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19.06.2000

11:30 Uhr

afp NEUFCHâTEAU. Mehr als zwei Jahre nach seiner kurzen Flucht ist der mutmaßliche belgische Kinderschänder Marc Dutroux am Montag zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Gericht in Neufchâteau folgte mit diesem Strafmaß dem Antrag der Staatsanwaltschaft wegen Diebstahls und Bedrohung während Dutrouxs kurzen Flucht. Ihm wurden bewaffneter Diebstahl, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Bedrohung vorgeworfen - die Flucht selbst ist in Belgien kein Straftatbestand. In der Urteilsbegründung verwies der Richter auf die "ständige Gewaltbereitschaft" Dutroux' und den "totalen Mangel an Bedauern". Sein Anwalt hatte auf Unzurechnungsfähigkeit seines Mandanten plädiert. Die Flucht Dutroux' während eines Gerichtstermins am 23. April 1998 in Neufchateau hatte in Belgien eine Welle der Empörung ausgelöst, in deren Folge zwei Minister sowie der Chef der Gendarmerie zurücktreten mussten. Dutroux riss damals die ungeladene Waffe eines der Beamten an sich, kaperte vor dem Gerichtsgebäude ein Auto und flüchtete. Drei Stunden später wurde er in einem Wald nahe der Grenze zu Luxemburg gefasst. Er beteuerte in dem seit März dauernden Prozess immer wieder, er sei nur geflohen, um die Medien auf seine Haftbedingungen aufmerksam zu machen. Während der Flucht sei er nicht gewalttätig geworden, hatte er versichert. Mit der Eröffnung des Hauptprozesses gegen den mutmaßlichen Kinderschänder wird nicht vor nächstem Jahr gerechnet. Die Ermittlungen wegen Entführung, Missbrauch und Tötung von vier Mädchen sind nach wie vor nicht abgeschlossen. Dutroux sitzt seit seiner Festnahme 1996 in Haft. Die Affäre hatte Belgien in eine tiefe Krise gestürzt. In einem parlamentarischen Untersuchungsbericht wurden Versagen von Justiz und Gendarmerie mitverantwortlich für den Tod der Mädchen gemacht.

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