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22.01.2003

08:19 Uhr

Moody’s rechnet in diesem Jahr erstmals in Deutschland mit Verbriefungen der öffentlichen Hand – Bislang ist unter den Staaten nur Italien aktiv

Verbriefte Anleihen sind auf dem Vormarsch

VonAndrea Cünnen

Institutionelle Investoren greifen zunehmend zu verbrieften Produkten um ihre Portfolios zu stabilisieren. Privatanleger kaufen diese komplizierten Papiere selten direkt, sind aber häufg über an ihnen beteiligt.

FRANKFURT/M. Der Markt für Verbriefungen gewinnt an Bedeutung. "Verbrieft wird generell alles, was Zahlungseingänge erwarten lässt", erklärt Axel Gerling vom Research für Verbriefungen bei der DZ Bank. Dabei sei es auch für Privatanleger wichtig, die Produkte zu kennen, da sie von vielen Fonds gehalten werden, sagt Klaus Holschuh, der bei der DZ Bank die Abteilungen Research und Volkswirtschaft leitet. In Geldmarktfonds seien oft Asset Backed Securities (ABS) enthalten. Das sind Anleihen, die mit Forderungen besichert sind und in verschiedenen Tranchen begeben werden. Fonds für Unternehmensanleihen halten oft einen Teil des Vermögens in Collateralised Debt Obligations (CDOs) - einem Pool von Anleihen und Krediten, die gebündelt und als Wertpapiere handelbar gemacht werden.

Emittiert werden verbriefte Produkte von Zweckgesellschaften, hinter denen sich der Originator - also derjenige, der Forderungen oder ein Portfolio von Wertpapieren aus der Bilanz ausgegliedert hat - auf den ersten Blick nicht erkennen lässt. Eine ABS über Forderungen auf Autokredite von Fiat firmiert zum Beispiel unter dem Nahmen "E.A.S.e 2002 plc".

Den größten Anteil an den ABS haben weiterhin mit Forderungen auf Hypotheken gedeckte Anleihen. Die auch Mortgage Backed Securities (MBS) genannten Wertpapiere hält Markus Herrmann Research der Deutschen Bank auch in diesem Jahr für die stabilste Asset-Klasse. Auf Grund der vielen Neuemissionen zum Ende des vergangenen Jahres seien die Renditeaufschläge (Spreads) zum Beispiel dreijähriger MBS mit Dreifach-A-Rating leicht auf derzeit etwas über 20 Basispunkte gegenüber dem Interbankenzinssatz Libor gestiegen. Herrmann rechnet damit, dass sich die Spreads wieder etwas einengen werden. Eine viel diskutierte mögliche Immobilienblase in Großbritannien sollten die MBS erster Adressen aushalten können. Die Papiere seien so strukturiert, dass ein Worst-Case-Szenario - die Immoblienblase der neunziger Jahre - bereits abgesichert sei.

Collateralized Debt Obligations (CDOs) - verbriefte Anleihen und Kreditportfolios - haben sich im vergangenen Jahr dagegen schlecht entwickelt. Die Spreads drei- bis fünfjähriger Tranchen mit Dreifach-A-Rating stiegen zum Teil von etwa 40 auf rund 100 Basispunkte gegenüber Libor, erklärt Herrmann. Die zahlreichen Unternehmenspleiten - allen voran Worldcom - belasteten viele CDO-Portfolios. Auch in diesem Jahr rechnet die Deutsche Bank mit Druck auf die Bonitätsbewertungen der CDOs. "Im Vergleich zu Unternehmensanleihen zeichnete sich der Markt für Verbriefungen aber weiterhin durch große Stabilität aus", betont Herrmann.

Insgesamt ist 2002 nach Berechnungen der Ratingagentur Moody?s in Europa der gesamte Verbriefungsmarkt um 29 % auf 347 Mrd. Euro gewachsen. Detlev Scholz, Geschäftsführer bei Moody?s in Frankfurt, rechnet damit, dass der Markt in diesem Jahr um 15 % zulegen wird. Dabei erfasst Moody?s in seinen Statistiken auch privat platzierte Transaktionen. Der Markt für öffentlich platzierte Transaktionen ist deutlich kleiner.

In Deutschland erwartet Moody?s, dass auch die öffentliche Hand erstmals am Verbriefungsmarkt in Erscheinung treten könne. Bislang ist die italienische Regierung die einzige in Europa, die Aktiva wie Lotterieeinnahmen oder Immobilienerträge verbrieft hat. "Ich denke, dass wir in diesem Jahr auch in Deutschland erste Anzeichen, eventuell auch kleine Emissionsvolumen solcher Verbriefungen sehen werden", sagt Jens Lindner, Analyst für strukturierte Finanzierung bei Moody?s.

Quelle: Handelsblatt

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