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18.03.2003

09:20 Uhr

Mitarbeiter deutscher Firmen denken an Rückkehr

In der Golf-Region wächst die Nervosität

Die Zuspitzung der Irak-Krise führt zu Konsequenzen in der gesamten Golf-Region: Daimler-Chrysler hat am Montag seine Mitarbeiter aufgefordert, Familienangehörige aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) auszufliegen. Das bestätigte Jürgen Friedrich von der deutschen Handelskammer in Dubai.

HB ABU DHABI/DÜSSELDORF. Der Automobilkonzern sei jedoch bislang eine Ausnahme, andere Unternehmen würden wahrscheinlich nicht folgen. "Bisher haben sich die Emirate aus allen Konflikten heraushalten können", begründete Friedrich seine Hoffnung.

Auch im Flugverkehr gibt es erste spürbare Auswirkungen: Wie ein Sprecher der Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft LTU bestätigte, hat es im Krisengebiet Sperrungen des Luftraums für den zivilen Flugverkehr gegeben. Die Gesellschaft habe eine Reihe von Flügen umleiten müssen.

Die Lufthansa meldete am Montag noch Normalbetrieb. Allerdings verdichteten sich die Anzeichen für kurzfristige Änderungen im Flugplan: Probleme könnte es auf der Strecke nach Kuwait wegen der unmittelbaren Nähe zum Irak geben, verlautete aus Unternehmenskreisen. In Riad bestätigte die deutsche Fluggesellschaft, dass Familienangehörige verstärkt die Möglichkeit zum Rückflug in die Heimat nutzten. Die Flugzeuge in Richtung Saudi-Arabien seien jedoch ebenfalls noch recht gut gefüllt: Hin- und Rückflüge hielten sich in etwa die Waage.

Bei den deutschen Firmen in der Golf-Region wird normal gearbeitet. Doch auf Grund der jüngsten Nachrichten nimmt die Unruhe zu. "Klar, dass wir uns jetzt alle Gedanken machen", sagte Manfred Rothgänger von der deutschen Handelskammer im saudi-arabischen Riad. Probleme gebe es inzwischen häufiger mit Geschäftsleuten in Kuwait, die wegen der instabilen Lage mehrfach Gesprächstermine abgesagt hätten. "Als reine Vorsichtsmaßnahme", betonte Rothgänger.

Der Elektrokonzern ABB hat nach Aussage eines Sprechers keine Evakuierung seines Personals in der Golf-Region angeordnet, aber den Beschäftigten in Israel und Kuwait nahe gelegt, die Länder zu verlassen. Die zehn ABB-Beschäftigten im Irak hätten bereits vor Weihnachten das Land verlassen. Andere Unternehmen - wie etwa der Pumpenhersteller KSB aus der Pfalz - haben ihre Mitarbeiter am Golf mit Notfalltickets ausgestattet, die ihnen im Kriegsfall die schnelle Rückkehr erlauben sollen.

Der Chemie-Riese BASF will noch abwarten, bevor er seine wenigen letzten Mitarbeiter aus der Golf- Region abzieht. Der Baukonzern Walter setzt darauf, dass seine Beschäftigten in Oman und Abu Dhabi wie auch schon beim ersten Golfkrieg nicht abgezogen werden müssen. Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels sprach von "spürbaren Rückzugsbewegungen" am Golf. Der Handel tendiere allerdings "noch nicht gegen null".

Die großen Reiseveranstalter haben sich auf den Ernstfall vorbereitet. "Wir sind innerhalb von 30 Minuten handlungsfähig", sagte ein Tui-Sprecher. Die Krisenpläne für den Flugverkehr und auch für eventuelle Evakuierungen von gefährdeten Feriengebieten könnten sofort umgesetzt werden.

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