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04.07.2000

09:07 Uhr

Bill Gates hat es damals schon gewusst: "Banking is necessary, banks are not." Bankgeschäfte sind nötig, Banken nicht, sprach er und begann, sich im Markt für Online-Banking mit dem Finanzprogramm Microsoft-Money und dem Microsoft Network ("MSN") als Bindeglied zwischen die Banken und ihre Kunden zu zwängen. Zugleich versuchte er 1995, den Marktführer bei Finanz-Software für Privatkunden, Intuit ("Quicken"), zu übernehmen. Beides ist gescheitert. Doch seitdem sitzt den Banken die Angst im Nacken.

Zu Recht. Nur fünf Jahre später sind Internet-Banken auf dem Vormarsch, legen Online-Broker Wachstumsraten vor, von denen die alten Institute nur noch träumen können. Durch die Mobilfunk-Technik wird nun die nächste Front im Kampf um die Finanzkunden eröffnet.

Das Handy soll dank des UMTS-Standards zum universellen Kommunikations- und E-Commerce-Werkzeug werden. Einkaufen und bezahlen per Handy ist keine Utopie mehr, wie Unternehmen wie "Paybox" zeigen: Nach (automatisierter) telefonischer Rückfrage beim Handybesitzer und Eingabe einer Geheimnummer wird der Rechnungsbetrag vom Girokonto des Handy-Kunden abgebucht. Dafür wird natürlich eine kleine Gebühr fällig.

Dieses Konto kann nun bei einer traditionellen Bank oder einer der bestehenden Online-Banken geführt werden - muss aber nicht. Schließlich ist der Handy-Nutzer zunächst einmal Kunde des Netzbetreibers und nicht Kunde der Bank. Und wer die Kundenbeziehung hat, ist meistens der Gewinner. Das Handy ist eine ständige Bedrohung, sozusagen die trojanische Bankfiliale des Netzbetreibers in der Tasche des Bank-Kunden.

Mit der Mobilcom AG hat der erste Telekom-Konzern in Deutschland den alten und neuen Banken den Kampf angesagt. Während andere Netzbetreiber auf Kooperation setzen, will der Büdelsdorfer Konzern selber die Früchte ernten. So wie der spanische Internet-Provider Terra Networks, Tochter des Telekom-Giganten Telefónica, der seine Web-Bank Uno-E jüngst mit der First-E-Group zu einer Internet-Banking-Gruppe mit mehr als 500 Millionen Euro Barmittel zusammengeschlossen hat.

Zweifellos ist der Ansatz von Mobilcom-Chef Gerhard Schmid richtig, die Refinanzierung der Milliarden-Investitionen in das UMTS-Netz mit möglichst vielen Erlösquellen zu versuchen. Nur mit dem Verkauf von Telefonminuten wird es kaum gelingen. Doch die Frage ist, ob Schmid, wenn ihm die Bankenaufsicht die Lizenz erteilt, genügend Know-how bei Mobilcom versammeln kann, um als Branchenfremder im umkämpften Bankenmarkt überleben zu können.

Dass es geht, haben andere bewiesen. Aus dem langweiligen Elektrokonzern General Electric hat Manager-Legende Jack Welsh einen wendigen Technologie-Konzern geschmiedet - der fast die Hälfte seines Gewinns aus der Finanztochter GE Capital zieht.

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