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27.07.2000

08:04 Uhr

Musikindustrie erringt Sieg um Urheberrechte im Internet

Online-Musiktauschbörse wegen Urheberrechten verboten

Im ersten größeren Gerichtsverfahren um Urheberrechte im Internet hat die amerikanische Musikindustrie einen Sieg gegen die Internet-Musiktauschbörse Napster errungen.

Reuters/dpa SAN FRANCISCO. Im ersten größeren Gerichtsverfahren um Urheberrechte im Internet hat die amerikanische Musikindustrie einen Sieg gegen die Internet-Musiktauschbörse Napster errungen. Eine Richterin des Bezirksgerichts von San Francisco gab am Mittwoch einer einstweiligen Verfügung des Verbandes der US-Plattenindustrie (RIAA) statt und ordnete die Abschaltung von Napster für Freitag an. Die RIAA beschuldigt den Internetanbieter, mit seiner kostenlosen Online-Tauschbörse Urheberrechte zu verletzen. Die Richterin sagte nach einer zweistündigen Anhörung, da die Verletzung der Urheberrechte im Großhandels-Umfang stattfänden, seien die Kläger berechtigt, ihr Urheberrecht durchzusetzen.

Der RIAA-Verband, in dem große Medienkonzerne wie Seagram , die Bertelsmann-Tochter BMG und die Sony Sony-Tochter Music zusammengeschlossen sind, begrüßte die Entscheidung. RIAA-Anwalt Cary Sherman sagte, der Beschluss sei wegweisend für die Zukunft von Online-Musik. Es habe sich gezeigt, dass die normalen Urheberrechte auch im Internet gelten. Napster-Chef Hank Barry sagte, das Unternehmen verstehe den Gerichtsentscheid und die Grundlage dafür, lehne ihn jedoch ab. Barry kündigte Berufung an.

Napster weist Vorwürfe der Musik-Piraterie zurück und bietet nach eigener Auffassung die Titel nur für private Zwecke an und verletzt deshalb keine Urheberrechte. Durch den Zugriff auf die Napster-Website konnte sich bisher jeder Computer-Besitzer ein Programm aus dem Internet herunterladen, mit dem er Zugriff auf Hunderttausende von Musiktiteln hat. In den USA ist das Programm vor allem bei jüngeren Computerfreaks sehr beliebt. Die Zahl der Napster-Fans wird auf 20 Mill. geschätzt. Das kleine Unternehmen aus dem Silicon Valley war im Dezember vergangenen Jahres vom einflussreichen Verband der US-Musikindustrie verklagt worden. In dem Verband sind unter anderem Seagram, EMI und die Bertelsmann AG vertreten.

Auch die Filmbranche führt bereits ähnliche Auseinandersetzungen. Ein Bezirksgericht in New York verhandelt derzeit die Klage von acht großen Hollywood-Studios gegen den Hacker Eric Corley, der im Internet eine Technik zum Kopieren digitaler Videos anbietet. Eine Entscheidung wird frühestens im August erwartet.

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