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26.06.2000

17:50 Uhr

Reuters FRANKFURT. In den USA rechnen Analysten überwiegend damit, dass die Notenbank Fed bei ihrem Zinstreffen in der kommenden Woche die Leitzinsen unverändert lässt. Der Offenmarktausschuss (FOMC) plane zunächst offenbar keinen weiteren Zinsschritt, obwohl sich die Fed nicht darüber klar sei, ob die US-Wirtschaft nach den letzten Zinserhöhungen tatsächlich abkühle, hieß es. Die Fed werde dennoch weitere Zeichen der Verlangsamung der Konjunktur nach den zurückliegenden sechs Zinserhöhungen seit Juni 1999 abwarten. Falls die Konjunkturdaten signalisierten, dass sich die Abschwächung nur ungenügend einstelle, sei eher im August mit einem weiteren Zinsschritt zu rechnen.

"Wir gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen in diesem Monat unverändert lässt", sagte Joseph Abate von Lehman Brothers der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Auch Every Shenfeld von CIBC Oppenheimer sieht angesichts der jüngsten Zeichen einer Verlangsamung der US-Konjunktur keine weitere Zinserhöhung für Dienstag.

Wie die meisten anderen Analysten sieht jedoch auch Shenfeld die Zeit für eine allgemeine Entwarnung noch nicht gekommen. "Wir erwarten, dass die Fed der Dauerhaftigkeit der Verlangsamung skeptisch gegenüber steht", sagte Shenfeld. Bei dem allseits mit Spannung erwarteten Statement im Anschluss an die Bekanntgabe der Zinsentscheidung am Mittwoch werde Notenbankpräsident Alan Greenspan die weiter bestehenden Inflationsrisiken in den Mittelpunkt der Konjunktur-Prognosen der Fed stellen - dies vor allem angesichts des jüngsten Anstiegs der Ölpreise. Er werde somit auf die Möglichkeit künftiger Zinsschritte abheben.

Mehrere Mitglieder des FOMC hatten betont, sie sähen Zeichen einer schwächeren US-Konjunktur. So hatte der Präsident der New Yorker Fed, William McDonough - Vizepräsident des FOMC - Anfang vergangener Woche gesagt, die jüngsten Konjunkturdaten zeigten Anzeichen einer Abkühlung. Wenige Tage zuvor hatte der Präsident der Kansas-City-Fed, Thomas Hoenig, eine Wachstumsverlangsamung konstatiert. Die Philadelphia-Fed geht in ihrem Halbjahres-Bericht, dem Livingston Survey, von einem schwächeren Wachstum im zweiten Halbjahr 2000 aus.

Die Aussagen stützen sich im Wesentlichen auf leichter steigende Verbraucherpreise im Mai, den zuletzt gesunkenen Index des Verbrauchervertrauens der Universität von Michigan im Juni, und vor allem die steigende Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie andere Kennziffern, die ein Ansteigen der im ersten Quartal historisch niedrigen Arbeitslosenquote signalisieren.

Dem zuletzt am 14. Juni veröffentlichten Beige Book der amerikanischen Notenbank zufolge hat die Konjunktur in den USA im April und Mai erste Anzeichen einer Abkühlung gezeigt. Anzeichen eines Inflationsdrucks seien jedoch weiterhin vorhanden, heißt es in dem Bericht. Nicht zuletzt aus diesem Grund gehen zahlreiche Analysten davon aus, dass die Fed im August eine weitere Runde der Zinserhöhungen einleiten könnte. Die Inflation nämlich dürfte im Juni vor dem Hintergrund stark gestiegener Ölpreise wieder zulegen. Nach dem nur sehr knapp ausfallenden Förderanstieg, den die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) in der vergangenen Woche beschlossen hat, ist bislang auch keine Umkehr dieses Trends in Sicht.

Es brauche mehr, als nur ein paar schwächere Daten, sagte ein Marktteilnehmer an der Wall Street, um die Fed davon zu überzeugen, dass die jüngsten Zahlen nicht nur ein Ausrutscher gewesen seien. So schließen einige Analysten nicht aus, dass dies nur eine vorübergehende Erscheinung gewesen sein könnte und die Wirtschaft bald wieder stärker Fahrt aufnehmen werde. Auch Vertreter der Fed hatten in den letzten Wochen darauf hingewiesen, dass sie weitere Zahlen benötigten, um eindeutig beurteilen zu können, ob die erwartete Verlangsamung des Wachstums tatsächlich eintritt.

Die Fed hatte den Zielsatz für Tagesgeld zuletzt am 16. Mai um 50 Basispunkte auf 6,50 % erhöht.

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