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14.02.2002

09:51 Uhr

Mutmaßliches El-Kaida-Mitglied sprengt sich in Jemen in die Luft

US-Journalist Pearl nach Angaben seines Entführers tot

Der in Pakistan entführte US-Journalist Daniel Pearl ist nach Darstellung seines mutmaßlichen Kidnappers tot. Der 27-jährige Scheich Ahmad Omar Saeed sagte am Donnerstag vor einem Gericht in Karachi, er sei für die Entführung verantwortlich. Die pakistanischen Behörden bezweifelten diese Aussage, weil Saeed nur einen Tag zuvor erklärt hatte, Pearl sei noch am Leben.

ap ISLAMABAD/SANAA. Unterdessen sprengte sich in Jemen ein mutmaßliches El-Kaida-Mitglied in die Luft. Der 25-Jährige Samir Mohammed Ahmed el Hada war der Schwager eines der Todespiloten vom 11. September.

Saeed nannte keine Einzelheiten über die Umstände und den Zeitpunkt des Todes von Pearl. Saeed hatte sich am Dienstag in Lahore den pakistanischen Behörden gestellt. "So weit ich weiß, ist er tot", sagte er über den Mitarbeiter des "Wall Street Journals". Er habe seine Gründe für die Entführung gehabt und denke, dass sein Land nicht den Interessen der Vereinigten Staaten dienen sollte.

Saeed betonte, er sei nicht festgenommen worden, sondern habe sich gestellt, um seine Familie zu schützen. Das Gericht ordnete eine zweiwöchige Untersuchungshaft für Saeed an. Im Zusammenhang mit der Tat wurden bereits drei andere Personen festgenommen; weitere zehn Verdächtige seien zum Verhör abgeführt worden.

"Bis die Leiche gefunden ist, können wir nicht glauben, was Saeed sagt", erklärte der pakistanische Innenminister Moinuddin Haider. "Wir brauchen einen Beweis." Saeed werde weiter zu der Entführung befragt. Ein Sprecher des Außenministeriums wies Saeeds Erklärung ebenfalls zurück. Dieser habe seine Aussagen bereits mehrfach geändert und sei daher nicht glaubwürdig.

Polizeisprecher Dschamil Jusuf sagte, Saeed habe die Entführer am 5. Februar gebeten, Pearl freizulassen. Seitdem habe er keinen Kontakt mehr zu ihnen. Jusuf hatte am Mittwoch erklärt, Saeed habe ausgesagt, Drohungen, den Journalisten zu töten, seien nicht ausgeführt worden.

Der 38-jährige Pearl war am 23. Januar auf dem Weg zu einem Treffen mit einem islamischen Extremisten verschwunden. Es wird vermutet, er habe Verbindungen des so genannten Schuh-Bombers Richard Reid zu pakistanischen Fundamentalisten untersucht. Reid hatte im Dezember versucht, auf einem Flug von Paris nach Miami in seinem Schuh versteckten Sprengstoff zu zünden.

Mutmaßliches El-Kaida-Mitglied auf Flucht vor Polizei getötet

Der 25-jährige Hada sprengte sich am Mittwochabend in Jemen offenbar aus Versehen in die Luft. Bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei explodierte eine Handgranate, die er auf seine Verfolger werfen wollte, zu früh und tötete ihn selbst.

Hadas Schwager Chalid Al Midhar gehörte zu den Entführern der US-Maschine, die auf das Pentagon stürzte. Zudem war Hada mit einem der 17 Männer verwandt, deren Namen auf einer am Montag veröffentlichten Liste des FBI auftauchten, in der vor neuen Anschlägen in den USA und Jemen gewarnt wird.

In Hadas Wohnung wurden zwei Pistolen sowie eine Reihe potenziell verdächtiger Dokumente und Telefonnummern gefunden, die überprüft werden sollen. Die Polizei kam Hada eigenen Angaben zufolge nach einem Hinweis von dessen Vermieter auf die Spur und fand heraus, dass der Verdächtige ein aktives El-Kaida-Mitglied ist und sich einige Zeit in Afghanistan aufgehalten hatte.

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