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27.03.2003

08:31 Uhr

Morgen startet das Halbfinale der DEL

Das große Bangen unterm Bankenturm

VonThomas Knüwer

die Eishockey-Saison steuert auf ihren Höhepunkt zu. Morgen beginnen die Halbfinalspiele in der DEL. Doch auch in Sachen Abstieg bleibt es spannend - wenn auch nicht aus sportlichen, sondern wirtschaftlichen Gründen. Denn die Frankfurt Lions, die sich sportlich aus der Liga verabschiedet haben, hoffen auf eine Insolvenz der Schwenninger wildwings und damit auf den Verbleib in der Liga.

DÜSSELDORF. Jetzt bemühen sie in Köln wieder die ausgelutschteste aller rheinischen Floskeln: "Et hätt noch immer jot jejange." Erst mit einem 5:1-Sieg im siebten und letzten Spiel der Viertelfinal-Serie gegen die Kassel Huskies robbte sich der deutsche Eishockeymeister Kölner Haie am Dienstagabend mühsam ins Halbfinal-Playoff der Deutschen Eishockey-Liga DEL.

Dort wartet nun ab Freitag der Erzrivale Mannheimer Adler auf die Haie. Wer zuerst drei Spiele gewonnen hat, ist im Finale. "Da wird um jeden Zentimeter Eis gekämpft", kündigt Adler-Spieler Stefan Ustorf bereits an. Wenn auch ohne ihn, denn der Teamkapitän ist verletzt.

Im zweiten Halbfinale wollen die Berliner Eisbären ihrem großen Traum näher kommen: den ersten gesamtdeutschen Titel in die Hauptstadt holen. Der Schritt scheint einfach gegen den Sechsten der Hauptrunde, die Krefelder Pinguine. Doch die haben überraschend souverän im Viertelfinale die Düsseldorfer EG ausgeschaltet und gehen mit reichlich Selbstbewusstsein in die maximal fünf Spiele: "Die Haie haben letztes Jahr auch als Sechster den Titel gewonnen", sagt Nationaltorwart Robert Müller. Berlins Trainer Pierre Pagé zumindest hat sein Team in einem Hotel eingesperrt, Handys sind tabu, der Tagesablauf aus Training, Taktikschulung, Essen und Ruhepausen ist klar festgelegt.

So mancher Frankfurter Spieler würde sich darüber wohl freuen. Die Lions verloren die Abstiegsserie überraschend gegen die finanziell ums Überleben kämpfenden Schwenningen Wild Wings. Derzeit ist noch offen, wann und ob überhaupt die Schwarzwälder ein Insolvenzverfahren eröffnen. "Im Moment sieht es aber so aus, dass wir wohl in die Landesliga absteigen", sagt Schwenningens Vorsitzender Gerhard Henisch. Sollten die Schwenninger wirtschaftlich nicht in der Lage sein, die Klasse zu halten, bliebe das zuschauerträchtige Team aus Frankfurt der DEL erhalten.

Doch es gibt noch ein weiteres Problem für die Lions: Ihr Besitzer Gerd Schröder droht auszusteigen, wenn die Stadt ihm nicht den Bau einer neuen Halle genehmigt. Derzeit stehen die Zeichen anscheinend gut. Doch könnte alles umgestoßen werden, erhielte die Bankenmetropole den Zuschlag für Olympia 2012 - denn dann gäbe es wohl stadtweit ein neues Baukonzept.

Sollte es Schwenningen finanziell doch noch schaffen, bleibt den Lions eine weitere Hoffnung: dass die beiden Finalisten der Zweitliga-Playoffs auf den Aufstieg verzichten. Das scheint zwar unwahrscheinlich - so sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke: "Ich habe noch von keinem Zweitligisten gehört, der nicht aufsteigen will." Und so könnte im extremsten Fall die Millionenstadt Frankfurt in der nächsten DEL-Saison ersetzt werden durch den Zweitliga-Favoriten aus dem tiefen Schwaben: die Bietigheim-Bissingen Steelers.

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