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23.01.2003

10:18 Uhr

Monatsbericht

EZB geht weiter von Konjunkturbelebung aus

Die Europäische Zentralbank (EZB) geht weiterhin von einer allmählichen Konjunkturerholung und einem Rückgang der Inflationsrate in diesem Jahr aus und hält sich damit weiterhin alle Türen für ihren Zinskurs offen.Ein langsamer Anstieg des Bruttoinlandsprodukts bis auf Raten von 2,0 bis 2,5 % im späteren Jahresverlauf sei weiterhin sehr wahrscheinlich, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht Januar.

Reuters FRANKFURT. "Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Einfluss der Faktoren, die derzeit zur allgemeinen Unsicherheit beitragen, langsam nachlässt." Es gebe Abwärtsrisiken für die Wirtschaftsaussichten in der Euro-Zone, auch wenn das niedrige Zinsniveau diesen entgegenwirke. Die EZB weist so auf den drohenden Irak-Krieg hin, der das Vertrauen belaste und den Ölpreis erhöhe. Der europäische Industrieverband Eurochambres forderte unterdessen eine weitere Zinssenkung.

Unsicherheit präst Wirtschaft und Finanzmärkte

Seit der Zinssenkung Anfang Dezember habe sich weder der Ausblick für die Preisstabilität noch für die Konjunktur geändert. Das Wachstum sei zur Jahreswende verhalten geblieben. "Der EZB-Rat hielt den vorherrschenden geldpolitischen Kurs für angemessen, um die günstigen Aussichten für die Preisstabilität auf mittlere Sicht aufrechtzuerhalten", wiederholt der Monatsbericht die Erklärung von EZB-Präsident Wim Duisenberg nach dem Zinsentscheid am 9. Januar.

Die EZB hatte den Leitzins im Januar nicht geändert, nachdem sie ihn im Dezember um 50 Basispunkte auf 2,75 % gesenkt hatte. Duisenberg hatte jedoch zu verstehen gegeben, dass die Notenbank weitere Zinssenkungen nicht ausschließt, wenn sich die Aussichten für Konjunktur und Preise gravierend ändern sollten. Die EZB hatte gehofft, dass die hohe Unsicherheit, unter der die Wirtschaft schon im vergangenen Jahr litt, zur Jahreswende etwas nachlassen würde. Doch die Furcht vor einem Irak-Krieg belaste Finanzmärkte und Wirtschaft. "Die Stimmung der Verbraucher wird derzeit stärker von der anhaltenden Unsicherheit über einen Krieg sowie die Finanz- und Arbeitsmarktentwicklung beeinflusst als von der tatsächlichen Lage der Verbraucher."

Der Monatsbericht setze keine neuen Akzente, sagten Analysten. Jonathan Hoffman von der Royal Bank of Scottland erwartet wie bisher eine weitere Zinssenkung der EZB: "Die Abwärtsrisiken für die Konjunktur werden stärker betont als die Aufwärtsgefahr für das Preisniveau." Damit sei die Tür für eine Zinssenkung weiter offen, insbesondere weil der Euro seit Anfang Dezember effektiv um fast drei Prozent gestiegen sei und der Zinssenkung konjunkturell entgegenwirke. Auch die HypoVereinsbank erwartet eine weitere Zinssenkung, aber frühestens im April und nur dann, wenn sich die Konjunkturdaten bis dahin deutlich verschlechtert haben. "Es ist noch nicht klar, ob es einen Krieg gibt und wie er sich auswirkt. Die EZB wird deshalb noch eine Weile abwarten", sagte Julian von Landesberger.

Der Industrieverband Eurochambres erklärte in Brüssel, die Euro-Aufwertung ermögliche eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Verbandspräsident Christoph Leitl sagte, er wolle bei einem Treffen kommende Woche Duisenberg dazu auffordern.

Preisstabilität erwartet

Auf konjunkturelle Folgen der Euro-Aufwertung geht der Monatsbericht nicht näher ein. Der höhere Euro-Kurs dämpfe mit dem schwachen Wachstum vielmehr das Preisniveau, während der Ölpreisanstieg die Inflation verstärke. "Insgesamt sind zum jetzigen Zeitpunkt kurzfristige Vorhersagen wegen der erheblichen Risiken im Zusammenhang mit der Ölpreisentwicklung zwar schwierig zu treffen, am wahrscheinlichsten bleibt aber, dass die Inflation zurückgehen und sich im Jahresverlauf 2003 schließlich auf einem Niveau unterhalb von zwei Prozent stabilisieren wird", heißt es weiter. Das oberste Ziel der EZB, ein stabiles Preisniveau mit einer Jahresteuerung von weniger als zwei Prozent, wurde 2002 - das dritte Jahr in Folge - nicht erreicht.

Wesentliche Voraussetzung für den erwarteten Inflationsrückgang sei eine moderate Lohnentwicklung, wird im Monatsbericht bekräftigt. Sollte es zu einem Krieg und einem dauerhaften Ölpreisanstieg kommen, werde die EZB sehr genau darauf achten, ob die Gewerkschaften höhere Energiepreise als Argument für stärkere Lohnerhöhungen ins Feld führten, sagte von Landesberger. Ein solcher Inflationsfaktor könnte die EZB dann von einer Zinssenkung abhalten.

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