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29.12.2011

09:41 Uhr

Monats-Chronik

Oktober 2011: Das Ende Muammar Gaddafis

Ralph M. Steinman wird posthum mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, Gaddafi ist tot, Thailand versinkt im Wasser und in der Ukraine wird Julia Timoschenko zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Oktober 2011 im Rückblick.

Die Familie des verstorbenen kanadischen Immunforscher Ralph M. Steinman nahm den Nobelpreis stellvertretend entgegen. dpa

Die Familie des verstorbenen kanadischen Immunforscher Ralph M. Steinman nahm den Nobelpreis stellvertretend entgegen.

03.10. Ein Nobelpreis wird posthum verliehen. Die Jury spricht dem kanadischen Immunforscher Ralph M. Steinman den Nobelpreis für Medizin zu, ohne zu wissen, dass er kurz zuvor gestorben ist. Weitere Preisträger sind der Franzose Jules A. Hoffmann und der US-Forscher Bruce A. Beutler. Sie haben Schlüsselprinzipien des Immunsystems aufgeklärt.

03.10. Die amerikanische Studentin Amanda Knox wird im Berufungsprozess um den Mord an einer britischen Kommilitonin im italienischen Perugia freigesprochen. Auch ihren Ex-Freund spricht das Geschworenengericht in Perugia vom Vorwurf des Mordes frei. In erster Instanz war Knox zu 26 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

04.10. Das Universum dehnt sich immer rascher aus. Für diese Entdeckung erhalten die Astronomen Saul Perlmutter (USA), Brian P. Schmidt (USA/Australien) und Adam G. Riess (USA) den Nobelpreis für Physik.

05.10. Der Nobelpreis für Chemie geht an den Chemiker Daniel Shechtman aus Israel. Er wird für die Entdeckung der Quasikristalle ausgezeichnet.

06.10. Der Nobelpreisträger für Literatur ist der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer. Er weise dem Leser „in komprimierten, erhellenden Bildern neue Wege zum Wirklichen“, lautet die Begründung der Jury.

07.10. Den Friedensnobelpreis erhalten drei Frauen: Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, die liberianische Menschenrechtlerin Leymah Gbowee und die Journalistin Tawakkul Karman aus dem Jemen. Sie werden für ihren Einsatz gegen Krieg, Gewaltherrschaft und Unterdrückung der Frauen ausgezeichnet.

08.10. Der Chaos Computer Club deckt auf, dass eine „staatliche Spionagesoftware“ gegen rechtliche Vorgaben zur Online-Durchsuchung verstößt. Die Software war der Berliner Hackervereinigung zugespielt worden. Mehrere Bundesländer bestätigen, Trojaner für die Computerüberwachung verwendet zu haben.

09.10. In Thailand wird nach wochenlangem Monsun-Regen die antike Tempelstadt Ayutthaya überschwemmt. Sie zählt zum Unesco-Welterbe. Ende Oktober steht auch die Hauptstadt Bangkok größtenteils unter Wasser. Landesweit gibt es etwa 570 Tote.

09.10. Sebastian Vettel gewinnt vorzeitig seinen zweiten Formel 1-Weltmeistertitel. Der deutsche Red-Bull-Pilot fährt beim Großen Preis von Japan in Suzuka, dem fünftletzten Saisonrennen, auf den dritten Rang.

10.10. Eugen Ruge erhält für seine DDR-Familiensaga „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ den diesjährigen Deutschen Buchpreis.

10.10. Der Wirtschafts-Nobelpreis 2011 geht an die US-Forscher Christopher A. Sims und Thomas Sargent. Sie teilen sich den Preis für ihre weltweit anerkannten Analyse-Modelle zu „Ursache und Wirkung bei volkswirtschaftlichen Entwicklungen“.

11.10. Nach mehr als fünf Jahren Verhandlungen vereinbaren Israel und die radikal-islamische Hamas einen Gefangenenaustausch. Der im Juni 2006 entführte israelische Soldat Gilad Schalit kommt am 18. Oktober im Austausch gegen 1027 palästinensische Häftlinge frei.

11.10. Ein ukrainisches Gericht verurteilt die Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft. Sie habe 2009 mit Russland Gasverträge zum Nachteil der Ukraine abgeschlossen, entscheidet ein Richter in Kiew. Das von der EU heftig kritisierte Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

12.10. Deutschlands Tischtennis-Herren werden zum fünften Mal in Folge Europameister. In Danzig (Polen) besiegen Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Patrick Baum die schwedische Mannschaft mit 3:0. Boll gewinnt zudem seinen fünften EM-Titel im Einzel und seine 15. EM-Goldmedaille.

13.10. Als letzter der 17 Euro-Staaten stimmt auch die Slowakei für eine Erweiterung des Rettungsfonds EFSF. Die Mehrheit des Parlaments votiert in einer Wiederholungsabstimmung dafür. Über dem Euro-Streit war zuvor die bürgerliche Regierungskoalition zerbrochen.

So funktioniert der EFSF-Hebel

Warum braucht der Rettungsschirm einen Hebel?

Dem Rettungsschirm stehen künftig 440 Milliarden Euro zur Verfügung, um überschuldeten Euro-Ländern unter die Arme zu greifen, wenn sie sich kein frisches Geld mehr am

Kapitalmarkt besorgen können. Davon sind zehn Prozent bereits für Irland und Portugal verplant. Außerdem soll das noch ausstehende zweite Hilfspaket für Griechenland vom EFSF

finanziert werden. Sollte ein zusätzliches Land wie Italien oder Spanien ins Schlingern geraten, wären die EFSF-Mittel sehr schnell erschöpft. Der „Hebel“ soll helfen, das Geld möglichst

effizient einzusetzen.

Wie funktioniert der Hebel?

In den Verhandlungen der Euro-Länder über die Leitlinien für den konkreten Einsatz der EFSF-Milliarden zeichnet sich ein Versicherungsmodell ab: Begibt ein Euro-Land eine neue

Staatsanleihe, könnte der EFSF eine Garantie geben, einen Teil des Ausfallrisikos zu übernehmen. Gedacht wird dabei an 20 bis 30 Prozent des Emissionsvolumens. Dadurch würde

sich das Risiko der Käufer (Banken, Versicherungen, etc.) verkleinern und damit der Anreiz vergrößert, bei der Anleihe kräftig zuzugreifen. Im Ergebnis würden die Zinsen sinken, die

das Land bezahlen muss.

Der „Hebel“ besteht also darin, dass durch eine staatliche Teil-Ausfallversicherung privates Kapital mobilisiert wird. Das ist effektiver als wenn der EFSF alleine die Anleihe kaufen

würde, was seine Mittel überstrapazieren würde. Die Milliarden des EFSF, also die 440 Milliarden Euro, würden dadurch nicht erhöht oder „gehebelt“, er gibt lediglich Ausfallgarantien

ab.

Ein Beispiel

Ein Beispiel: Das Land X begibt eine neue Staatsanleihe über zehn Milliarden Euro, hat aber Zweifel, ob es sie am freien Kapitalmarkt zu einem verkraftbaren Zinssatz losschlagen

kann. Deshalb wendet sich die Regierung von X-Land an den EFSF. Der Schirm gibt die Garantie ab, für die ersten 20 Prozent der Verluste zu haften, falls das Land doch pleitegehen sollte.

Die weiteren Verluste müssten dann die Investoren tragen. Für diese Teil-Kaskoversicherung müsste X-Land voraussichtlich eine Gebühr an den EFSF zahlen. Geht alles gut und kann

X-Land Zins und Tilgung normal bedienen, macht der EFSF sogar ein Geschäft.

Gibt es Varianten?

Wie genau der Hebel eingesetzt werden könnte, ist noch nicht klar. Nach Informationen von Reuters ist aktuell neben der Variante, dass der EFSF das erste Verlustrisiko übernimmt,

auch im Gespräch, dass der EFSF erst in zweiter Linie haftet. So könnten zum Beispiel die ersten zehn Prozent der Verluste von den privaten Investoren übernommen werden, die

nächsten 15 Prozent vom EFSF und der Rest wieder von den Investoren.

Theoretisch sind bei der Ausgestaltung alle möglichen Varianten denkbar. Sehr wahrscheinlich ist, dass über die genaue Ausgestaltung einer EFSF-Teilgarantie erst bei Bedarf und

im Einzelfall entscheiden wird, um maximal flexibel zu bleiben.

Zeitweise diskutierte Alternativen, wie den EFSF mit einer Banklizenz auszustatten, damit er selber Kredite bei der Europäischen Zentralbank aufnehmen kann, sind nach

Reuters-Informationen vom Tisch, weil die EZB dabei nicht mitmacht.

Was heißt das für die Steuerzahler?

An der Kapitalausstattung des EFSF ändert sich nichts. Der EFSF muss nicht einmal den Betrag, den er für Ausfallgarantien zur Verfügung stellt, in bar in der Kasse haben. Erst wenn

X-Land seine teilbesicherte Staatsanleihe nicht mehr bedient, tritt der Garantiefall ein. Für die 440 Milliarden Euro des EFSF stehen die deutschen Steuerzahler mit maximal 211

Milliarden Euro gerade - ebenfalls in Form von Garantien an den EFSF.

Gelingt die Operation, entstehen keine Verluste. Macht der EFSF Verluste, reicht er sie an die Steuerzahler weiter.

 

15.10. Hunderttausende protestieren in 82 Ländern gegen die Macht und Auswüchse der Finanzmärkte. In Deutschland folgen nach Angaben der Mitorganisatoren von Attac mehr als 40.000 Kapitalismuskritiker in etwa 50 Städten dem Aufruf.

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