Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.02.2006

10:20 Uhr

Moerschen aus Manhattan

Graue Maus als Star

VonTobias Moerschen

Der Fondsmanager ist die graue Maus am Kapitalmarkt. Er fädelt keine Megadeals ein wie der schillernde Investmentbanker. Er spekuliert nicht wild mit Milliarden seines Arbeitgebers wie der Bankhändler. Nein, der Fondsmanager investiert das Geld seiner Kunden bedächtig. Sein höchstes Ziel lautet, seinen Vergleichsindex am Jahresende um ein paar Prozentpunkte übertroffen zu haben.

Tobias Moerschen, Korrespondent Handelsblatt.

Tobias Moerschen, Korrespondent Handelsblatt.

Trotz - oder wohl gerade wegen dieses langweilig-soliden Geschäftsmodells steht der Fondsmanager an der Wall Street derzeit im Rampenlicht. Genauer gesagt steht dort Laurence Fink, der farblose Gründerchef der New Yorker Anlagefirma Blackrock, der als typisch graue Fondsmaus gilt.

Merrill Lynch, die zweitgrößte Investmentbank der Welt, gibt ihre Fondssparte an Blackrock ab und beteiligt sich an dem erweiterten Fondshaus. So entsteht eines der größten Geldhäuser weltweit mit einem Anlagevermögen von knapp einer Billion Dollar. Für Blackrock interessierte sich auch eine andere mächtige Wall-Street-Adresse, Morgan Stanley. Deren Chef John Mack wollte Fink sogar zu seinem Stellvertreter ernennen. Nicht nur US-Banken erliegen dem spröden Charme der Fonds. Die Allianz kaufte bereits vor sechs Jahren die Anlagefirma Pimco. Und die Deutsche Bank kündigte vorige Woche massive Investitionen in ihre Fondssparte DWS an.

Warum sind Fondsfirmen so begehrt? Ganz einfach: Gut geführt und mit der richtigen Größe gleichen sie einer Gelddruckmaschine. Minimale Risiken, hohe Profitmargen und gigantische Wachstumsaussichten - diese Kombination macht graue Mäuse wie Larry Fink zu Stars.

Risikoarm ist das Geschäft, weil die Kunden die Verlustgefahr tragen. Fallen die Kurse, findet der Fondsmanager das zwar bedauerlich, aber seine Gebühr kassiert er trotzdem. Hohe Profite wirft die Fondsbranche wegen des enormen Hebeleffekts ab. Erhöht sich das Anlagevolumen, dann steigen die Kosten viel langsamer als die Erlöse.

Reizvoll macht die Branche auch ihr enormes Wachstumspotenzial. Rund um den Globus sparen die Leute mehr. Familien, Unternehmen und ganze Staaten entdecken die Finanzmärkte als Instrument, um Kapital für später aufzubauen. Und wer investiert das ganze Geld fachkundig? Na klar - der Fondsmanager, der dadurch endgültig von der grauen Maus zum Star wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×