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28.09.2015

15:36 Uhr

„Widerrufsjoker“ bei Baufinanzierung

Wie fehlerhafte Klauseln immer weitere Kreise ziehen

VonJens Hagen

PremiumDer „Widerrufsjoker“ in der Baufinanzierung beschäftigt zahlreiche Gerichte. Nun gehen zu dem Thema zwei Kanzleien beim Kartellamt gegen den GDV und Rechtsschutzversicherer vor – und erheben einen schwerwiegenden Vorwurf.

Im Zeitraum zwischen 2002 und 2010 wurden mehr als zehn Millionen Immobiliendarlehensverträge abgeschlossen. Getty Images

Im Zeitraum zwischen 2002 und 2010 wurden mehr als zehn Millionen Immobiliendarlehensverträge abgeschlossen.

FrankfurtWenn Banker derzeit das Wort „Joker“ hören, dann denken sie in der Regel nicht an Rommé, Canasta oder Poker. Sie denken vielmehr an den „Widerrufsjoker“ in der Baufinanzierung, mit dem zahlreiche Kunden aus teuren Darlehen rauskommen können, um dann zu sehr viel niedrigeren Zinsen in Neuverträge zu wechseln.

Der Bundesgerichtshof mahnte fehlerhafte Widerrufsklauseln in alten Baugeld-Verträgen an. Verbraucherzentralen und der Eigentümerverband Haus & Grund beraten Kreditnehmer, wie sie den Widerrufsjoker spielen. „Im Zeitraum zwischen 2002 und 2010 wurden mehr als zehn Millionen Immobiliendarlehensverträge abgeschlossen“, sagt Kai Warnecke, Hauptgeschäftsführer von Haus & Grund. „Über die Hälfte davon dürften fehlerhafte Widerrufsbelehrungen...

Kommentare (1)

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Herr Roland Klaus

29.09.2015, 09:07 Uhr

Auch bei der "Interessengemeinschaft Widerruf", wo Verbraucher beim Widerruf von Darlehen unterstützt werden, können wir dieses merkwürdiges Verhalten der Rechtsschutzversicherungen beobachten. Erst waren es nur Einzelfälle, in denen die Versicherung von der normalen gerichtlichen Regelung "Streitwert=Darlehenssumme" abwichen. Doch seit einigen Wochen gibt es fast keine Ausnahmen mehr. Teilweise werden sogar gerichtliche Streitwertfestsetzungen ignoriert und die Anwälte werden aufgefordert, gegen diese Festsetzung vorzugehen.
In der Tat wirkt dieses Vorgehen sehr koordiniert. Bei allem Verständnis dafür, dass die Rechtsschutzversicherungen ihre Kosten im Griff behalten wollen, so ist doch diese Vorgehensweise besonders brisant, wenn man bedenkt, dass die Beklagten ja auch aus der Finanzbranche kommen. So gesehen erschweren die Versicherungen somit Klagen gegen die eigene Branche, teilweise sogar gegen das eigene Unternehmen. Das kann beispielsweise dann passieren, wenn der Kunde bei der Allianz sowohl seine Rechtsschutzversicherung als auch seine Baufinanzierung abgeschlossen hat. Dann finanziert die Allianz eine Klage gegen die Allianz.

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