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02.01.2001

14:14 Uhr

Reuters FRANKFURT. Mit dem Software-Anbieter Intershop hat ein weiteres Vorzeigeunternehmen der so genannten New Economy eine Gewinnwarnung vorgelegt. Die Börsen reagierten prompt: Die am Frankfurter Neuen Markt notierte Aktie des 1992 in Jena gegründeten und mittlerweile international operierenden Unternehmens verlor am Dienstag bis zum Mittag fast zwei Drittel ihres Wertes. Eigentlich hatte Vorstandschef Stephan Schambach für sein auf Software für den Handel im Internet spezialisiertes Unternehmen für das vierte Quartal einen Umsatz zwischen 40 und 50 Mill. Euro als Ziel genannt. Nun wird nur noch ein Umsatz zwischen 28 und 30 Mill. Euro erwartet - und der Verlust wird nach den Angaben mit einer Summe von 30 bis 32 Mill. Euro den Quartalsumsatz voraussichtlich sogar übertreffen.

Bislang galt Intershop als eines der Aushängeschilder für den wirtschaftlichen Aufbau Ostdeutschlands. Zuletzt vollzog das Unternehmen im September mit der Notierung an der US-Technologiebörse Nasdaq den Sprung die USA, um nach eigenen Angaben stärker in den Blickpunkt der dortigen Finanz- und Industrieanalysten zu kommen. Auch wurde vor kurzem mit der Gründung einer Niederlassung in Tokio die Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum gestärkt. Noch im Dezember wurde Intershop vom Internet-Magazin "Net Investor" zu den 25 innovativsten deutschen Internetfirmen des Jahres 2000 gekürt.

Die im Nemax-50-Index der wichtigsten Werte am Neuen Markt notierte Intershop-Aktie hatte insbesondere Anfang des vergangenen Jahres als einer der Lieblinge der Börsianer gegolten: Von November 1999 bis März 2000 hatte sich der Kurs des Papiers mehr als versechsfacht. Durch den Kurssturz am Dienstag hat die Aktie im Vergleich zum Höchststand von gut 140 Euro im März nun mehr als neun Zehntel ihres Wertes verloren.

Intershop richtet seine Software-Produkte nach eigenen Angaben vor allem auf Unternehmen der "Old Economy", also klassische Industrieunternehmen, aus, wobei die Kunden insbesondere aus dem Bereich der mittelgroßen Firmen stammen. Der Geschäftsanteil der "Dotcoms" genannten Internet-Firmen liegt bei etwa zehn Prozent. Rund zwei Drittel der Geschäfte tätigt Intershop mit Produkten für den Internethandel zwischen Unternehmen (Business-to-Business, B2B). Intershop-Software wird sowohl für den Direktvertrieb von Waren und Dienstleistungen zwischen Firmen als auch für die Errichtung elektronischer Handelsplätze im Internet eingesetzt.

Der Hauptsitz des Unternehmens liegt in San Francisco, die Software-Entwicklung betreibt Intershop vom thüringischen Jena aus. Seine Finanzzentrale hat Intershop in Hamburg. Neben der neuen Filiale in Japan verfügt Intershop unter anderem über Niederlassungen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien, in Nord- und Südamerika, in Hongkong und Singapur.

Zu den bekanntesten Kunden von Intershop im Bereich Internethandel zählen unter anderem Bosch[ROBG.UL], die US-Konzerne Compaq, Hewlett Packard, UPS und Time Warner sowie die japanische Sony. Intershop beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter weltweit.

Die Aktie des Unternehmens ist seit dem 16. Juli 1998 am Neuen Markt notiert, seit dem 29. September 2000 werden auch US-Hinterlegungsscheine - so genannte ADS - an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt. Die Intershop-Aktien befinden sich nach früheren Angaben zu etwa 67 % im Streubesitz, Gründer und Mitarbeiter halten zusammen rund 27 %.

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