Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.03.2003

10:25 Uhr

Möglichkeiten des Internets noch nicht ausgeschöpft

Alles wird bunt, laut und schön

VonWolfgang E. Müller (Handelsblatt)

Die Navigation ist bei vielen Internetauftritten viel zu kompliziert und unattraktiv. Abhilfe sollen die so genannten Rich-Internet-Anwendungen bringen: Mit Animationen, integrierten Videos und einfach zu bedienenden Elementen sorgen sie für ein völlig neues Web-Gefühl.

HB DÜSSELDORF. Martin Winkelmann, Prokurist der Allrounder Reisen & Sport GmbH im rheinischen Neuss, erinnert sich noch gut daran, wie die Web-Site des Winterurlaub-Anbieters vor einem Jahr aussah: "Ein statischer Reisekatalog im Netz, der sich nur sehr umständlich pflegen ließ", sagt er. Für die Kunden war eine Reisebuchung mit erheblichem Aufwand verbunden: Um für eine vierköpfige Familie eine Ski- oder Snowboard-Reise zu buchen, mussten insgesamt 28 Formulare ausgefüllt werden.

Diesen Stress nahmen nur wenige Urlauber auf sich, zumal eine Reise früher nur reserviert werden konnte. Erst danach startete das System eine Vakanz-Anfrage beim Buchungscomputer und stellte fest, ob die gewünschten Zimmer noch frei waren. Wer Pech hatte, bekam eine Absage und hatte die Formulare aufs Neue auszufüllen. Grund genug für die meisten potenziellen Schneeurlauber, irgendwann entnervt aus dem Online-Buchungsvorgang auszusteigen und doch wieder zum Telefonhörer zu greifen.

Heute dagegen ist die Abwicklung des gesamten Prozesses auf einer einzigen Internetseite möglich. In die in Deutschland bisher einmalige Buchungsmaske auf Basis der Software Flash MX des US-Herstellers Macromedia lassen sich außerdem Daten von vorhergegangenen Eingaben übernehmen.

Ein Wechsel zwischen den einzelnen Buchungsschritten ist kein Problem, die angezeigten Informationen - etwa über freie Zimmer - sind zu jedem Zeitpunkt aktuell. "Jetzt muss nicht mehr bei jeder Abfrage eine neue Seite geladen werden, nur die jeweils neuen Bereiche werden zum Anwender übertragen. So ist der gesamte Ablauf wesentlich beschleunigt worden", sagt Michael Quack, Geschäftsführer der Neusser MSG at.NET GmbH.

Der E-Business-Dienstleister stattete den mehrsprachigen Webauftritt des Reiseveranstalters auch mit einem Content-Management-System aus, das die Mitarbeiter von Allrounder Reisen in die Lage versetzt, aktuelle Informationen ohne Umwege direkt zu veröffentlichen.

Die emotionale Ansprache der Nutzer mit Grafiken und Bildern stellte einen weiteren Schwerpunkt dar. Quack: "In der Tourismusbranche werden vor allen Dingen Träume verkauft, das muss sich auch im Internet-Auftritt widerspiegeln."

Mit so genannten Rich-Internet- Anwendungen, wie sie für Allrounder Reisen erstmals in Deutschland verwirklicht wurden, sei künftig ein völlig neues Web-Gefühl möglich. So erinnere die nahtlose Integration von Video und Animationen direkt in das Design mehr an aufwendige PC-Spiele als an die schlichten HTML-Seiten der Vergangenheit.

"Das Potenzial des Internets wird heute noch längst nicht ausgeschöpft", bestätigt Ralph Weiß, Managing Director bei Macromedia Central Europe in München. Der börsennotierte Softwareriese aus den USA, dessen Flash-Player auf mehr als 98 Prozent aller Internet- Computer installiert ist und weltweit von über 500 Millionen Menschen genutzt wird, bietet deshalb mit seiner neuen Produktlinie Macromedia MX ein Komplettpaket zur Entwicklung von Rich-Internet- Anwendungen an.

Dazu gehören neben Design- und Programmier-Werkzeugen wie Flash und Dreamweaver auch der Applikationsserver Cold Fusion. Bei 75 Prozent der Top 100-Unternehmen in den USA - so die Marktforscher der Aberdeen Group - bildet Cold Fusion inzwischen die Grundlage für deren E-Business-Anwendungen.

"Damit haben wir eine hervorragende Basis dafür, dass sich Rich- Internet-Anwendungen schnell auf breiter Front durchsetzen können", sagt Weiß. In den nächsten Monaten - so seine Überzeugung - werde sich das World Wide Web massiv verändern und interaktiver, emotionaler, schneller und intuitiver zu benutzen sein - "Das Beispiel der Reisebuchung ist dafür typisch", so Weiß.

Statt nur statische Preislisten oder Katalogseiten auf dem Bildschirm zu sehen, hat der Urlauber mit Rich Internet über eine Entscheidungsvorlage innerhalb des Seitendesigns jederzeit Zugriff auf aktuelle Datenbankinformationen und kann so direkt zwischen den verschiedenen verfügbaren Reisealternativen auswählen.

Einen Qualitätssprung erwartet auch der amerikanische Design-Guru Jakob Nielsen, der in der Vergangenheit den zahllosen Flash-Intros auf den Web-Sites eher skeptisch gegenüberstand. "Die Entwicklung wirklich benutzerfreundlicher Anwendungen für das Internet steckt noch in den Kinderschuhen", sagt Nielsen.

Die Gestalter dürften sich allerdings nicht dazu verleiten lassen, den Surfer mit immer mehr Funktionen zu überhäufen und ihn damit hoffnungslos zu verwirren. Nielsen verweist auf die drei Maximen der Anwendungsentwicklung: Einfachheit, Konsistenz und Konzentration auf die wesentlichen Aufgaben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×