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27.05.2000

14:12 Uhr

um MÜNCHEN. Nach über zweimonatigen Verhandlungen haben BMW und die Ford Motor Company gestern den Vertrag über den Verkauf der Geländewagensparte Land Rover unterzeichnet. Der Kaufpreis beläuft sich, wie in der im März geschlossenen Absichtserklärung vereinbart, auf 3 Mrd. Euro. Davon werden zwei Drittel sofort fällig. Der verbleibende Betrag von 1 Mrd. Euro soll erst 2005 bezahlt werden.

Welche Summe Ford im Jahr 2005 tatsächlich noch an die Münchener überweist, ist jedoch fraglich. Denn der Kaufpreis wird sich um die langfristigen Verbindlichkeiten von Land Rover mindern, die BMW übernehmen muss, und die dem Vernehmen nach bei rund 1 Mrd. DM liegen. Zudem tritt BMW die Rückstellungen, die für Gewährleistungen und Rückrufaktionen gebildet wurden, an Ford ab, was die BMW-Bilanz zusätzlich belastet.

Ford besitzt künftig die Rechte an der Marke Land Rover, das Produktionswerk im britischen Solihull, das Entwicklungszentrum in Gaydon und das Land-Rover-Händlernetz. Rund 13 000 Mitarbeiter werden übernommen. Der US-Autokonzern will Land Rover in die Premier Automotive Group integrieren, in der Ford die Oberklasse-Marken Jaguar, Volvo, Aston Martin und Lincoln zusammengefasst hat. Zuständig für diese Führungseinheit ist Ex-BMW-Vorstand Wolfgang Reitzle.

Endgültiger Schlussstrich

Der bayerische Autokonzern kann mit der Einigung, die Ende Juni wirksam werden soll, nun einen endgültigen Schlussstrich unter das 1994 eingegangene kostspielige Rover-Engagement ziehen, nachdem Rover Cars vor zwei Wochen für den symbolischen Kaufpreis von 10 Pfund an das britische Investorenkonsortium Phoenix verkauft worden war. BMW-Chef Joachim Milberg hatte die Belastungen aus dem Einstieg bei Rover Cars auf rund 9 Mrd. DM beziffert. Diese Summe mindert sich um außerordentliche Erträge aus dem Land-Rover-Verkauf.

Wie teuer BMW der fehlgeschlagene Einstieg ins Massengeschäft letztlich kommen wird, wird aber erst der Jahresabschluss 2000 zeigen. Denn Ende dieses Jahres müssen noch die Aktiva von Land Rover aus der Bilanz ausgebucht werden. Da auf diese Vermögenswerte noch keine Abschreibungen vorgenommen wurden, wird sich der aus dem Kaufpreis verbleibende außerordentliche Ertrag weiter reduzieren.

In die Ergebnisrechnung für dieses Jahr wird außerdem der operative Verlust von Land Rover für die ersten sechs Monate einfließen. Im März hatte Finanzvorstand Helmut Panke erstmals zugegeben, dass die bis dahin als Perle geltende Geländewagensparte seit 1998 rote Zahlen schreibt. Über die Höhe dieser Verluste macht BMW keine Angaben. Für die zweieinhalb Jahre insgesamt soll es sich aber um einen DM-Betrag in einer niedrigen dreistelligen Millionenhöhe handeln. Land Rover gehört zu den Verlierern des hohen Pfund-Kurses, da drei Viertel des Absatzes außerhalb Großbritanniens erzielt werden.

Das neue Modell Range Rover wird von BMW bis zum Serienanlauf betreut. Außerdem bleiben die Münchener auch nach dem Verkauf ein wichtiger Land-Rover-Zulieferer. So werden weiter 2,5 l Dieselmotoren aus Steyr geliefert. Das Modell Freelander erhält wie geplant statt der Rover-Motoren aus dem Werk Longbridge künftig ebenfalls BMW-Aggregate aus Steyr.

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