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20.01.2003

09:09 Uhr

Mittelstand soll besser versorgt werden

Sparkassen stärken Beteiligungsgeschäft

VonPeter Köhler

Die Sparkassen-Finanzgruppe will die Krise im Markt nutzen und ihre Stellung bei Beteiligungskapital und alternativen Finanzierungen ausbauen. Der Marktanteil soll mittelfristig verdreifacht werden. Dazu soll die Arbeitsteilung zwischen Landesbanken und Sparkassen neu geregelt werden.

FRANKFURT/M. Die Sparkassen-Finanzgruppe will unter dem Stichwort "Corporate Finance für den Mittelstand" bei der Bereitstellung alternativer Finanzprodukte und-dienstleistungen in die Offensive gehen. Dazu sollen die bestehenden Strukturen, die offenbar in der Vergangenheit nicht durchweg optimal waren, überarbeitet werden. "Auch wenn die Bedingungen für Venture Capital zur Zeit nicht günstig sind, wollen wir uns in diesem Bereich besser aufstellen. Ziel ist eine bundesweite Abdeckung bei Beteiligungskapital und ein stärkeres Heranrücken an die Hochschul- und Technologiestandorte bei Wagniskapital, um dort an Ausgründungen zu partizipieren", sagte Thomas Mang, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dies müsse natürlich in Abstimmung mit den regionalen Verbänden geschehen.

Gegenwärtig gibt es rund 80 Kapitalbeteiligungsgesellschaften der Sparkassen-Finanzgruppe, die Ende 2001 circa 1,3 Mrd. Euro in 1 048 Beteiligungen investiert hatten. Zahlen für 2002 liegen noch nicht vor, jedoch dürfte es angesichts der Flaute am Markt kaum zu einen Zuwachs gekommen sein. Die Beteiligungen sorgten bisher für die Schaffung von rund 100 000 Arbeitsplätzen. Mang geht davon aus, dass es am Ende des Umbaus deutlich weniger Gesellschaften geben wird, trotzdem sollen die "weißen Flecken" auf der Landkarte über die optimierte Struktur abgedeckt werden. "Es gibt Institute, die zu wenig Volumen generiert haben, das wollen wir ändern", sagte der DSGV-Vorstand, wobei er eine Bündelung der Kräfte empfiehlt. Insgesamt will der Sparkassen-Finanzverbund aber auf Expansionskurs bleiben. "Die Marktanteile wollen wir in einer Politik der kleinen Schritte von gegenwärtig 10 % auf mittelfristig 20 bis 30 % steigern."

Thomas Staubli, Partner bei der auf alternative Anlageformen spezialisierten Partners Group in der Schweiz, sieht das Beteiligungsgeschäft der deutschen Sparkassen vor einschneidenden Weichenstellungen. Vielen Instituten fehlten ganz einfach die Spezialisten für dieses Geschäft, außerdem müsse die Gewinnorientierung stärker betont werden. Ein anderer Branchenexperte meint, dass sich das öffentlich-rechtliche Beteiligungsgeschäft zwangsläufig stärker an betriebswirtschaftlichen Erfolgsfaktoren ausrichten müsse. "Der politische Entwicklungsauftrag passt nicht immer zum Geldverdienen", so der Beobachter. Mang hält dem entgegen, dass das Ziel weiter die Förderung regionaler Wirtschaftsstrukturen und die Sicherung der Arbeitsplätze vor Ort bleibe. Hier unterschieden sich die Sparkassen von den privaten Anbietern.

Nach der Vorstellung von Mang sollen die Landesbanken künftig als "Kompetenz-Center" fungieren, dazu müssten die Kräfte untereinander gebündelt werden. "Dies birgt natürlich auch ein Wettbewerbselement in sich", so der DSGV-Vorstand. "Es muss jeweils ausgelotet werden, wie viel die Sparkassen in Eigenregie betreiben können und was auf die Landesbanken übertragen werden soll".

Die Sparkassen-Finanzgruppe sieht ihre Anstrengungen auch vor dem Hintergrund, dass immer mehr Unternehmen eigenkapitalorientierte Finanzierungsinstrumente als Ergänzung zu Krediten benötigen. Vor allem der Mittelstand in Deutschland gilt als Wachstumsfeld für beispielsweise außerbörsliche Eigenkapitalbeteiligungen und Management-Buyouts im Rahmen von Nachfolgeregelungen. Hier wollen die Sparkassen- und Landesbankenmanager ihre Anstrengungen verstärken. "Bei der Finanzierung der Wachstumsphasen waren wir in der Vergangenheit nicht immer an der Spitze, da gibt es Nachholbedarf", sagte Mang. Der Wettbewerb um den Mittelstand hat sich in den vergangenen Jahren intensiviert, da neben speziellen Buyout-Fonds auch die angelsächsischen Investmentbanken versuchen, in das obere Segment des Marktes einzudringen.

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