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13.06.2017

06:00 Uhr

Morning Briefing

Frankreich erneuert sich

VonGabor Steingart

Präsident Macrons Sieg bei den Parlamentswahlen ist ein radikaler politischer Neuanfang, die „FAZ“ rät zum Aufruhr im Kopf, und Trump scheitert erneut. Was heute sonst noch wichtig ist.

AP

French President Emmanuel Macron waits to welcome Ivory Coast's President Alassane Ouattara upon his arrival at the Elysee Palace in Paris, France, Su

Düsseldorf
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

der Wahlsieg von Präsident Macron stellt bei näherer Betrachtung eine Revolution dar. Die absolute Mehrheit für den Erneuerer scheint auch nach dem zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag gesichert. Der Front National von Marine Le Pen erreicht offenbar nicht mal mehr die Abgeordnetenzahl, um eine Fraktion zu bilden. Die Landkarte der Wahlergebnisse gleicht einem politischen Freiheitsplakat.
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Gewinner der Wahlbezirke beim ersten Wahlgang der französischen Parlamentswahlen

Bemerkenswert ist: Ein großer Teil der voraussichtlich über 400 Abgeordneten von En Marche in der neuen Nationalversammlung hat noch nie in einem Parlament gesessen oder eine andere politische Funktion wahrgenommen. Einen derart radikalen Neuanfang gab es bisher nirgendwo im Westen. Den deutschen Bundestagsabgeordneten, von denen jeder Zweite sein Dasein nicht dem Wähler verdankt, sondern einer von Parteifunktionären erstellten Liste, sei das eine Warnung. Auch für sie gilt: Change or die. Das deutsche Wahlsystem verzögert den demokratischen Umsturz der Verhältnisse, aber verhindert ihn nicht.

Dazu passt der schwungvolle Artikel von Christian Geyer im Feuilleton der „FAZ“, der auch uns Deutsche zum Nonkonformismus ermuntert. Sein Befund: „Aus der Öffentlichkeit ist ein klinischer Raum geworden, ein Areal mit Putzfimmel.“ Im Angesicht des Populismus seien schon die Gedanken „auf Prävention getrimmt“, dabei lebe gerade die liberale Demokratie vom „unbedingten Wahrheits- und Freiheitszwang“, vom „Ungebundenen und Unverblümten“. Geyer empfiehlt uns den Aufruhr - und sei es den im Kopf.

AP

British Prime Minister Theresa May speaks watched by her husband Philip in 10 Downing street, London, as she addresses the press Friday, June 9, 2017

In England kämpft derweil die Establishment-Kandidatin Theresa May weiter ums Überleben. Die für kommenden Montag geplante „Queen’s Speech“ wurde „um ein paar Tage“ verschoben, wie es heißt. Die Rede, in der Königin Elisabeth II. traditionell das Regierungsprogramm im Oberhaus vorstellt, fällt vorerst aus, weil bisher weder die Regierung noch das Programm stehen. Das draculahafte der Londoner Verhältnisse ist unübersehbar. May tritt als Untote vor das Publikum. Das Blut, das sie am politischen Leben erhält, ist nicht mehr das eigene.
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Donald Trump kommt mit seinem Einreiseverbot für Bürger aus sechs mehrheitlich muslimischen Staaten in die USA nicht voran. Erneut hat ein Gericht - diesmal das Berufungsgericht in San Francisco - die Anordnung des Präsidenten für unrechtmäßig erklärt. Die politische Autorität des Donald Trump schrumpft so der Größe eines Golfballs entgegen. Der Mann braucht offenbar gar kein aufwendiges Amtsenthebungsverfahren. Er ist auch in diesen letzten Dingen das, was er immer war: ein Selfmademan.
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dpa

"Autogipfel" in München

Tragisches Ende für Karl-Thomas Neumann. Nachdem am Wochenende publik geworden war, dass der Opel-Chef am 22. Juni seinen Rückzug plante, wurde gestern flugs eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung anberaumt. Neumann trat nun etwas flotter zurück. Damit hat Opel binnen kürzester Zeit nicht nur seine Mutter in den USA, sondern auch noch seinen besten Mann in Deutschland verloren.
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Früher wanderte man aus Deutschland aus, heute wandert man ein. Wenn man sich eine Freiheitsstatue Baujahr 2017 vorstellen möchte, würde sie womöglich aussehen wie Angela Merkel. So sehen es jedenfalls die Titelautoren der heute erscheinenden Ausgabe unseres englischsprachigen Handelsblatt Global Magazine.

Quelle: HB

HB Global

Quelle: HB

Das Titelthema unserer chinesischen Ausgabe - die heute Premiere feiert - widmet sich ebenfalls dem Thema Freizügigkeit, allerdings der Freizügigkeit von Waren und Dienstleistungen, die im Zeitalter von Trump keine Selbstverständlichkeit mehr zu sein scheint. Zur Kostprobe - insbesondere für alle Chinakenner gedacht - habe ich direkt an der Druckmaschine hundert Freiexemplare gesichert: steingart@morningbriefing.de.

Ich wünsche Ihnen einen gut gelaunten Start in den neuen Tag.

Herzlichst grüßt Sie Ihr

Gabor Steingart
Herausgeber

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