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10.01.2001

13:33 Uhr

ap BÜDELSDORF. "Das ist zurzeit meine Lieblingsgrafik", freut sich Mobilcom-Chef Gerhard Schmid und wedelt mit einem Papier herum, auf dem eine fette Linie abwärts zeigt. Das Papier bildet aber nicht etwa die Börsenkursentwicklung des Konkurrenten Deutsche Telekom ab, sondern den künftigen Bestand von GSM-Handys in Deutschland. Schmid sagt voraus: Im Jahr 2002 wird der GSM-Handy-Bestand mit 60 Mill. Stück seine Spitze erreichen, dann aber rapide abwärts gehen.

Der Grund: Die neue UMTS-Handytechnik, mit der Schmid Mitte 2002 als erster in Deutschland auf den Markt kommen will. Am Mittwoch präsentierte er das erste kleine funktionierende Mobilcom-UTMS-Netz am Firmensitz in Büdelsdorf.

Bisher funktioniert die UMTS-Funkzelle des schwedischen Herstellers Ericsson nur ein paar Kilometer um die Firmenzentrale herum. Aber die Leistungen sind beeindruckend: Die Schweden haben eine Art fahrendes Büro in einen Mercedes Sprinter-Bus eingebaut. Sechs Computer laufen hier, zwei Kameras und mehr. Während der Bus an rotgeklinkerten Einfamilienhäusern im tiefsten Schleswig-Holstein vorbeirumpelt, surfen die Businsassen über UMTS und das Internet mit Blitzgeschwindigkeit um die Welt.

Das rollende Büro erreicht eine Übertragungsgeschwindigkeit von 400 Kilobit (KB) pro Sekunde. Zum Vergleich: Ein Modem für den Heimcomputer schafft höchstens 56 KB, das bisherige GSM-Handy 9,6 KB. Auch in Büros mit festen Computeranschlüssen werden nur selten 400 KB erreichet. Im Endausbau soll UMTS sogar 2 000 KB erreichen.

In dem rollenden Bus läuft am Mittwoch eine Videokonferenz in hervorragender Ton- und Bildqualität, die Bilder ruckeln kaum noch. Internetseiten bauen sich in ein, zwei Sekunden auf, Videos aus dem Internet kommen in Echtzeit in ausreichender Qualität. Der Ton ist besser als bei Festnetz-Telefonen. Allerdings: Bisher brauchen Mobilcom und Ericsson noch einen ganzen Wagen voller Technik, um die Show hinzubekommen.

Manche Fachleute haben große Zweifel, ob es Mobilcom und den anderen Netzbetreibern gelingt, bis nächstes Jahr ein alltagstaugliches Netz aufzubauen. "Keine Sorge, bis Mitte 2002 sind auch die Endgeräte da", gibt sich dagegen Mobilcom-UMTS-Fachmann Bernd Eilitz zuversichtlich. Mobilcom muss sich in der Tat keine Sorgen darüber machen, denn wenn Geräte und Netz nicht rechtzeitig fertig werden, muss Netzausrüster Ericsson den Schleswig-Holsteinern eine saftige Vertragsstrafe überweisen.

In der Tat ist die in dem UMTS-Bus gezeigte Technik nicht mehr der jüngste Stand, sondern schon zwei Jahre alt. "Wir wollten einfach mal zeigen, was UMTS so kann", erklärt Pressesprecher Stefan Arlt. Die neuesten, kleinen Geräte hielten Nokia, Ericsson und Co. noch streng geheim.

Mobilcom-Chef Schmid ist derweil schon wieder in der Zukunft unterwegs: In den Jahren 2008 bis 2010 werde UMTS das alte GSM abgelöst haben, GSM werde schlicht abgeschaltet, wie das C-Netz im vergangenen Jahr. Seine Prognose: Im Jahr 2010 wird es in Deutschland über 80 Mill. Mobilfunkteilnehmer geben, alle benutzen UMTS. Viele Bürger werden zwei oder drei Anschlüsse haben, sagt er voraus.

Beispiel: Jemand hat einen Anschluss als Handy, einen zweiten Anschluss zu Hause, wo eine Kamera das Kinderzimmer überwacht und ständig Bilder vom schlafenden Baby auf das Handy schickt und einen dritten Anschluss im Auto, wo Motordaten regelmäßig an den Autohersteller geschickt werden, damit Abnutzung oder andere Defekte zeitig erkannt werden.



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