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05.06.2000

10:45 Uhr

Multimedia-Branche steht unter Wachstumsdruck

Kabel New Media übernimmt E–Commerce-Spezialisten Iqena

Peter Kabel schiebt die Multimedia-Agentur durch die Iqena-Übernahme im Agenturranking weiter nach vorn. Die Konkurrenz gibt sich gelassen.

jgo Düsseldorf. Die Kabel übernimmt 100% der Geschäftsanteile des E-Commerce Iqena GmbH. -Spezialisten Das teilte das Unternehmen am Montag in Hamburg mit. Iqena, die im Geschäftsjahr 1999 einen Umsatz von knapp 9 Mill. Euro erwirtschaftet hat, unterhält in Deutschland Standorte in Bonn und Friedrichshafen und beschäftigt 100 Mitarbeiter. Das Unternhemen hat sich im Multimedia-Geschäft auf das E-Business konzentriert und bietet seine Dienstleistungen im Business-to-Consumer-Geschäft und Business-to-Business-Markt an. Zu den Kunden zählen Unternehmen wie Buecher.de, Karstadt, die Deutsche Telekom und Thyssen.

Vor wenigen Wochen hatte die Kabel-Gruppe bereits die Österreicher Scope Consulting, die Schwedische Lexor und die Deutsche Center übernommen.

Die Übernahme der Geschäftsanteile an der Iqena wird durch eine Sachkapitalerhöhung unter teilweiser Ausnutzung des genehmigten Kapitals der Kabel New Media finanziert. Bisherige Gesellschafter, unter ihnen die ABN Amro Ventures BV, erhalten Aktien von Kabel New Media. Nach Unternehmensangaben haben die beiden Internetdienstleister schon in der Vergangenheit erfolgreich kooperiert. Wie die Zusammenarbeit sich im einzelnen gestalten soll, und welche Ziele in den nächsten Monaten erreicht werden sollen, konnte eine TFG-Sprecherin heute allerdings noch nicht sagen. Sicher ist, dasss Werner Schiffer und Karl-Heinz Preut weiterhin im Management des durch häufigen Wechsel der Gesellschafter geprägten Unternehmens bleiben werden.

Branche wächst rasant - nicht alle halten mit

In den vergangenen Monaten hat die Multimedia-Branche in Deutschland ein zum Teil rasantes Wachstum verzeichnet. Im Durchschnitt konnten die Internetdienstleister 1999 ein Umsatzwachstum von 212 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielen. Marktführer ist hierzulande die Multimedia-Agentur GFT Technologies . 1998 hatte das Unternehmen noch einen Umsatz von 13,2 Mill. DM mit webbasierter Dienstleistung erwirtschaftet. 1999 stieg der Umsatz auf 70 Mill. DM, und nach den Worten des TFG-Vorstandsvorsitzenden, Ullrich Tietz, ist mit weiterem Wachstum zu rechnen: Für 2000 ist ein Gesamtumsatz von 160 Mill. DM geplant, wovon 70 Prozent auf webbasierte Dienstleistungen entfallen sollen.

Die Unternehmen der Branche sehen sich zugleich getrieben und gefördert durch die Anforderungen großer Unternehmen. Wer mit dem Wachstumstempo nicht Schritt halten und kein umfassendes Angebot mit zahlreichen Niederlassungen anbieten kann, muss Kapital aufnehmen oder nach einem starken Partner suchen. So will die Concept AG beispielsweise die Emissionserlöse von 206 Mill. DM abzüglich Börseneinführungskosten komplett in die Expansion investieren. Schon jetzt unterhält das Unternehmen Niederlassungen in London, Madrid, Zürich und Warschau.

Fusionen gelten in der Branche als heikel

Die Multimedia-Branche steht derzeit vor dem Dilemma, ein rasantes Wachstum zu erzielen, Aktionäre mit Erfolgsmeldungen bei Laune zu halten und gleichzeitig auch immer mehr Mitarbeiter dauerhaft an sich zu binden. Viele Unternehmen stehen in dem Ruf, sehr eigene Unternehmensstile zu pflegen. Andererseits reicht organisches Wachstum nicht aus, um mit den Anforderungen Schritt zu halten. "Wir sind permanent in Gesprächen mit potenziellen Partnern in ganz Europa", bestätigt denn auch Dietz, fügt aber hinzu: "Mit einer schnellen Einigung ist nicht zu rechnen. Wir wollen nichts übers Knie brechen."

Dass Fusionen im großen Stil auch mit einer großen Blamage enden könnnen, hat zuletzt Pixelpark erfahren müssen. Das im März 1991 gegründete Unternehmen hatte Ende März 2000 bekannt gegeben, mit dem schwedischen Internet-Unternehmen Cell Network/Mandator fusionieren zu wollen. Durch den Zusammenschluss sollte ein Unternehmen mit 2300 Mitarbeitern entstehen. Nicht einmal eine Woche später allerdings musste Pixelpark-Gründer Paulus Neef einräumen, sich verrechnet zu haben.

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