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21.01.2003

16:20 Uhr

Mit Spannung erwartete Hauptversammlung

Mobilcom-Rettung rückt näher

Der mit France Telecom ausgehandelte Rettungsplan für den Mobilfunkanbieter Mobilcom dürfte nach Einschätzung aus Aufsichtsratskreisen auf der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung am Montag die erforderliche Zustimmung der Aktionäre erhalten.

Reuters HAMBURG. Der von Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid zunächst akzeptierte, später aber von ihm gekündigte Treuhänder Helmut Thoma hält nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen eine Zusage der Banken in Händen, dass er die Stimmrechte der Aktien vertreten kann. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus den Kreisen erfuhr, haben die Depotbanken Thoma mitgeteilt, dass sie ihm die Stimmkarten für das zu einem großen Teil verpfändete Aktienpaket Schmids zuschicken beziehungsweise am Einlass der Hauptversammlung für ihn hinterlegen werden. Damit würde der frühere RTL-Chef 42 Prozent an Mobilcom repräsentieren. Zusammen mit den 28 Prozent von France Telecom wäre die Mehrheit für den Sanierungsplan gesichert, durch den Mobilcom weitgehend entschuldet die Chance für einen Neuanfang ohne UMTS-Lasten erhalten hat.

Unsicherheitsfaktor ist nach Einschätzungen aus dem Aufsichtsrat noch, dass Schmid mit einer einstweiligen Verfügung versuchen könnte, Thoma an der Ausübung seiner Stimmrechte zu hindern. Auch ist denkbar, dass Schmid die Hauptversammlungsbeschlüsse anschließend gerichtlich anfechtet. Der Großaktionär lässt derzeit juristisch prüfen, ob die Haltung der Banken rechtmäßig ist. Schmid hatte Ende vergangenen Jahres den Vertrag mit dem Treuhänder gekündigt und an dessen Stelle den Hamburger Sanierungsexperten Otto Gellert zum Verwalter für seine Anteile ernannt. Seitdem hat Schmid mehrfach auch betont, es gehe ihm dabei nicht darum, die Vereinbarungen mit France Telecom zu Fall zu bringen.

Eine Sprecherin Schmids sagte, es sei unwahrscheinlich, dass bis zur Hauptversammlung ein Gutachten zur Haltung der Banken vorliegen werde. Allerdings sei für die Aktionärsversammlung unbedeutend, wer die Anteile vertrete, da sich alle Beteiligten verpflichtet hätten, dem Sanierungsplan zuzustimmen. Schmid komme es darauf an, dass Gellert langfristig eine Rolle für die Sanierung von Mobilcom spiele. "Es wäre schön, wenn sich Schmid bis Montag mit den Banken einigen könnte, wenn nicht, geht davon aber nicht die Welt unter", sagte die Sprecherin.

Unterdessen wurde in Aufsichtsratskreisen erwartet, dass der frühere Thyssen-Chef Dieter Vogel trotz dreier Abstimmungsniederlagen ein weiteres Mal für den Vorsitz des Aufsichtsrats bei Mobilcom kandidieren wird.

Vogel trat der Behauptung Schmids entgegen, er plane die Zerschlagung von Mobilcom. Schmid hatte dem früheren Industriemanager vorgeworfen, dessen Konzept laufe auf die Liquidation des von ihm gegründeten Mobilfunkunternehmens hinaus. Vogel solle deshalb den Weg für einen anderen Aufsichtsratsvorsitzenden frei machen. Für welchen, ließ Schmid offen.

Ein Sprecher Vogels sagte, wenn Schmid mit seinem Vorwurf meine, dass sich Mobilcom aus dem UMTS-Geschäft zurückziehe und nur noch als Wiederverkäufer von Mobilfunkdienstleistungen anderer Anbieter auftrete, sei das richtig. Dem hätten allerdings alle Beteiligten einschließlich Schmid im Rahmen des Vergleichs mit France Telecom zugestimmt.

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