Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.03.2003

13:30 Uhr

MP3-Nachfolger verpacken Musik noch kleiner

Schrecken der Musikbranche

Für Musikfans ein Segen, treibt das Audio- Kompressionsverfahren MP3 die Plattenbosse seit Jahren zur Verzweiflung. Nun sind auf der weltgrößten Computermesse CeBIT in Hannover die ersten noch leistungsstärkeren MP3-Nachfolger präsentiert worden. Die kompakten Klangwunder können Audio-Stücke ohne hörbaren Klangverlust auf deutlich weniger Platz verpacken.

HB/dpa HANNOVER. Dies gilt als Voraussetzung für die Übertragung von Musiktiteln auf die neuen Multimedia-Handys. Gleichzeitig sollen die Formate dem bislang eher zahnlosen Kopierschutz auf die Sprünge helfen und Verstöße gegen das Urheberrecht unterbinden. Ob dies gelingt, steht allerdings in den Sternen.

MP3 hatte vor zehn Jahren die Internetwelt im Sturm erobert: Egal, ob Hits von Robbie Williams oder Opern von Verdi, die genial einfache Technik verkleinert die Datenmenge auf bis zu ein Zehntel ihrer Ursprungsgröße. So komprimiert, lassen sich tausende Musiktitel aus dem Internet herunterladen. Legal ist das nicht - die Musikindustrie klagt über Milliardeneinbußen unter anderem durch den von MP3 entfachten Austausch von Raubkopien.

Das Fraunhofer Institut, Erfinder des MP3-Formats, hat erneut in die Trickkiste gegriffen und den Standard MP3Plus entwickelt. Die Dateien kommen mit einem Datenstrom von 96 Kilobit pro Sekunde oder weniger aus, das alte Format benötigte 128 KBit/s. Um hemmungsloses Raubkopieren im Netz zu verhindern, sind die Dateien dank einer Signatur verfolgbar. "Wir lassen dem Nutzer alle Freiheiten. Durch die Signatur geben wir aber den Musikkonzernen die Möglichkeit, die Datenbanken gezielt nach Raubkopien zu durchsuchen", sagt ein Fraunhofer-Sprecher.

Einen Schritt weiter geht der Softwaregigant Microsoft. Die Amerikaner nutzen bei der 9. Version ihres WMA Windows Media Audio ein Verfahren, das den Anti-Kopier-Wünschen der Musikbranche sehr nahe kommt. Die Audio-Inhalte werden mit dem DRM Digital Rights Management geschützt. "Damit kann das Label festlegen, dass der Musikfan zum Beispiel den Titel einen Monat lang beliebig oft auf seinem PC hören kann, aber maximal nur zwei Mal auf CD brennen darf", erklärt ein Microsoft-Experte.

Einig sind sich die auf der CeBIT versammelten Anbieter, dass bei der Audio-Kompression das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. Das bislang nur von TV- und Rundfunkanstalten genutzte AAC-Format (Advanced Audio Coding) ist um bis zu 30 Prozent effektiver als MP3. Denn trotz fast halbierter Bit-Rate (48 Kbit/s) garantiert AAC nahezu perfekte Klangwiedergabe. Auch der Kopierschutz spielt bei dem Format eine wichtige Rolle.

Dies freut die Musiklabels, die jenen Internet-Surfern den Kampf angesagt haben, die tausendfach MP3s aus dem Netz auf ihre Festplatten packen. Doch gewonnen ist die Schlacht noch lange nicht. Denn im World Wide Web sind starke Audio-Kompressionstechniken wie Ogg Vorbis oder Triple S-sss aufgetaucht. Die Formate stehen kostenlos zum Download bereit und könnten die Pläne der Musikbranche schnell durchkreuzen. "Die Industrie kann machen, was sie will. Jeder Kopierschutz ruft 20 Hacker auf den Plan. Nach zwei Wochen ist das Ding geknackt", glaubt ein Fachmann, der lieber anonym bleiben will.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×