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19.02.2002

19:00 Uhr

Müller vor schwerer Entscheidung bei Eon

Kommentar: Ja, aber

VonHeinz Jürgen Schürmann

Deutschland steigt aus der Kernkraftnutzung aus. Vorreiter sind wir nur noch bei regenerativen Energien, diese verlangen jedoch massive staatliche Subventionen und sind noch lange nicht wettbewerbsfähig.

Deutschland steigt aus der Kernkraftnutzung aus, nationale Player im Ölgeschäft ziehen sich zurück. Vorreiter sind wir nur noch bei regenerativen Energien, diese verlangen jedoch massive staatliche Subventionen und sind noch lange nicht wettbewerbsfähig. Jetzt stellt sich die Gretchenfrage, ob deutsche Konzerne bei der Wachstumsenergie Nummer eins, dem Erdgas, international präsent bleiben. Die Düsseldorfer Eon, vor zwei Jahren aus der Verschmelzung von Veba und Viag entstanden, will in der europäischen Liga der Energieversorger ganz vorne mitspielen. Das Bundeskartellamt hat den Einstieg von Eon bei Ruhrgas untersagt, jetzt ist Bundeswirtschaftsminister Werner Müller am Zug. Er kann die wettbewerbsrechtlichen Bedenken mit seiner Ministererlaubnis übergehen, wenn die gesamtwirtschaftlichen Vorteile nach seiner Einschätzung überwiegen. Hierfür muss der ehemalige Veba-Manager gute Argumente anführen. Auf Grund seiner beruflichen Vorgeschichte wird Müller Befangenheit vorgeworfen. Daher muss der Minister besonders darauf achten, dass durch strenge Auflagen der Eindruck im Keim erstickt wird, seine Entscheidung sei im Zusammenhang mit seiner Vergangenheit oder gar mit beruflichen Ambitionen nach einem etwaigen Ausscheiden aus dem Ministeramt zu sehen.

Eon-Chef Ulrich Hartmann will sein Lebenswerk durch die vertikale Integration von Strom und Gas krönen. Hartmann schmiedet bei einem erfolgreichen Eon-Ruhrgas-Deal nicht nur den größten privatwirtschaftlichen Energieversorger der Welt, sondern zugleich einen Konzern, der durch die Kombination von Strom und Gas eine stabile Optimierung bei der Beschaffung und beim Absatz erreichen kann. Wenn die Kernenergie als Kohlendioxid(CO2)-freier Energieträger in den nächsten zehn bis 20 Jahren hier zu Lande ersetzt werden muss, bietet das CO2-arme Erdgas einen besonders attraktiven Input für die Stromerzeugung.

Müller wird jedoch Hartmann für den Fall der Ministererlaubnis Kröten zu schlucken geben. Es sind schmerzliche Auflagen für Eon zu erwarten. Die Düsseldorfer müssen wettbewerbsfördernde Zugeständnisse machen. Nach dem Ende der Energiemonopole vor vier Jahren dürfen die Spielräume für Wettbewerbsprozesse in der Strom- und Gaswirtschaft nicht wieder zugeschüttet werden. Da Hartmann den Ruhrgas-Deal von langer Hand vorbereitet hat, wird er beim Ringen um Auflagen Trümpfe präsentieren können. Der Eon-Chef hat bei allen Aktionären der Ruhrgas schon vorgesprochen, damit hier auch die Essener selbst wettbewerbsfördernde Zugeständnisse im deutschen Gasgeschäft machen können. Hierfür würden dann Ausgleichszahlungen an die Ruhrgas-Aktionäre Shell und Esso fällig. Mit den übrigen Aktionären - knapp 60 Prozent der Ruhrgas - sind schon Vereinbarungen getroffen worden.

Müllers Auflagen sind für Hartmann aber nur so lange akzeptabel, wie die vertikale Integration nicht gefährdet wird. Zugeständnisse - wie eine Vorreiterrolle beim diskriminierungsfreien Gastransport durch Eon - und Ruhrgasnetze für Dritte oder Abgabe von Beteiligungen - sind damit nur unterhalb dieser Messlatte möglich. Durch den Eon-Ruhrgas-Deal wird ein wettbewerbsfähiger Player geschmiedet, der auch kapitalintensive Vorlaufinvestitionen für eine ausreichende Energiebeschaffung garantieren kann. Wenn am Ende alle Ölaktionäre aus der Ruhrgas aussteigen sollten, werden die Spielräume für Wettbewerb hier zu Lande sogar vergrößert. Ein global agierendes Energieunternehmen aus Deutschland würde jedoch zugleich den heimischen Standort sichern und die Versorgungssicherheit vergrößern.

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