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07.02.2002

15:54 Uhr

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Münchener Rück setzt höhere Prämien durch

Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück hat eine positive Bilanz seiner ersten Verhandlungsrunde mit den Erstversicherern nach den Anschlägen vom 11. September gezogen. Angesichts der vergrößerten Risiken habe die Rück die geforderten Prämienanhebungen in der Sach- und Haftpflicht-Versicherung zum großen Teil durchgesetzt.

Reuters MÜNCHEN. "Wir sind mit der bisherigen Erneuerungsrunde 2002 voll zufrieden. Unsere Erwartungen haben sich im Großen und Ganzen erfüllt", sagte eine Sprecherin am Donnerstag auf Anfrage in München. Die Verlängerung von mehreren tausend Verträgen, die üblicherweise vor dem Jahresende abgeschlossen wird, habe sich diesmal länger hingezogen. Noch im Januar hatten Experten von enttäuschenden Verhandlungen gesprochen.

"Der Trend zur Vernunft hat sich verstärkt", resümierte die Münchener Rück in einer ersten Bilanz. Dennoch würden Preise und Konditionen noch nicht überall der Neu-Einschätzung des Risikos gerecht. "Wir haben das nicht in einem Schritt voll durchsetzen können", sagte die Sprecherin. 2003 gebe es daher weiteren Sanierungsbedarf. Genaue Zahlen wollte die Münchener Rück nicht vorlegen, da noch nicht alle Verhandlungen abgeschlossen seien. Mit quantifizierbaren Ergebnissen sei erst Ende des Monats zu rechnen. In Japan, Korea und Indien stünden die Verhandlungen erst zum 1. April an.

Es sei gelungen, Haftungsbeschränkungen pro Jahr und Risiko wie geplant durchzusetzen, hieß es weiter. Großrisiken würden nur noch einzeln und nicht mehr pauschal mitversichert, wodurch die Münchener Rück ihr Risiko genauer kenne. Dies werde ab sofort positiv auf den Schadensverlauf durchschlagen.

Im so genannten nicht-proportionalen Geschäft, in dem die Rück Verpflichtungen der Erstversicherer oberhalb und unterhalb festgelegter Grenzen für einen festen Preis übernimmt, habe man mindestens prozentual zweistellige Preissteigerungen durchsetzen können. In der Sachversicherung sei dies noch stärker gelungen als in der Haftpflicht. Im proportionalen Geschäft, in dem die Leistung von der Prämie direkt abhängt, hätten die Versicherer ihre Preise angehoben, wodurch sich auch in der Rückversicherung die Prämien erhöht hätten. Darüber hinaus seien die Einnahmen durch die Senkung der an die Versicherer gezahlten Provisionen gestiegen.

Besonders stark fielen die Prämiensteigerungen der Münchener Rück im fakultativen Geschäft aus, in dem sie einzelne Risiken in Industrie und Gewerbe rückversichert. Große deutsche Industriekonzerne unter Führung des Chemiekonzerns BASF wollen wegen der hohen Prämiensteigerungen nun sogar eine eigene Rückversicherung gründen.

Bis zu 2,1 Mrd. ? Belastung durch New Yorker Anschlag

Rückversicherer und Erstversicherer verhandeln einmal pro Jahr über die Erneuerung der Rückversicherungsverträge. Nach den Flugzeug-Attacken, die das New Yorker World Trade Center am 11. September zum Einsturz brachten, hatte der Marktführer deutlich höhere Preise und eine Einschränkung der mitversicherten Risiken gefordert. Die Anschläge haben den Marktführer unter dem Strich bis zu 2,1 Mrd. ? gekostet. Nach einem Gewinneinbruch 2001 erwartet die Münchener Rück im laufenden Jahr einen Umsatz- und Ergebnisschub.

Auf Grund der Verluste durch die hohen Schadenforderungen aus New York hätten sich kleinere Gesellschaften zurückgezogen. Die Kapazitäten auf dem Weltmarkt hätten sich spürbar reduziert, stellte die Münchener Rück nun fest. Auch das Auftreten neuer Rückversicherer, die die Chance nutzen wollten, daraus Kapital zu schlagen, habe die Kapazitätseinbußen nicht annähernd wett machen können. Beobachter hatten vermutet, dass die gestiegene Konkurrenz die Hoffnung auf Preiserhöhungen bis zu 100 % für Sachwerte zunichte machen könnte. Die Münchener Rück hatte nach den Anschlägen eine "Flucht in die Qualität" erwartet.

Die Aktie der Münchener Rück legte nach der Veröffentlichung kräftig zu. Am Donnerstagnachmittag notierte sie mit 263,84 ? um 3,9 % fester.

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