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21.01.2003

07:15 Uhr

Mit neuem Sponsor in Richtung Olympia 2004

Jede Woche 100 Kilometer nach Athen

VonDieter Hintermeier (Handelsblatt)

Weltrekorde allein scheinen nicht zu reichen, um im Sportbusiness zu bestehen. Die Mannen vom "Playboy" kamen zwar noch nicht zum Zug, aber für "Maxim" ließ sich Schwimmerin Hannah Stockbauer leicht bekleidet ablichten. Die Sportlerin des Jahres 2001 und Goldmedaillen-Gewinnerin bei der WM in Fukuoka weiß ihr Schwimmtalent und ihre Popularität zu vermarkten.

NÜRNBERG. Die Zeit scheint gekommen, ein paar Dinge klarzustellen. "Ich habe nie gesagt, dass ich mich für den Playboy ausziehen würde", sagt Hannah Stockbauer ganz energisch. Doch das hilft nicht, das "falsche Zitat" geistert bis heute durch die Gazetten. Alle glauben es, auch der "Playboy" selbst.

"Nachdem das in der Presse stand, bekam ich einen riesigen Blumenstrauß von der Playboy-Redaktion mit der Bitte um einen Fototermin. Das fand ich richtig süß", schmunzelt die 21-Jährige. Die Mannen vom Playboy kamen aber dennoch nicht zum Zuge, sondern vielmehr deren Kollegen vom - etwas weniger zeigefreudigem - Magazin "Maxim". Sie durften die Weltklasse-Schwimmerin leicht bekleidet in weichmalerischer Kulisse am Strand ablichten.

Weltrekorde allein scheinen nicht zu reichen, um im Sportbusiness zu bestehen. Das hat auch Stockbauer - Sportlerin des Jahres 2001 und Goldmedaillen-Gewinnerin bei der WM in Fukuoka über 400 und 1 500 Meter Freistil im gleichen Jahr - gelernt. Obwohl Stockbauer im Vorjahr ihr Abitur machte und daher sportlich kürzer treten musste, wusste sie ihre bisherigen Schwimmerfolge und ihre Popularität zu vermarkten. So trat sie im vergangenen Jahr bei den deutschen Showgrößen Harald Schmidt und Stefan Raab auf. Und da die Fränkin nicht nur im Becken sondern auch vor der Kamera eine gute Figur machte, wurde der britische Sportartikelhersteller Speedo auf sie aufmerksam. Der Marktführer im Bereich Profi-Schwimmkleidung erwirtschaftete 2001 einen Umsatz von 650 Millionen Dollar. Ende der Woche wird sie beim Weltcup in Berlin den Zweijahresvertrag, der mit rund 45 000 Euro jährlich dotiert sein soll, bei ihrem neuen Ausrüster und Sponsor unterschreiben. Bislang trug sie Anzüge der fränkischen Firma "Solar".

Kerstin Kreuchauf, Speedos PR-Managerin, hat Hannah Stockbauer vor allem mit ihren überragenden sportlichen Leistungen und "ihrer sehr natürlichen Persönlichkeit" überzeugt. Gemeinsam mit Weltklasse-Schwimmer Thomas Rupprath, der ebenfalls in dieser Woche in Berlin seinen Wechsel von seinem jetzigen Ausrüster Arena zu Speedo bekannt geben wird, erhofft sich das Unternehmen eine geballte Werbe- und Image-Power.

Doch nicht nur in Sachen Promotion will sich Hannah Stockbauer ins Zeug legen - auch sportlich will sie wieder angreifen. Ihr ehrgeiziges Ziel: Eine Goldmedaille im kommenden Jahr bei den Olympischen Spielen in Athen. "Diesem Ziel ordne ich alles unter", sagt sie. Da kommt der Weltcup am Wochenende in Berlin gerade recht - als Training unter Wettkampfbedingungen. "Für mich ist der Weltcup ein normaler Wettkampftest auf dem Weg zu Olympia", stapelt sie tief. Generell aber freut sie sich auf alle Wettkämpfe in der Hauptstadt: "Dort ist die Stimmung immer bombig."

Vielleicht trifft sie dort auch auf Franziska van Almsick. Mit Deutschlands Glamour-Schwimmerin versteht sie sich gut, mit Zickenduellen sollte Stockbauer deshalb keiner kommen. "Zu Franzi habe ich ein sehr gutes Verhältnis", erzählt sie. Doch im Wasser hört die Freundschaft auf. Sportlich, dieses Ziel hat sich die Nürnbergerin jedenfalls gesetzt, möchte sie "einmal das Erbe von Franzi antreten".

Dafür ist sie bereit einiges zu tun. Mehr als 100 Kilometer schwimmt sie in der Woche unter Anleitung ihres langjährigen Trainers Rainer Böller in Erlangen. Auch ihre erste eigene Wohnung hat die Geografie-Studentin schwimmstrategisch ausgesucht. Sie liegt am Rande der Nürnberger Innenstadt, die Schnellstraße nach Erlangen zum Training ist leicht zu erreichen.

Vor der Konkurrenz braucht sich die "ruhige und bodenständige Sportlerin", so Manager Rainer Ihle, nicht zu fürchten. "Auf meinen Strecken gibt es in Deutschland außer Jana Henke zurzeit keine wirkliche Konkurrenz", sagt sie selbstbewusst.

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