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10.01.2002

19:00 Uhr

Möbelkonzern geizt mit Informationen - 180 Millionen Kunden

Kultivierte Sparsamkeit begründet Ikeas Erfolg

VonHelmut Steuer

Kaum ein Konzern ist so bekannt wie Ikea - und kaum einer ist so verschlossen. Aber der Erfolg gibt dem Einrichtungsriesen Recht. Seit 1965 verkauft das Familienunternehmen aus Schweden seine günstigen Möbel für Selbstabholer. Von Anfang an gehörte auch eiserne Sparsamkeit zur Unternehmenskultur.

HB STOCKHOLM. Ein schwedischer Schotte? Ingvar Kamprad kann mit dem Attribut leben. Sehr gut sogar. Der Gründer von Ikea, des nach einem eigenen Werbespruch " unmöglichen Möbelhauses" aus Schweden, hat sich offiziell aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Doch nicht nur am neuen Konzernsitz im niederländischen Leiden heißt es: "Der Ingvar ist immer noch sehr aktiv".

Vielleicht ist das auch gut so. Denn wer, wenn nicht der Gründer und Erfinder des längst nicht mehr unmöglichen Abhol- und Selbstmontagekonzepts, kann in schwierigen Zeiten am besten mit Rat und Tat zur Seite stehen? Selbst wenn der heutige Ikea-Konzernchef Anders Dahlvig seit 1999 das weit verzweigte Imperium selbstbewusst leitet, Gründer Kamprad ist weiterhin mit von der Partie.

Ob bei der Einweihung eines neuen Möbelhauses in Moskau, ob bei einer Veranstaltung für angehende Unternehmer, der fast 76-jährige hat immer noch viel zu sagen. Bis heute predigt er bis Fleiß und Sparsamkeit. Die mittlerweile 65 000 Mitarbeiter in den 148 zur Gruppe gehörenden Möbelhäuser sowie weiteren 21 Franchise-Ablegern haben den Cent zu achten, das Management soll den Bus dem Taxi vorziehen. Kamprad selbst präsentierte erst vergangenes Jahr in Schweden stolz sein U-Bahn-Ticket - Pensionärsrabatt inklusive.

Allerdings ist der Konzern für seine Geheimniskrämerei in Sachen Finanzen berüchtigt, hier spart er nicht nur mit Informationen, er geizt förmlich damit. Das funktioniert, weil Ikea de facto ein Familienbetrieb geblieben ist - " Börsengang" ist und bleibt ein Unwort im Hause Kamprad.

Nur so viel ist bekannt: Weltweit setzte das Unternehmen mit dem Elch im abgelaufenen Geschäftsjahr (zum 31. August) 10,4 Mrd. Euro um. Das sind immerhin 9,4 % mehr als im Geschäftsjahr zuvor. Der deutsche Markt stand für 21 % der Summe und ist damit die mit Abstand wichtigste Region für den Konzern noch vor den USA und Großbritannien.

Ikea wächst also weiter, langsamer zwar als in früheren Jahren, doch immerhin. Immer mehr Kunden schätzen die gut gestylten und preiswerten Möbel aus dem Karton. Dass dafür der Griff zum Schraubenzieher nötig ist, gehört längst zum Ikea-Kult: Die Schweden haben den Möbelkauf zum Familien-Event gemacht. Konzernchef und Familienvater Dahlvig sagt es so: "Wir haben versucht, Ikea zu einem Ausflugsziel zu machen."

Mittlerweile betreibt der Konzern neben dem Einrichtungsbereich mit eigenen Fabriken auch eine Bank, Leasing- und Transportunternehmen. Überdies besitzt der Einrichtungsriese, der Möbelhäuser in fast 30 Ländern betreibt, auch eine komplizierte, steuersparende Konzernstruktur. Ist für die Kunden der kleine Imbus-Schlüssel der Weg zum Erfolg, hat Kamprad ihn in einem nahezu unüberschaubaren Imperium aus Holdinggesellschaften, Stiftungen und Tochterfirmen gefunden. Das Herzstück bildet die von Kamprad kontrollierte Inter Ikea Systems B.V. im steuerlich günstigen Holland. Seit 1982 besitzt das Unternehmen die Rechte an Namen und Konzept. Alle Filialen müssen einige Prozente ihres Umsatzes als Lizenzgebühren an Inter Ikea Systems überweisen. Von dort fließt das Geld an zwei Holdinggesellschaften, die in Luxemburg und Curacao registriert sind.

Es gibt wohl nur eine Hand voll Leute, die wissen, wie reich Ingvar Kamprad wirklich ist. Sparsam und fleißig ist er von Anfang an, als er 1943 die Initialen von Namen, Haus und Dorf ins Handelsregister eintragen ließ: Ingvar Kamprad vom elterlichen Hof Elmtaryd in Agunnaryd - Ikea eben. Zunächst verkaufte der gerade einmal 17 Jahre alte Kamprad in der Gegend, in der auch Astrid Lindgrens Kinder aus Bullerbü leben, nur Saatgut, Fisch und Papierwaren. Kurz darauf kamen einfache Möbel hinzu, die der junge Kamprad sogar per Post vertrieb. Schnell merkte er, was gut lief: Einrichtungsgegenstände. Bis 1965 mussten die Schweden warten, dann durften sie ihr Sofa gut verpackt auf dem Dachgepäckträger aus dem ersten Möbelhaus bei Stockholm selbst abholen. Der Erfolg dieser Geschäftsidee ist gewaltig, Ikea hat heute mehr als 180 Millionen Kunden weltweit.

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