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31.03.2006

10:17 Uhr

Moerschen aus Manhattan

Seid nett zu den Chinesen

Seit Jahren prophezeien Experten den bevorstehenden Untergang - zwar nicht des Abendlandes, aber des amerikanischen Anleihemarkts. Ihr Argument: Investoren werden bald die Lust verlieren, einen Großteil der riesigen US-Defizite im Außenhandel und im Staatshaushalt durch den Kauf von Staatsanleihen zu finanzieren.

Tobias Moerschen ist Korrespondent beim Handelsblatt.

Tobias Moerschen ist Korrespondent beim Handelsblatt.

Das klingt einleuchtend, bedenkt man, dass die Auslandsverschuldung der USA schon 2016 so groß sein wird wie das gesamte Bruttoinlandsprodukt, falls sie weiter so schnell steigt wie in den vergangenen fünfzehn Jahren.

Wären die USA ein Entwicklungsland, hätte der Internationale Währungsfonds angesichts solcher Zahlen längst den Kredithahn zugedreht, mahnt Chef-Pessimist Stephen Roach von der New Yorker Investmentbank Morgan Stanley. Doch ein anderes Lager, das unter New Yorks Bondhändlern mehr Anhänger hat, zuckt nur die Achseln. Die USA sind nunmal kein Entwicklungsland, sondern die Supermacht mit dem größten Kapitalmarkt der Welt, winken sie ab. Was sollen die Leute denn statt US-Anleihen kaufen - Euro-Bonds etwa? Das können sich viele Wall-Street-Händler kaum vorstellen, die mit "Old Europe" nur Stagnation und Streiks verbinden. Wie ärgerlich, dass diese Leute mit ihrer arroganten Haltung bislang Recht behalten.

Aber warum ist das so? Wer New York nicht für den einzig attraktiven Anlageort der Welt hält, kann die Stabilität der US-Anleiherenditen nur schwer erklären. Peter Garber, Volkswirt der Deutschen Bank an der Wall Street, liefert eine neue Antwort: Er vermutet, verkürzt ausgedrückt, eine Verbindung zwischen den US-Investitionen in asiatischen Ländern und deren Exporten nach Amerika einerseits und den massiven Käufen von US-Staatsanleihen durch die Zentralbanken dieser Länder andererseits. Laut Garber besteht zwischen Asien und den USA eine unausgesprochene Übereinkunft, die so lauten könnte: "Kauf Du meine Waren und investiere bei mir, ich gebe Dir dafür unbegrenzt Kredit, indem ich Deine Schulden (nichts anderes sind Anleihen) kaufe."

Warum sollten die Asiaten das tun? Weil sie so den riesigen US-Markt für ihre Waren geöffnet haben, meint Garber. Tatsächlich hört man aus Amerika bislang weniger Klagen über asiatische Dumping-Preise als etwa aus der Europäischen Union. Und in China haben US-Unternehmen Milliarden investiert.

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