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12.02.2001

19:27 Uhr

Münchener Autobauer selbstbewusst in England

BMW will mit höherem Absatz Rover-Desaster vergessen

VonAndreas Hofbauer

HB LONDON. Das Image des Münchener Automobilherstellers BMW hat in Großbritannien nach dem umstrittenen Verkauf der Marke Rover nicht gelitten.

Nach inoffiziellen Angaben aus dem Konzern werden sich die BMW-Verkaufszahlen in diesem Jahr "wieder klar auf dem Niveau vor der Rover-Krise" einpendeln. 1999 hatte das Unternehmen auf dem britischen Markt 70 498 BMW-Modelle verkauft. Nach der Trennung von Rover im Mai 2000 war der Absatz zurückgegangen und hatte am Jahresende bei 68 349 Fahrzeugen gelegen. Während des Rover-Pokers zwischen München und London vor einem Jahr hatten Zeitungen gegen die Marke BMW Stimmung gemacht. Auch zahlreiche Prominente und Politiker in Großbritannien hatten erklärt, von BMW auf Rover umzusteigen. Die BMW AG hatte darum einen Absatzeinbruch auf der britischen Insel befürchtet.

Wie der BMW-Vorstandsvorsitzende Joachim Milberg im Gespräch mit dem Handelsblatt betonte, hat Großbritannien als drittgrößter Absatzmarkt für den Konzern nach wie vor einen besondern Stellenwert. Darum werde das Unternehmen auch trotz der immensen Rover-Verluste seine Produktionskapazitäten in England weiter ausbauen. Langfristig wird die BMW Gruppe etwa 5 000 Mitarbeiter in Großbritannien beschäftigen.

Zwar sei gerade für einen internationalen Konzern wie BMW das im Verhältnis zum Euro starke Pfund noch immer ein Nachteil, so Milberg, "aber wir haben uns darauf eingestellt." Während bei Rover überwiegend englische Zulieferteile verwendet wurden, sind es bei der Produktion des neuen Mini in Oxford nur 40 %. So kommen die Motoren für die BMW-Tochter Mini aus Brasilien.

Noch deutlicher wird die Abnabelung vom Pfund-Kurs in dem frisch eröffneten Motorenwerk Hams Hall. "Hier kommen nur noch 10 % der Komponenten aus dem Pfund-Raum", erklärte Milberg den Unterschied zu alten Rover-Zeiten.

Außer den Vier-Zylinder-Motoren aus Hams Hall setzt die BMW-Gruppe in Großbritannien vor allem auf zwei starke Heimatmarken: den Mini und Rolls-Royce. Im geplanten Rolls-Royce-Werk, das für rund 200 Mill. DM bis zur Übernahme der Markenrechte von Volkswagen bis Ende 2002 bei Chichester (Südengland) gebaut werden soll, wird BMW ebenfalls auf ausländische Bauteile setzen. Die Karossen sollen wie die großen V8-Motoren von deutschen Standorten nach Südengland zum Zusammenbau geliefert werden, so ein Sprecher zur Planung. BMW will pro Jahr 1 000 Rolls-Royce bauen.

Einen neuen Streit um die Markenrechte von Rolls-Royce fürchtet Milberg nicht. "Für mich ist die Sache klar", so der BMW-Chef, "sonst würden wir nicht das Werk planen und parallel dazu einen neuen Rolls-Royce entwickeln."

Nach Informationen aus London sollen jedoch Juristen hinter den Kulissen im Auftrag von VW-Chef Ferdinand Piëch noch immer um die Marke streiten. Vor zwei Jahren hatten sich beide Konzerne einen erbitterten Kampf um die Edel-Marke geliefert. VW glaubte, das Unternehmen gekauft zu haben, BMW hatte aber im letzten Moment die Nase vorn. Volkswagen kann die Marke Rolls-Royce nun bis Ende 2002 nutzen, danach geht sie an BMW.

Gestritten wird auch um die Endabrechnung des Rover-Verkaufs an die heutige MG Rover Group. Nach den Worten von Milberg soll eine Einigung "möglichst schnell" erzielt werden, ist aber entgegen jüngster Presseberichte keineswegs in Sicht: "Es gibt in einigen Punkten andere Positionen, das ist ein noch offener Prozess." In BMW-Kreisen ist zu hören, dass kaum vor Ende März mit einer Einigung zu rechnen sei. Erst danach werde der Münchener Konzern auch das Motorenwerk Longbridge (bei Birmingham) verkaufen. An dem Werk, das vor allem Rover-Motoren baut, ist die MG Rover Group interessiert.

Milberg betonte erneut, dass BMW mit mehreren Interessenten für den Standort Longbridge verhandele. Über das ebenfalls zum Verkauf stehende Karosseriewerk in Swindon wird mit dem britischen Hersteller Mayflower gesprochen.

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