Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2002

00:05 Uhr

Mobile Unternehmensportale erfordern ortsbezogenes Prozessdenken

Können Portale tatsächlich laufen?

VonC. Blum und N.B. Kowalewski

Stephan Lang hat einen verantwortungsvollen Job. Er sorgt dafür, dass streikende Aufzüge wieder fahren. Während eines Einsatzes klingelt sein Smart Phone. Auf dessen Display blinkt eine Nachricht aus dem Service-Portal der Zentrale: "Herr Lang, Sie sind gerade in Ehrenfeld. Bei der Versicherung ist schon wieder der Lastenaufzug gestört."

DÜSSELDORF. Lang nimmt den Auftrag per Tastendruck an. Noch bevor er den nächsten Einsatzort erreicht, informiert ihn sein mobiler Assistent über die Bau- und Wartungspläne. Zwei Stunden später berichtet Lang dem Portal, dass der Fahrstuhl wieder läuft. Zusätzlich erfährt die Zentrale seine Arbeitszeit sowie den Fehlerbericht und erhält die Angaben über die verbrauchten Ersatzteile.

Was in diesem Szenario visionär klingt, ist in Pionierprojekten teilweise bereits verwirklicht und wird sich nach der Einführung von breitbandigen Übertragungstechnologien wie GPRS und UMTS allgemein durchsetzen: Mobile Portale werden die unternehmensinterne Kommunikation grundlegend verändern. Dies gilt vor allem für Branchen wie Facility-Management, Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, Logistik und Telekommunikation. Es geht darum, die mobile Wertschöpfungskette prozessorientiert zu vernetzen - und zwar ohne die bisherigen Medienbrüche.

Über mobile Portale greifen reisende Manager, Verkäufer und Service-Techniker genauso auf Unternehmensinformationen zu wie ihre Kollegen im Büro. Läuft der Informationsfluss auch in umgekehrter Richtung, so erhält die Unternehmensführung aktuellere Geschäftsdaten und eine bessere Kostentransparenz. Abläufe werden schlanker, der Ressourceneinsatz wirtschaftlicher und das Unternehmen handlungsfähiger.

Aus der Sicht des Anwenders rücken die so genannten Location-Based-Services ins Zentrum des Interesses. Hiermit sind Dienste angesprochen, die sich direkt auf die jeweiligen räumlichen Lebens- und Arbeitssituationen des Nutzers beziehen und ihn in seinen Aufgaben unterstützen.

Einen entscheidenden Fortschritt bringt die Einführung der neuen Mobilfunkstandards, da diese erstmals auch "mobile virtuelle Standleitungen" - so genannte Always-on-Verbindungen - unterstützen. Damit lassen sich Dienste einrichten, über die Unternehmen ihren Außendienst aktiv und ortsbezogen steuern. Zum Beispiel in Form von Frühwarnsystemen, die dem Vertrieb verhandlungskritische Informationen kurzfristig bereitstellen.

Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten sollten allerdings nicht dazu führen, Informationen nach dem Gießkannenprinzip zu streuen. Vielmehr besteht die Kunst des Portaldesigns darin, Informationen und Applikationen so zu bündeln, dass der Nutzer ausschließlich das sieht, was er in seiner jeweiligen Geschäftssituation braucht, zum Beispiel relevante Vertriebsinformationen.

Häufig werden mobile Portale mit ihren Benutzeroberflächen gleichgesetzt. Doch sie ähneln Eisbergen: Der überwiegende Teil liegt unter der Oberfläche. Damit Portale also tatsächlich "laufen" lernen, ist eine durchgängige IT/TK-Infrastruktur im Unternehmen gefordert.

Denn: Um Geschäftsabläufe komplett abzubilden, müssen die mobilen Anwendungen auf die vorhandenen betriebswirtschaftlichen Basisapplikationen und-datenbanken zugreifen. Nur dann lassen sich Daten für die mobile Nutzung entsprechend auswählen und aufbereiten. Gleichzeitig senden mobile Anwender ihre Informationen an die zentralen Systeme zurück. Auf Basis einer dafür geeigneten Plattform können neue Kommunikationswege eingefügt sowie zusätzliche Geschäftsprozesse und mobile Transaktionen unterstützt werden.

Dr. Christof Blum und Normen B. Kowalewski, Seniorberater bei Detecon Management- und Technologieberatung, Bonn.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×