Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2003

08:01 Uhr

Mit ihrer drastischen Herabstufung der Deutschen Telekom beeinflusst die Ratingagentur Moody’s den Markt kaum

Anleger halten an Telekom-Anleihen fest

VonMichael Ferber (Handelsblatt)

Mit Unverständnis haben die Märkte auf Moody?s hartes Urteil über die Deutsche Telekom reagiert. Die Anleihekurse veränderten sich kaum, obwohl die Ratingagentur das Unternehmen gleich um zwei Stufen herabsetzte. Experten halten es für unwahrscheinlich, dass andere große Kreditanalysehäuser dem Moody?s-Beispiel folgen.

FRANKFURT/M. Stellen Sie sich vor, Moody?s bläst zum Angriff auf die Deutsche Telekom und keiner geht hin. Die Anleihe-Investoren jedenfalls reagierten bislang kaum auf die drastische Herabstufung der Bonität des ehemaligen Staatsmonopolisten. Am Aktienmarkt kam es nur kurzzeitig zu einem Kursrutsch.

Am Freitag hatte die Ratingagentur getan, womit kaum ein Analyst gerechnet hatte: Sie senkte das Langfristrating der Deutschen Telekom um gleich zwei Stufen von "Baa1" auf "Baa3" mit stabilem Ausblick. Damit befindet sich die Telekom auf der letzten Stufe, bevor Anleihen eines Emittenten als "Junk-Bonds" ("Schrott-Anleihen") gelten. Als Grund gab Moody?s an, sie zweifle daran, dass die Telekom das Ziel erreicht, ihre Schulden von momentan 64 Mrd. auf zwischen 49,5 Mrd. und 52,3 Mrd. am Ende dieses Jahres zu senken.

Doch die meisten Investoren reagierten gelassen. "Am Freitag haben sich die Renditeaufschläge von Telekom - Bonds um 25 Basispunkte ausgeweitet, doch heute notieren die Kurse wieder fast unverändert", sagt Stephan Haber, Kreditanalyst bei der Hypo-Vereinsbank. Dies zeige, dass die meisten Investoren der Sichtweise von Moody?s nicht folgten. "Wir halten die Abstufungen zum jetzigen Zeitpunkt für verfehlt, da die Telekom nicht nur durch den Verkauf von Randaktivitäten, sondern auch von Kerngeschäft die hohe Priorität des Schuldenabbaus glaubhaft unter Beweis gestellt hat", sagt Oliver Pfluger, Analyst bei der WGZ-Bank. Auch Andrew Welty von der Deutschen Bank hält die Herabstufung für zu drastisch: "Der Verkauf von Anteilen an der Internettochter T-Online ist ein Beweis dafür, dass die Deutsche Telekom beim Schuldenabbau weiter geht als vorgesehen", sagt er.

Dennoch kostet die schlechtere Benotung durch Moody?s die Telekom allein in diesem Jahr 20 Mill. und im kommenden 50 Mill. , schätzt Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. Dies liegt daran, dass sich für Unternehmen die Kreditaufnahme verteuert, wenn die Benotung der Bonität schlechter ausfällt. Richtig teuer könnte es für den Konzern werden, falls die Agentur Standard & Poor?s nachzieht - denn in diesem Falle würden bei einigen laufenden Anleihen die Zinskupons automatisch steigen ("Step-Up Kupons"). Laut Rothauge würde dies die Telekom in diesem Jahr weitere 30 Mill. kosten, im Jahr 2004 gar 80 Mill. Euro.

Allerdings steht das Rating der Deutschen Telekom nicht auf der Beobachtungsliste von S&P. Momentan liegt ihre Benotung im Vergleich um zwei Stufen höher: S&P hat die Bonitätsnote "BBB+" der Telekom unlängst bestätigt. Gestern gab die Agentur keine Auskunft über ihre weiteren Vorhaben.

Ein Kreditanalyst glaubt allerdings nicht, dass S&P Moody?s folgt und die Bonität des Konzerns weiter herabstuft. "Moody?s ist zu pessimistisch, was die Telekom angeht", sagt er. Eine weitere Abstufung der Anleihen auf das Niveau von Junk-Bonds ("Schrott- Anleihen") sei undenkbar, denn der Konzern komme beim Schuldenabbau voran. Konkurrenten wie KPN und British Telecom hätten bereits bewiesen, dass Telekomkonzerne zum Schuldenabbau fähig seien.

Auch Fitch Ratings sieht derzeit keine Veranlassung, ihr "BBB+"-Langfristrating mit stabilem Ausblick für die Deutsche Telekom zu ändern, sagt ein Analyst der Ratingagentur. Seit der Bestätigung der Benotung im November 2002 habe es keine negative Entwicklung gegeben, die eine Änderung mit sich bringen könne. Insgesamt erwartet Fitch für die europäischen Telekomgesellschaften relativ stabile Ratings. Mit höheren Benotungen solle 2003 noch nicht gerechnet werden.

Die Investoren haben sich von der neuen Moody?s-Benotung also wenig beeinflussen lassen. Das bedeutet, dass sich bei den Telekom-Bonds momentan nur bedingt gute Einstiegsmöglichkeiten bieten - die Kurse der meisten Papiere liegen deutlich über Pari und sind vergleichsweise teuer. "Die Kurse der Anleihen anderer Telekomemittenten haben auf die Abstufung der Deutschen Telekom kaum reagiert. Die Renditespreads gegenüber Bundesanleihen sind relativ eng", sagt HVB-Analyst Haber.

Er rät Anlegern zum Einstieg bei Neuemissionen von Telekomanleihen. "Um Investoren einen Anreiz zum Einstieg zu geben, bieten die Emittenten meist ein kleines Aufgeld", sagt er. Dies habe sich bei der im Jahr 2009 fälligen Anleihe mit einem Kupon von 7 % gezeigt, die France Télécom vor Weihnachten begeben hat. Der Renditeaufschlag habe sich bereits um 20 bis 30 Basispunkte eingeengt. Dies gelte es mitzunehmen - zum Beispiel bei den für diese Woche erwarteten Neuemission von France Télécom und der dänischen TDC. Aus Marktkreisen verlautet, dass die FT-Bonds in zwei Tranchen begeben werden sollen, eine läuft bis September 2007, die andere bis Januar 2013. Die TDC-Bonds sollen eine Laufzeit von sieben bis zehn Jahren sowie ein Volumen von 1 Mrd. haben und "in sieben bis zehn Tagen" an den Markt kommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×