den vergangenen Monaten abgebremst habe. Wäre die US-Konjunktur ein Auto, wäre der Fahrer gegen die Windschutzscheibe geflogen, sagte er.

US-Notenbank könnte Leitzinsen noch einmal senken

Volkswirte rechnen damit, dass die US-Notenbank ihre Leitzinsen möglicherweise bereits in der nächsten Woche wieder senken könnte, um die Konjunktur aufzufangen. Dagegen rechnen sie in Europa nicht mit starken Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) innerhalb der nächsten sechs Monate, da die Angst der EZB vor einer Inflation zu groß sei.

Der Bonner Volkswirtschafts-Professor Jürgen von Hagen sagte, die Euro-Wirtschaft werde nicht in der Lage sein, die USA als Wachstumsmotor zu ersetzen. Eine Wirtschaftswachstum von 2,5 bis drei Prozent - wie es in Europa für 2001 erwartet werde - reiche dafür nicht aus. Volkswirte gehen nach eigenen Worten davon aus, dass der Euro durch die Konjunkturschwäche in den USA weiter an Wert gewinnen könnte, zumal die USA ihr großes Leistungsbilanzdefizit verringern müsse.

Stimmung in Davos ist abgekühlt

Noch vor einem Jahr waren die Diskussionen in Davos von optimistischen Erwartungen für die US-Wirtschaft geprägt gewesen, der die Funktion einer kraftvollen, durch den technologischen Fortschritt und steigende Aktienkurse angetriebenen Lokomotive zugeschrieben wurde. Mittlerweile hat sich die Stimmung abgekühlt.

Besorgt äußerten sich die Experten über die wirtschaftliche Lage in Japan. Nur wenn man die Konjunkturkurve auf den Kopf stelle, ergebe sich ein positives Bild, sagte Kenneth Courtis, Vize-Chef der Investmentbank Goldman Sachs in Asien. Japan sei in einer schlechten Verfassung, und der Yen dürfte in den kommenden zwei Jahren laufend abgewertet werden. Die Verschuldung sei fünf Mal so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt, und der Regierung gingen die Finanzmittel aus, um die Konjunktur zu stimulieren. "Dieses Land hat ein Jahrzehnt damit verbracht, sich selbst in einem Loch zu vergraben", sagte Courtis. Dennoch biete Japan gute Gelegenheiten für langfristige Investitionen, da die Japaner bereits in der Vergangenheit ihre Fähigkeit zu radikalen Wenden gezeigt hätten.

Hunderte von Polizisten sichern das Kongresszentrum

Das Weltwirtschaftsforum in Davos begann am Donnerstag unter starken Sicherheitsvorkehrungen. Hunderte von Polizisten und Soldaten sicherten mit Stacheldraht das Kongresszentrum des Wintersportorts. Gegner der Globalisierung der Wirtschaft hatten Protestaktionen angekündigt. An dem Treffen nehmen auch etwa ein Dutzend Staats- und Regierungschefs sowie hunderte Topmanager großer Konzerne teil. Hochrangige Vertreter der neuen US-Regierung habe sich in Davos nicht angemeldet. Erwartet werden Politiker und Notenbanker aus Europa wie etwa EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing und die Chefs der Bank von Frankreich und der Bundesbank, Jean-Claude Trichet und Ernst Welteke.

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