Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2001

15:53 Uhr

dpa GENF. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) glaubt nicht, dass Zivilisten und im Kosovo stationierte Soldaten durch den Kontakt mit uranhaltiger Munition einem erhöhten Leukämie-Risiko ausgesetzt sind. Nach Modellrechnungen von Strahlenexperten liege die radioaktive Belastung durch abgereichertes Uran selbst bei Soldaten auf dem Schlachtfeld unter den jährlichen Grenzwerten für Arbeiter, die mit Uran in Kontakt kommen.

Der WHO-Experte Mike Repacholi trat am Montag in Genf Gerüchten entgegen, wonach Regierungen versucht hätten, die Ergebnisse der WHO - Uran-Studie zu beeinflussen. Keine Angaben machte die WHO zu möglichen Gesundheitsrisiken für Soldaten in Bosnien und Beteiligten des Golfkrieges. Die Organisation habe mit Aids und anderen Epidemien andere Prioritäten und könne ihr begrenztes Budget nicht für die Untersuchung des so genannten "Golfkriegs- oder Balkan-Syndroms" verwenden, hieß es in Genf.

"Es können allenfalls Nierenerkrankungen entstehen"

Das Einatmen der löslichen Bestandteile des abgereicherten Urans könne allenfalls zu Nierenerkrankungen führen, erklärte die WHO. Theoretisch sei es darüber hinaus denkbar, dass die Alpha- und Beta- Strahlung aus unlöslichen Uran-Bestandteilen, die sich im Körper festsetzen können, langfristig das Krebsrisiko erhöhe. Dafür gebe es aber bislang keine Beweise.

Allerdings räumte die WHO ein, sie habe von der NATO bisher keine ausreichenden Informationen erhalten, um einen möglichen Anstieg der Krebserkrankungen bei Soldaten aus dem Balkan-Einsatz auszuschließen.

Repacholi warnte Soldaten, die in Bosnien Nato-Munitionsteile als "Kriegssouvenirs" gesammelt hatten, diese weiterhin zu Hause aufzubewahren. Die Uran-Geschossteile sollten nicht angefasst werden, da Hauterkrankungen und bei längerem Kontakt mit größeren Teilen schlimmstenfalls sogar Hautkrebs die Folge sein könnten. Sicherheitshalber sollten auch Kinder nicht direkt an Orten spielen, wo uranhaltige Munition eingesetzt worden sei.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×