Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.06.2000

16:34 Uhr

reuters HARARE. Bei den Parlamentswahlen in Simbabwe am Samstag und Sonntag muss der seit 20 Jahren regierende Präsident Robert Mugabe erstmals ernstlich die Opposition fürchten. Zum Gegenspieler des 76-jährigen Präsidenten von der alles beherrschenden Partei ZANU-PF hat sich der 48-jährige Gewerkschafter Morgan Tsvangirai aufgeschwungen. Der begnadete Redner schaffte es, Gewerkschafter und Bürgerrechtsgruppen zusammenzuführen und angesichts des wirtschaftlichen Niedergangs im September vergangenen Jahres eine Oppositionspartei zu gründen: die Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC).

Mugabe, der als Präsident noch bis zum Jahr 2002 im Amt ist, muss sich im Falle eines Sieges der MDC auf harten Widerstand einstellen. Bereits jetzt wirft ihm die MDC vor, die Opposition durch Gewalt mundtot machen zu wollen. Eine ernst zu nehmende Opposition kannte Mugabe, dessen Partei 118 von 120 frei gewählten Abgeordnete stellt, bisher nicht. Die seit 20 Jahren regierende ZANU-PF reagierte auf das Erstarken der Oppositionspartei mit einer Gewalt- und Einschüchterungskampagne, der mindestens 30 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Mugabe sagte kürzlich zu seinen Anhängern auf einer Kundgebung, er wolle friedliche Wahlen, aber: "Ich sagte euch nicht, steht mit verschränkten Armen da, wenn die Opposition euch provoziert. Wenn sie euch angreifen, schlagt zurück mit einer Axt". Der Leiter der EU-Wahlbeobachtergruppe in Simbabwe, Pierre Schori, sagte, die Beobachter hätten noch nie so viel Gewalt vor Wahlen erlebt. Opfer sind meist Anhänger der Opposition und die in der Landwirtschaft dominierenden weißen Farmer. Seit Februar haben Veteranen aus dem Bürgerkrieg Hunderte von Höfen weißer Farmer besetzt.

Die Kritik der MDC richtet sich auch gegen Versuche des Wahlbetrugs. Zuletzt seien 14 Wahlbeobachter bei Bulawayo entführt worden, sagte ein MDC-Sprecher am Freitag. Wenn man Wahlbeobachter entführe, sei es einfacher, am Wahltag das Ergebnis zu fälschen.

Den Widerstand spürt Mugabe, seit es mit der Wirtschaft nicht mehr voran geht. Im vergangenen Jahr schickte der Präsident, der das Land seit 1987 führt und seit der Unabhängigkeit im Jahr 1980 zuerst Ministerpräsident war, 10 000 Soldaten in den Kongo-Krieg. Ein kostspieliges Unternehmen. Die über zwölf Millionen Simbabwer merkten es am eigenen Leib: die Inflationsrate überstieg die 50 %, die Arbeitslosigkeit nahm zu und selbst das Benzin wurde knapp.

Tsvangirai und seine MDC werfen Mugabe vor, das Land an den Abgrund geführt zu haben: "Die ZANU-PF hat das Land, das einst hoch respektiert in der Staatengemeinschaft war, in einen Staat transformiert, dessen Führer gemeinhin als verwirrter Despot gilt", sagte Tsvangirai im Wahlkampf. Und dort, wo er auftritt, jubeln ihm die Wähler zu.

Bei der Abstimmung am Wochenende geht es um die Besetzung von 120 der 150 Sitze im Parlament. 30 Abgeordnete werden ohnehin von Präsident Mugabe benannt, davon sind zwölf Sitze für Stammeschefs und acht für Provinzgouverneure reserviert. Derzeit hat die ZANU-PF insgesamt 147 Mandate. Von den 12,5 Mill. Einwohnern sind 5,1 Mill. als Wähler registriert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×