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22.01.2003

07:32 Uhr

Möglicher Irak-Krieg macht Industrie zu schaffen

Betriebe wappnen sich gegen Terrorattacken

VonFrank Matthias Drost

Obwohl sich einige Unternehmen auf einen Irak-Krieg einstellen und ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärfen, unterschätzen immer noch viele Firmen die terroristischen Gefahren, die von einem möglichen Krieg ausgehen können.

BERLIN. Der Touristik-Konzern Tui hat für die kommenden Tage eine umfassende Information über seine verschärften Sicherheitsvorkehrungen angesichts eines möglichen Irak-Kriegs angekündigt. "Uns ist die Brisanz der Thematik bewusst. Wir sind darauf vorbereitet", sagte ein Sprecher.

Generell würden deutsche Unternehmen jedoch terroristische Gefahren unterschätzen, die von einem möglichen Irak-Krieg ausgehen, lautet die Einschätzung der deutschen Tochter der Beratungsgesellschaft Kroll Inc. So werden große Lücken beim Schutz der Mitarbeiter, ihrer Familien im In- und Ausland sowie der Reise- und Gebäudesicherheit gesehen. Auch könnten die Unternehmen meist nicht einschätzen, wie sensibel ihre Wertschöpfungskette auf Störungen reagiert. Zudem bestehen meist keine Erkenntnisse darüber, ob sich Zulieferer zu einem sicherheitsrelevanten Problem entwickeln könnten. "Deutsche Unternehmen trainieren ihre Mitarbeiter einfach nicht für diese Risiken. Keiner guckt genau hin", bemängelt Thomas Spemann, Deutschland-Chef der auf Risiko- und Krisenmanagement spezialisierten Firma. "In Deutschland muss es erst knallen, bis etwas passiert", lautet die Einschätzung von Kroll-Spezialist Rolf Holstein.

"Für die großen Unternehmen und Mittelständler gilt diese Analyse nicht", sagt dagegen der Geschäftsführer des baden-württembergischen Verbands für Sicherheit in der Wirtschaft, Karl Schotzko. "Unsere Mitgliedsunternehmen wie Daimler-Chrysler, Bosch, ZF Friedrichshafen oder Carl Zeiss sind sich dieser Gefahr schon bewusst. Auch vor dem Terrorangriff am 11.9. wussten sie, die Bedeutung der betrieblichen Sicherheit richtig einzuschätzen", sagte der Verbandschef. Was Beratungsunternehmen auch nicht nachvollziehen könnten, sei der intensive Informationsaustausch großer Unternehmen mit den Sicherheitsbehörden. Das gehe von der regelmäßigen Lageeinschätzung durch das Bundeskriminalamt über Unterrichtungen des Bundesamts für den Verfassungsschutz und der jeweiligen Landesorganisationen bis zu Seminaren des Bundesnachrichtendienstes.

Auch seien im Lichte der Ereignisse Schwachstellen beseitigt worden. So hätten große Unternehmen ihre Poststelle in mobile Container verlagert, als Briefe mit dem Milzbrand-Erreger Anthrax in den USA aufgetaucht seien. Dadurch konnten sich mögliche Milzbranderreger nicht über Klimaanlagen ausbreiten.

Nach Einschätzung von Kroll wird auch die Überprüfung der eigenen Mitarbeiter vernachlässigt. Deutschland-Chef Spemann weist damit auf die Gefahr aktivierbarer "Schläfer". Allein in Deutschland wird die Zahl mobilisierbarer islamistischer Terroristen auf 1 200 geschätzt. Schotzko kritisiert, dass die betriebliche Sicherheit bei kleineren Unternehmen häufig beim Gebäudemanagement angehängt sei. Für viele habe sich nichts geändert. "Wer früher geschlafen hat, schläft auch jetzt wieder", sagt Schotzko.

Quelle: Handelsblatt

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